Ndoye kann endlich wieder Krallen zeigen
Es geht also doch: Nach schwierigen Monaten im Klub holt sich Dan Ndoye im Nationalteam neues Selbstvertrauen. Für die Schweiz trifft er in dieser Saison häufiger als für Nottingham Forest.
Nach dem Spiel gegen Deutschland ist Dan Ndoye hin- und hergerissen. Einerseits weiss er, dass bei der 3:4-Niederlage nicht alles nach Wunsch gelaufen ist. Andererseits ist ihm mit seinem Treffer eine riesige Last von den Schultern gefallen. Endlich durfte er wieder die Krallen zeigen. So, wie er es jeweils bei seinem Torjubel macht.
"Wenn man gegen einen Gegner wie Deutschland mit so viel Qualität spielt, tut es gut zu sehen, dass wir mit solchen Top-Teams mithalten können", sagt der Angreifer, wobei er sich vor allem auf die erste Halbzeit bezieht. "Heute war es ein Hin und Her zwischen Angriff und Verteidigung, aber es war auch gut, in einem solchen Spiel gewisse Dinge ausprobieren zu können."
Sein Wechsel in die Premier League war mit grossen Hoffnungen verbunden. Bei Nottingham Forest, einem scheinbar aufstrebenden Klub, wollte Ndoye nach zwei starken Saisons bei Bologna den nächsten Schritt machen. Gut 42 Millionen Euro liess sich der englische Verein, der die letzte Saison überraschend auf Platz 7 abgeschlossen hatte, den Transfer kosten.
Ndoye gelang ein Traumeinstand: Er traf gleich im ersten Spiel und bereitete in der zweiten Runde ein weiteres Tor vor. Damals hätte man sich kaum vorstellen können, dass dies bis Ende März seine einzigen beiden Torbeteiligungen in der Liga bleiben würden.
Allerdings wurde es Ndoye auch nicht einfach gemacht. In dieser Saison hat er bereits vier Trainer erlebt. Es fehlt dem Team, das in der Meisterschaft nur wenige Punkte vor den Abstiegsrängen liegt, an einer klaren Richtung und Konstant. Und Ndoye? Nach einer Verletzung im Dezember kam er in diesem Jahr meist nur noch als Joker zum Einsatz.
Umso befreiender dürfte der Zusammenzug mit dem Nationalteam für ihn gewesen sein. Unter Trainer Murat Yakin geniesst er grosses Vertrauen und ist praktisch gesetzt. Das zahlt Ndoye mit starken Leistungen zurück: In den letzten acht Spielen für die Schweiz hat er fünf Tore erzielt und drei Vorlagen gegeben. Damit übertrifft er seine Klubausbeute - je zwei Tore und Vorlagen in wettbewerbsübergreifend 34 Partien - deutlich.
Dennoch fand Ndoye auch kritische Worte für den Auftritt in Basel: "Wir müssen offensiv und defensiv unsere Automatismen finden und kompakter werden. Wir haben zu viele Räume gelassen", sagt der Angreifer und fügt versöhnlich hinzu: "Das sind Kleinigkeiten, die sich durch Videoanalysen, Gespräche und Kommunikation leicht korrigieren lassen." Genau dafür seien Testspiele schliesslich da: Erkenntnisse gewinnen und Anpassungen vornehmen.
Vielleicht nimmt er dank seines jüngsten Treffers auch ein neues Selbstverständnis mit nach England. Dort geht es nicht nur um den Abstiegskampf, auch eine Titelchance lebt noch: In der Europa League steht Nottingham Forest in den Viertelfinals.