Rassismus-Wirbel um Vinicius Junior
Nach dem Sieg von Real Madrid bei Benfica Lissabon in der Champions League steht Vinicius Junior im Zentrum eines angeblichen Rassismus-Vorfalls. Der beschuldigte Benfica-Spieler wehrt sich.
Vinicius Junior war nach Reals 1:0-Sieg in Lissabon weder von Benfica-Trainer José Mourinho noch von Teamkollege Kylian Mbappé zu beruhigen. Aufgebracht prangerte der einzige Torschütze des Abends an, von Benfica-Spieler Gianluca Prestianni rassistisch beleidigt worden zu sein. Der Vorfall im Playoff-Hinspiel der Champions League wird die Europäische Fussball Union UEFA noch weiter beschäftigen.
"Rassisten sind vor allem Feiglinge. Sie müssen sich das Trikot in den Mund stopfen, um ihre Schwäche zu demonstrieren", klagte Vinicius Junior bei Instagram an. Er möge es nicht, sich in solchen Situationen zu befinden, äusserte sich der frühere Weltfussballer. "Erst recht nicht nach einem grossartigen Sieg - und wenn die Schlagzeilen eigentlich Real Madrid gelten sollten. Aber es war notwendig."
Eine Woche vor dem Rückspiel im Bernabeu-Stadion geriet der sportliche Wert des Erfolgs durch das traumhafte Tor des Brasilianers angesichts des Rassismus-Vorwurfs in den Hintergrund. Nachdem Vinicius Junior seinen Treffer kurz nach der Halbzeit-Pause mit einem Tänzchen an der Eckfahne gefeiert hatte, verloren einige die Nerven. Der argentinische Benfica-Profi Prestianni zog sich vor einer verbalen Auseinandersetzung das Trikot über den Mund. Fielen da rassistische Beleidigungen?
"Wenn man sich beim Sprechen den Mund mit dem Shirt bedeckt, will man offensichtlich etwas wirklich Hässliches sagen", sagte Reals Federico Valverde. "Er hat ein Wort gesagt, das man niemals verwenden sollte. Was er gesagt hat, war erbärmlich. Es ist wirklich, wirklich schlimm." Mehreren Medienberichten und auch Spielern von Real zufolge soll Vincius Junior angegeben haben, dass das Wort "mono" fiel - ein spanischer Ausdruck für Affe.
Prestianni bestritt eine rassistische Beleidigung. "Ich möchte klarstellen, dass ich zu keinem Zeitpunkt rassistische Beleidigungen gegen Vinicius Junior gerichtet habe. Er hat leider das, was er zu hören glaubte, falsch interpretiert", erklärte der 20-Jährige auf Instagram. Er sei niemals rassistisch gewesen und bedauere, dass ihn Real-Spieler bedroht hätten.
Schiedsrichter François Letexier aus Frankreich hatte nach der Beschwerde von Vinicius Junior die Partie am Dienstagabend im Estadio da Luz für mehrere Minuten unterbrochen. Mit gekreuzten Armen hatte er angezeigt, dass das Anti-Rassismus-Protokoll der UEFA durchlaufen wird. Die Zuständigen der UEFA prüfen den Vorfall. Über mögliche Disziplinarmassnahmen wird danach entschieden.
"Jetzt haben sie einen ernstzunehmenden Fall, und ich hoffe, sie unternehmen etwas", sagte Mbappé. "Wir können nicht akzeptieren, dass sich ein Spieler, der in Europas wichtigstem Wettbewerb spielt, so verhält. Dieser Kerl hat es nicht mehr verdient, in der Champions League zu spielen. Aber wir werden sehen, was passiert." Abwehrspieler Trent Alexander-Arnold bezeichnete die mutmasslichen Beleidigungen als "Schande für den Fussball". Vinicius Junior war in seiner Karriere wiederholt rassistischen Beleidigungen ausgesetzt.
Nach Ansicht von Mourinho hat der 25-Jährige auch seinen Anteil daran, dass ausgerechnet er so oft im Fokus von Anfeindungen steht. "Ich habe ihm gesagt: 'Wenn du so ein Tor schiesst, feiere einfach und gehe zurück'", sagte der frühere Real-Trainer. Der Portugiese nahm Benfica gegen den Verdacht des Rassismus in Schutz und sagte, er habe Vinicius Junior an den legendären Torjäger Eusebio erinnert: "Der grösste Mensch in der Geschichte dieses Klubs war schwarz."