Rast und Holdener als Top-Anwärterinnen auf Medaillen
Höhepunkte waren vor fünf Jahren die Weltmeisterschaften in Cortina d'Ampezzo mit zweimal Gold durch Lara Gut-Behrami und Corinne Suter und insgesamt sechs Medaillen für die Schweizerinnen und vor allem auch die Winterspiele 2022 in Peking, wo Michelle Gisin, Gut-Behrami und Suter Olympiasiegerinnen wurden und insgesamt sieben Medaillen für das Frauen-Team resultierten. "Es lief häufig gut", gibt sich der 57-jährige Bündner Tschuor trotzdem bescheiden.
Im Vorjahr an der WM in Saalbach dauerte es allerdings bis Mitte zweiter Woche, bis in der Team-Kombination dank Wendy Holdener und Gut-Behrami die erste Auszeichnung Tatsache wurde. Im abschliessenden Slalom sorgten Camille Rast und Holdener noch für die Medaillen 2 und 3 der Titelkämpfe.
Eine ähnliche Ausbeute wie in Saalbach liegt auch in Cortina im Bereich des Möglichen, eine Bilanz wie 2022 kann hingegen in den kommenden zwei Wochen kaum erreicht werden: Mit Gisin und Gut-Behrami sind zwei Leaderinnen verletzt, Suter verpasste nach einem Trainingssturz Anfang Dezember den Saisonauftakt und befindet sich wenige Tage vor Olympia-Beginn auf Formsuche.
Im Speed-Bereich gab es bis letzten Samstag, als die 22-jährige Walliserin Malorie Blanc sensationell den Super-G in Crans-Montana gewann, in acht Rennen keinen einzigen Podestplatz. Teils gab es sogar Rennen, in welchen sich Tschuors Fahrerinnen alle ausserhalb der ersten zehn klassierten. Das sei "keinesfalls der Anspruch, den wir haben", so der Cheftrainer. "Camille ist konstant auf dem Podest, Wendy weiss, wie man Medaillen gewinnt. Alles andere sind Aussenseiter-Geschichten. Aber ich traue den anderen Fahrerinnen auch viel zu."
Viel besser lief es bei den Technikerinnen mit zehn Top-3-Platzierungen, wovon deren acht durch die Slalom-Weltmeisterin Rast. Anfang Januar gewann die Walliserin in Kranjska Gora innert 24 Stunden je einen Riesenslalom und Slalom. "Camille hat nochmals einen Riesen-Schritt vorwärts gemacht. Sie ist fit, gesund und auf einer guten Welle - und ist aus meiner Sicht in allen Belangen hochprofessionell unterwegs", so das Lob von Beat Tschuor.
Einmal auf dem Podest stand - neben Gut-Behrami in Sölden noch vor ihrer Verletzung - Wendy Holdener. Die Schwyzerin, in diesem Winter in acht Slaloms immer mindestens Achte, liefert an Grossanlässen praktisch immer und nennt fünf Olympia- und gleich neun (!) WM-Medaillen ihr Eigen. Im letzten Jahrzehnt blieb Holdener einzig an der WM 2021 - im diesjährigen Olympia-Austragungsort Cortina allerdings... - ohne Auszeichnung.
Neben Holdener, Suter und Rast gibt es im elfköpfigen Olympia-Team der Frauen mit Jasmine Flury eine vierte Schweizerin, die weiss, wie man eine Medaille gewinnt. Die Bündnerin triumphierte 2023 in Méribel in der WM-Abfahrt.
Die restlichen sieben selektionierten Fahrerinnen erleben in Cortina ihre Olympia-Premiere: Blanc, Eliane Christen, Delia Durrer, Vanessa Kasper, Sue Piller, Janine Schmitt und Mélanie Meillard. Letztere wäre 2018 in Pyeongchang dabei gewesen, ehe sie sich kurz vor Beginn der Spiele im Riesenslalom-Training eine komplexe Knieverletzung zuzog. Heuer wurde die 27-jährige Meillard als vierte Slalom-Fahrerin selektioniert, obwohl sie in acht Slaloms nur einmal, als Zwölfte in Kranjska Gora, in die Top 15 fuhr.
Delia Durrer erhielt das Ticket nach Cortina mit gar nur einem Top-20-Platz. Dass sie die Olympia-Abfahrt am Sonntag auf der Piste Olimpia delle Tofane auch tatsächlich bestreiten wird, ist alles andere als sicher. Cheftrainer Tschuor nimmt mit Suter, Flury, Blanc, Durrer und Schmitt ein Speed-Quintett in den Dolomiten-Ort mit; startberechtigt sind nur vier pro Nationen. Wer fährt, entscheidet sich in den maximal drei Trainings ab Donnerstag.
Eine weitere Gelegenheit ergibt sich für die Abfahrerinnen in der Team-Kombination zwei Tage später (10. Februar), in welcher die Schweiz mit der maximal zulässigen Anzahl von vier Duos an den Start gehen will.