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Sehnsucht stillen dank Realismus und klarer Strategie

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Die Sehnsucht bei Fribourg-Gottéron nach dem ersten Meistertitel ist riesig. Sportdirektor Gerd Zenhäusern setzt auf Realismus und eine klare Strategie.

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Fribourgs Sportdirektor Gerd Zenhäusern nimmt viel Zeit für die Nachrichtenagentur Keystone-SDA © KEYSTONE/PETER KLAUNZER

"Der Druck ist gross von den Sponsoren und vom Verwaltungsrat. Ich könnte dir x Beispiele aufzeigen, bei denen ich sage: 'Das ist so hirnverbrannt'. Aber das gehört dazu. Wir müssen damit umgehen", sagt Fribourgs Sportdirektor Gerd Zenhäusern im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die Aussagen des 53-Jährigen verdeutlichen die enorme Erwartungshaltung bei Gottéron, die durch die Verpflichtung von Erfolgstrainer Roger Rönnberg auf diese Saison hin nochmals gestiegen ist. Der Schwede gewann mit Frölunda Göteborg viermal die Champions Hockey League und zweimal das nationale Championat. Nun soll er auch Fribourg zum Erfolg führen.

Die Sehnsucht nach dem ersten Meistertitel ist gross. Ein solcher blieb Gottéron selbst mit den russischen Stars Slawa Bykow und Andrej Chomutow verwehrt. Die beiden spielten von 1990 bis 1998 für den Verein. In dieser Zeit erreichte Fribourg dreimal in Serie als Qualifikationssieger den Final (1992 bis 1994). Alle drei gingen jedoch verloren: Der erste gegen Bern im entscheidenden fünften Spiel (1:4), danach setzte es zwei Niederlagen gegen Kloten ab. 2013 zog Gottéron das letzte Mal in den Final ein, musste sich aber wiederum dem SCB geschlagen geben.

In Rönnberg, der für drei Jahre unterschrieben hat, sehen die Fans den Messias. Für sie ist klar, dass es unter seiner Führung klappen muss mit dem ersten Meistertitel. Doch was zeichnet den 54-Jährigen aus? "Er ist ein richtiger Leader, hat seine Ideen, entwickelt diese aber mit dem Team weiter", sagt Zenhäusern. "Er kommuniziert viel mit den Spielern, involviert sie. Ich glaube, seine grosse Stärke ist, dass er die Mannschaft mitnehmen kann." Und ihm sei bewusst, dass er nicht alles selber machen könne. Deshalb umgebe er sich mit guten Leuten.

Zenhäusern kannte den Verein schon als Spieler, bestritt 227 Partien für Fribourg. Dort beendete er 2007 auch seine Karriere. Im Oktober 2014 kehrte er als Trainer der ersten Mannschaft zum Klub zurück. Im September 2016 gab er aus privaten Gründen seinen Job als Headcoach ab und übernahm das Amt als Ausbildungschef. Zur Saison 2021/22 wurde er Assistent von Sportdirektor Christian Dubé, der damals zugleich Trainer war. Weil Fribourg diese beiden Aufgaben trennen wollte, stieg Zenhäusern am 1. März 2024 zum Sportdirektor auf und entschied sich am Ende der Saison gegen eine Weiterbeschäftigung von Dubé. Die Verpflichtung von Rönnberg wurde schon im Mai 2024 kommuniziert.

Zenhäusern musste sich für den Posten des Sportdirektors bewerben. Ein Punkt seiner Strategie war, das Team zu verjüngen. Das setzt er konsequent um. In der vergangenen Saison stellte Fribourg gemäss "Elite Prospects" noch das älteste Team der Liga, nun befindet es sich in dieser Statistik auf dem 8. Platz und damit im Mittelfeld.

Mit Verteidiger Ludvig Johnson (19) und Stürmer Attilio Biasca (22), die beide vom EV Zug kamen, konnten zwei hoffnungsvolle junge Spieler verpflichtet werden. Mit ersterem einigten sie sich gemäss Zenhäusern, bevor er das erste Mal in der National League auflief. "Das war etwas ein Risiko. Aber irgendwo mussten wir mit dem Projekt beginnen. Wichtig bei jungen Spielern ist, ihnen Vertrauen zu geben. Wir erzählen ihnen keine Märchen, haben klare Vorstellungen, welche Rolle sie erhalten." Biasca ist bei Gottéron richtiggehend aufgeblüht, und Johnson wird ebenfalls im Powerplay eingesetzt.

Solche Beispiele würden ihnen helfen, andere Talente anzuziehen, sagt Zehnhäusern. So wird die Mannschaft auf die kommende Saison hin mit zwei weiteren umworbenen Stürmern verstärkt: Jamiro Reber (19) und Jonas Taibel (21). Reber spielt aktuell für HV71 in der schwedischen Liga, Taibel bei den Rapperswil-Jona Lakers. Selbstredend hilft bei solchen Verpflichtungen auch das Renommee von Rönnberg, der viele in die NHL gebracht hat. "Wir versuchen weiterhin, solche Spieler zu holen", sagt Zenhäusern. Es brauche aber auch eine gewisse Erfahrung im Team, die Balance müsse stimmen. "Denn wenn man in die Playoffs kommt, ist es eine völlig neue Meisterschaft."

Wird an Eishockey in Schweden gedacht, denkt man unweigerlich an eine gute Struktur im Spiel. Doch der Ansatz unter Rönnberg ist ein anderer. "Wir kommen nun mehr weg von Strukturen und Systemen, setzen mehr auf Intuition und Prinzipien", erklärt Zenhäusern. Klar brauche es in der Defensive eine gewisse Struktur, "aber wenn es nach vorne geht, da probieren wir, sehr offen zu sein. Das ist von mir aus gesehen wichtig."

Um die Entwicklung der Mannschaft möglichst gut voranzutreiben, wird auch auf künstliche Intelligenz gesetzt. "Wir sind sehr fokussiert auf Zahlen und Analysen, um alles richtig einordnen zu können, gehen bis ins Detail", sagt Zenhäusern. Dann wüssten sie genau, woran sie arbeiten müssten. "Wenn du immer nur am Raten bist, ist das Gugus. Wir wollen keine Spieler, die auf dem Eis nur gut aussehen, sondern solche, die effektiv sind."

Bislang stimmt die Richtung, das Team ist klar auf Playoff-Kurs. Dennoch gibt es für Zenhäusern noch einiges zu tun. "Wenn wir die auf dem Papier besseren Mannschaften anschauen, dann sind wir von der Kader-Qualität her noch nicht so weit. Wir sind jedoch überzeugt, dass wir mit guter Arbeit und mit jungen, willigen Spielern, die Potenzial haben, diesbezüglich die Lücke verkleinern können."

Zenhäusern weiter: "Das braucht allerdings Zeit. Realistisch gesehen sind wir noch kein Titelanwärter, aber wir können vorne mitspielen. Ich glaube, sieben, acht Teams können Schweizer Meister werden. Man braucht auch etwas Glück. Unser Ziel ist, eine Mannschaft aufzustellen, die Jahr für Jahr eine gute Chance hat, oben mitzumischen. Und irgendwann sollte es dann mal gelingen. Wir müssen jedoch Schritt für Schritt nehmen und nicht einfach versuchen, den Titel zu kaufen. Denn wenn es nicht klappt, dann was?" Zehnhäusern schwört also auf Realismus, allem Druck zum Trotz.

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