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Sky Sport exklusiv || Kahn: "Dieser Spielertyp fehlt dem FC Bayern aktuell"

Laut Kahn fehlt den Münchnern aktuell ein Spielertyp wie Thiago. Weidenfeller kritisiert die Leistungen von Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic.

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Der FC Bayern ist im Halbfinale der Champions League an PSG gescheitert. © DPA pa

Laut Kahn fehlt den Münchnern aktuell ein Spielertyp wie Thiago. Weidenfeller kritisiert die Leistungen von Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic.

Oliver Kahn über die Spielweise des FC Bayern im Champions‑League‑Halbfinal‑Rückspiel gegen Paris Saint‑Germain:

"Man muss zunächst einmal die Frage stellen: Was ist eigentlich passiert? Warum war gestern - mit Ausnahme von Manuel Neuer - ein Grossteil der Mannschaft nicht in der Lage, das absolute Topniveau zu erreichen, das man braucht, um gegen Paris Saint‑Germain weiterzukommen? Wenn man sich die Spiele davor anschaut, haben wir das ja oft diskutiert. Ich habe immer gesagt: Mir gefällt das überhaupt nicht. Vor dem Rückspiel gegen Paris hat Bayern in vier Spielen 13 Gegentore kassiert. Natürlich hiess es dann: Sie haben die Spiele trotzdem noch gedreht - 4:3 in Mainz gewonnen, drei Tore gegen Heidenheim erzielt. Aber da hat man schon gesehen, wie viel Risiko das System von Vincent Kompany mit sich bringt. Und dann kommst du ans Ende der Saison, bist Meister geworden, und es zeigen sich erste Verschleisserscheinungen. Die Spannung lässt ein bisschen nach. Wenn in diesem System die Kontrolle und die Balance verloren gehen, sieht man sehr schnell, wie anfällig es wird. Spieler machen sich Gedanken, auch wenn du ein Spiel 4:3 gewinnst, nachdem du 0:3 zurückgelegen hast. Was funktioniert im Moment nicht? Und wenn du dann mit dem Gefühl ins Rückspiel gehst, dass man aktuell etwas anfällig ist, dann passiert genau das, was gestern gegen Paris passiert ist. Da dauert es keine zwei bis drei Minuten - und schon fällt ein Gegentor, weil die Abstimmung zwischen Konrad Laimer und Dayot Upamecano nicht optimal war. Das ist genau das, was ich meine: Wenn dieses System nicht hundertprozentig funktioniert, geht es sehr schnell nach hinten los. Und du kannst nicht immer vier Tore schiessen, wenn du zwei oder drei kassierst. Das funktioniert auf diesem Niveau nicht."

Oliver Kahn über fehlende Kontrolle und Alternativpläne der Bayern gegen PSG:

"Wahrscheinlich hat man sich ein Stück weit etwas vorgemacht. Wenn du viele Gegentore bekommst und trotzdem gewinnst, werden Probleme und Fehler überdeckt. Vielleicht hat sich die Mannschaft dadurch zu sehr in Sicherheit gewiegt und gedacht: Es wird schon wieder funktionieren, wir schiessen sowieso mindestens ein oder zwei Tore. Das ist halt diese Grundeinstellung. Wenn man sich andere Spiele anschaut, zum Beispiel Arsenal gegen Atletico, haben viele Leute gesagt: Das war langweilig. Und dann hiess es, das Bayern‑Spiel sei viel besser gewesen. Ja, von der Attraktivität war das grossartig. Aber das ist genau das, was ich mit Kontrolle meine. Wenn du ganz oben in der Champions League Erfolg haben willst, musst du Spiele über weite Strecken kontrollieren. Wie du das machst, mit welcher Taktik, ist unterschiedlich. Aber dieses Gefühl von Kontrolle hatte ich weder im Hinspiel in Paris noch gestern im Rückspiel. Ich glaube, genau darüber muss man sich Gedanken machen: Welche Möglichkeiten gibt es noch ausser ständiger Voll‑Attacke? Gibt es einen Plan B oder sogar einen Plan C?"

Oliver Kahn über fehlende Spielertypen wie Thiago im aktuellen Bayern‑Mittelfeld:

"Die Spielertypen im Bayern‑Mittelfeld - mit Leon Goretzka, Aleks Pavlovic und Joshua Kimmich - sind sich in ihrer Art sehr ähnlich. Und natürlich geht das. Wir haben uns damals schon immer die Frage gestellt mit Thiago, der aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Faktor war, weil er nämlich komplett anders war. Diese besondere Technik, das Ausspielen von Gegenspielern, diese aussergewöhnlichen Pässe. Dieser Spielertyp fehlt aktuell. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Verantwortlichen genau darüber Gedanken machen und dass man so einen Mittelfeldspieler perspektivisch wieder gerne im Kader hätte."

Fakten zum FC Bayern München

  • Spitzname: Die Roten, FC Hollywood, Die Bayern, Stern des Südens
  • Gründung: 27. Februar 1900
  • Vereinsfarben: Rot-Weiss
  • Stadion: Allianz Arena
  • Trainer: Vincent Kompany
  • DFB-Pokalsiege: 20 (zuletzt 2020)

Oliver Kahn über das Adaptieren verschiedener Spielsysteme und Jamal Musiala:

"Ich finde es problematisch, wenn es für eine Mannschaft schwierig ist, unterschiedliche Systeme zu spielen. Genau das ist die Qualität, die man im modernen Fussball braucht - verschiedene Ideen umzusetzen, auf die sich der Gegner nicht einstellen kann. Und wenn du einen Spieler wie Jamal Musiala hast - vor seiner Verletzung war er auf dem Weg zum absoluten Unterschiedsspieler, was seine Dribblings anbelangt, seine Geschwindigkeit, sein Torabschluss, er hat Tore gemacht, da wird er auch wieder hinkommen. Aber dieser Weg ist beschwerlich. Währenddessen musst du damit leben, dass ständig Kritik aufkommt. Für einen Fussballer ist das mit das Schwierigste: Du weisst, dass du viel mehr kannst, aber es kommt im Moment noch nicht raus. Irgendwann wird dieser Punkt wieder kommen. […] Er hat es in den letzten Spielen angedeutet, in denen er wieder zum Einsatz gekommen ist, dass irgendwann dieser Knoten platzen kann. Er hatte schon ein, zwei Chancen, aber er hat im Moment eben nicht das Glück, dass so ein Ding in so einem entscheidenden Moment reingeht. Wenn das mal gelingt, ist es genau dieser Moment, den ein solcher Spieler braucht, der aus einer sehr schweren Verletzung kommt. Dann macht es Klick. Ich fand ihn gegen Paris nicht auffällig, aber er hat die eine oder andere Chance kreiert. Aber das ist nicht der Anspruch, den Jamal an sich selbst hat und den auch der Verein an ihn hat."

Oliver Kahn über den Bayern‑Kader, die Spielphilosophie und Nachwuchsspieler:

"Diese Diskussion gibt es schon immer: Ist der Kader des FC Bayern - gerade mit Blick auf die Bank - zu dünn besetzt? Wenn man sieht, was Arsenal einwechseln kann, kommen dort Spieler für 70, 80 oder 100 Millionen Euro von der Bank. Das ist aber auch eine Philosophiefrage. Will der FC Bayern das überhaupt - und ist das wirtschaftlich sinnvoll? Die Vereinsphilosophie war immer, am Jahresende eine positive Bilanz zu erzielen und keine übermässigen Risiken einzugehen. Wenn Bayern anfängt, auch die Bank mit 100‑Millionen‑Spielern zu besetzen, braucht man nicht mehr über die Entwicklung junger Spieler zu sprechen. Die Plätze sind dann besetzt. Entweder ich verfolge konsequent die Idee, junge Spieler wie Lennart Karl zu integrieren, oder ich fülle die Bank mit Spielern im Wert von mehreren hundert Millionen Euro. Das ist eine klare Philosophieentscheidung."

Roman Weidenfeller über Joshua Kimmich im Rückspiel gegen Paris:

"Ich glaube einfach, dass Joshua Kimmich gestern nicht seinen besten Tag hatte, genauso wie Aleks Pavlovic. Aus seiner Sicht hatte er auch Probleme mit dem Tempo, was auf diesem Niveau normal ist. Es ist schwer zu sagen, ob er bei den Bayern dauerhaft hinten rechts hingehört. In der Nationalmannschaft ja, bei Bayern zieht es ihn eher ins Mittelfeld. Vincent Kompany bestärkt ihn dort das ganze Jahr, sonst würde er ihn konsequent als Rechtsverteidiger einsetzen. Klar ist: Das Spiel gestern war qualitativ auf dem allerhöchsten Niveau. Da brauchst du einen Sahnetag, um diese Konterstärke von Paris kompensieren zu können."

Roman Weidenfeller über die Bayern‑Verantwortlichen und die Zufriedenheit mit Sportvorstand Max Eberl:

"Man ist nicht vollends zufrieden. Das muss man so festhalten, denn sonst würde sich Uli Hoeness nicht in dieser Form äussern. Was genau die Gründe sind, weiss ich nicht - da stecke ich nicht drin. Ich weiss nicht, wann Max Eberl morgens zur Arbeit kommt, wie oft er die Woche im Büro ist, wie nah er an der Mannschaft dran ist oder wie viel Zeit er sich in den einzelnen Phasen wirklich nimmt. Das kann ich nicht beurteilen. Man hört immer ein gewisses Rauschen im Umfeld. Aber das ist genau das Thema, über das Oliver gerade gesprochen hat: Das ist der FC Bayern. Dort wird immer alles überprüft und hinterfragt. Dazu kommen viele Meinungen von aussen, viele, die mitsprechen. Ob das immer alles gut ist, weiss ich auch nicht. Das gibt es aber bei mehreren Vereinen. So ist der Fussball."

Thomas Hayo über die Schiedsrichter‑Entscheidungen im Champions‑League‑Rückspiel gegen Paris:

"Ich sage ganz klar: Das wurde verpfiffen. Ich sage nicht, dass das der einzige Grund war - im Leben wie im Fussball gibt es Dinge, die du beeinflussen kannst, und Dinge, die du nicht beeinflussen kannst. Über die Handregel insgesamt kann man diskutieren, das nervt viele Fans. Aber das erste Handspiel von Nuno Mendes ist für mich eine klare zweite Gelbe Karte. Das heisst: Platzverweis in der 28. Minute für Paris. Ab dann reden wir über ein komplett anderes Spiel - elf gegen zehn. Paris muss umstellen, Hakimi fehlt verletzt, Mendes fehlt, die Manndeckung funktioniert so nicht mehr. Diese Minuten im Stadion, in denen niemand versteht, warum es keinen Platzverweis gibt, waren entscheidend. Danach hattest du das Gefühl: Entweder explodiert das Stadion - oder heute ist einfach nicht unser Tag. Im Fussball geht es um Momentum. Und dieses Momentum war im Rückspiel gegen Bayern - genauso wie schon im Hinspiel in Paris."

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