Die beiden WM-Finalisten haben die Fussballfans jeweils auf ihre Art und Weise begeistert – und können auch der deutschen Nationalmannschaft als Vorbild dienen, meint Sky Sport Redakteur Thorsten Mesch.
Pedro Porro? Diesen Namen kannten hierzulande vor dieser WM wohl nur Spanien-Insider oder Kenner der englischen Premier League. Mit Tottenham Hotspur kämpfte Porro in der vergangenen Saison gegen den Abstieg, bei der WM ist der 26-Jährige eine der grossen Überraschungen, im Halbfinale gegen Frankreich erzielte er den Treffer zum 2:0-Endstand. Als er völlig erschöpft ausgewechselt wurde, ersetzte ihn Atletico Madrids Dauerrenner Marcos Llorente als Rechtsverteidiger.
Rechtsverteidiger? Diese Position besetzte im DFB-Team Joshua Kimmich. Julian Nagelsmann hatte keinen einzigen etatmässigen Rechtsverteidiger in seinem WM-Kader. Spanien hat zudem auch auf der linken Seite in Marc Cucurella einen Weltklasse-Verteidiger.
Spanien setzt auf Simon - Wechsel-Wirbel im deutschen Tor
Im Tor stellte Unai Simon mit 649 Minuten ohne Gegentreffer einen WM-Rekord, hat in sieben Spielen erst ein Tor kassiert. Der Schlussmann aus Bilbao ist kein Welttorhüter, aber seit Jahren ein sicherer Rückhalt im Team von Trainer Luis de la Fuente. Nagelsmann hatte mit seinem Wechsel von Oliver Baumann auf Manuel Neuer vor der WM für viel Unruhe gesorgt. Am Ende konnte auch Neuer das Aus im Sechzehntelfinale nicht verhindern.
Einheitliche Spielphilosophie in spanischen Teams
In Spaniens Nationalmannschaft kennt jeder seine Aufgabe. Eine einheitliche Spielphilosophie zieht sich von den U-Mannschaften bis hin zur Seleccion. De La Fuente kennt viele seiner Jungs schon aus seiner Zeit als Junioren-Nationaltrainer, die Spieler gehen für ihren Coach durchs Feuer.
- Drei Gründe fürs WM-Finale: Darum ist Spanien so erfolgreich
Jürgen Klopp könnte genau dieses Feuer auch in Deutschland wieder entfachen, wenn er Bundestrainer wird. Der 59-Jährige hat als Trainer im Vereinsfussball alles erreicht, die Spieler sehen zu ihm auf. Klopp hat zwar noch keine Erfahrung als Nationaltrainer, aber in Rudi Völler einen wichtigen Ratgeber an seiner Seite. Gemeinsam mit Hannes Wolf, den er einst zu Borussia Dortmund holte, kann Klopp die bereits angestossenen Reformen im Juniorenfussball weiterentwickeln.
Hier sind der DFB und Klopp gefordert
Ziel muss und wird sein, ein einheitliches System für alles deutschen Teams zu entwickeln, aber auch individuelle Qualitäten wieder mehr zu fördern. Spanien profitiert schliesslich auch nicht nur von seiner mannschaftlichen Geschlossenheit, sondern ebenso von der Genialität seines Superstars wie Lamine Yamal, wenngleich dieser bei dieser WM (noch) nicht besonders geglänzt hat.
Spaniens Gegner Argentinien hat in Lionel Messi den alles überragenden Spieler des Turniers. Er hat die Mannschaft mit acht Toren und vier Torvorlagen ins Finale geführt. Der 39-Jährige wurde scherzhaft als "gefährlichster Spaziergänger im Weltfussball" tituliert, doch seine Teamkollegen laufen für ihn mit. Nach seiner Flanke zum 2:1-Siegtreffer gegen England rannten die meisten zuerst zu Messi und feierten dann mit dem Torschützen Lautaro Martinez. Dessen höchst emotionales Interview nach dem Spiel sagt sehr viel über den Erfolg des Titelverteidigers aus.
- Messi sorgt mit Doppel-Assist für spätes England-Drama!
Argentinien gegen den Rest der Welt
Alle für einen, einer für alle - gemeinsam die ganze Welt. Man muss den Fussball der Argentinier nicht mögen, aber wie die Albiceleste bei dieser WM immer wieder Rückstände gedreht hat, ist beeindruckend.
Widerstandsfähigkeit war über Jahrzehnte auch die grosse Stärke deutscher Mannschaften. Doch seit dem WM-Triumph 2014 wurde diese viel zitierte deutsche Tugend allzu oft schmerzlich vermisst.
Auch hier sind der DFB und der kommenden Bundestrainer gefordert, den Zusammenhalt im Team wieder zu stärken und damit auch die Fans wieder mitzunehmen, denn die Euphorie-Welle der Heim-EM 2024 war leider auch schnell wieder verfolgen.
Perfekter Schulterschluss mit den Fans
Wie der perfekte Schulterschluss zwischen der Mannschaft auf dem Platz und den Anhängern auf den Tribünen und in der Heimat aussieht, hatten die Argentinier schon beim WM-Titel 2022 gezeigt. Nach dem Halbfinal-Sieg gegen England feierten Spieler und Fans noch eine Stunde nach Spielende im Stadion von Atlanta.
Wer auch das Endspiel am Sonntag (ab 21 Uhr im Liveticker) gewinnt, von Spanien und Argentinien kann sich auch der deutsche Fussball eine Menge abschauen.