Stucki und Sempach vor dem Saisonhöhepunkt
Die Schwingerkönige und heutigen SRF-Experten Christian Stucki und Matthias Sempach beziehen vor dem Eidgenössischen Schwingfest Stellung. Der eine sieht die Berner vorne, der andere hat einen Wunsch.
Sechs Jahre ist es her, seit sich Christian Stucki in Zug zum ältesten Schwingerkönig gemacht hat. Mit seinem Sieg im Schlussgang gegen Joel Wicki schrieb der damals 34-jährige Berner nicht nur seines Alters wegen Geschichte.
Als erst zweiter Schwinger nach Jörg Abderhalden sicherte sich Stucki den Schwinger Grand Slam, bestehend aus Königstitel, Unspunnen- und Kilchberger-Sieg. Immer wieder denke er an den Moment in Zug zurück, sagt Stucki im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. "Es war ein befreiendes Gefühl. Ich bin dem Königstitel lange nachgerannt. Ihn mit 34 Jahren noch gewinnen zu können, war umso schöner."
Den Schwinger Grand Slam schaffen und somit in die Fussstapfen von Stucki und Abderhalden treten könnte in Mollis Samuel Giger. Der Thurgauer trat bei den letzten beiden Eidgenössischen als Topfavorit an, fiel jedoch beide Male bereits früh aus der Entscheidung. "Wenn alles für Giger läuft, ist der Königstitel sicher möglich. Er hat in letzter Zeit gut geschwungen. Aber es wird alles brauchen von ihm. Denn es haben ein paar andere etwas dagegen", so Stucki.
Michael Moser, Fabian Staudenmann, Werner Schlegel und Armon Orlik sieht Stucki als Gigers grösste Konkurrenten. "Ich könnte noch drei, vier andere aufzählen. Adrian Walther ist auch fähig dazu. Es wird ein enges Rennen", prognostiziert der König, der nach seinem Rücktritt zum ersten Mal für Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) beim ESAF dabei ist.
Matthias Sempach ist der letzte König, der mit acht Siegen den Titel holte. 2013 in Burgdorf bezwang der Berner im Schlussgang seinen Verbandskollegen Stucki. Unvergessen das Bild, als die Kollegen im Sägemehl liegen, sich anlächeln und umarmen. Einen Durchmarsch, wie er ihn vor zwölf Jahren hinlegte, traut Sempach in Mollis einigen Schwingern zu. "Giger, Schlegel, Staudenmann, Moser und Wicki sind auf alle Fälle fähig dazu." Wichtig sei ein guter Start.
Die Einteilung der Spitzenpaarungen im 1. Gang hat Anlass zu Diskussionen gegeben. Auch Sempach hält nicht zurück mit Kritik: "Ich hätte andere Paarungen gemacht. Wicki gegen Moser finde ich genauso speziell wie Giger gegen Staudenmann. Der amtierende Schwingerkönig müsste meiner Meinung nach mit dem aktuell stärksten Schwinger zusammengreifen. Und das war in den vergangenen beiden Jahren und auch heuer Staudenmann."
Auf der anderen Seite habe es in der jüngeren Vergangenheit die Paarung Giger gegen Staudenmann schon oft gegeben. "Da hätte man meiner Meinung nach etwas tauschen können. Aber es sind spannende Duelle, die viel bieten werden."
Während sich Stucki einen Königstipp entlocken lässt ("Staudenmann, Moser - oder Walther") lässt sich Sempach nicht in die Karten blicken. "Das sehen wir dann am Sonntagabend. Das wichtigste für mich ist, dass die zwei besten im Schlussgang stehen und am Ende der beste gewinnt."