Die Auswahl von Bundestrainer Markus Gaugisch besiegte den Angstgegner in Rotterdam mit 29:23 (15:12) und revanchierte sich eindrucksvoll für die Niederlage im Olympia-Viertelfinale 2024.
Schon vor dem Endspiel am Sonntag gegen Olympiasieger Norwegen oder Co-Gastgeber Niederlande haben die DHB-Frauen die erste WM-Medaille seit Bronze 2007 sicher. Ein sportliches Wintermärchen, das in dieser Form vielleicht sogar goldene Konturen annimmt.
Vor einer überschaubaren WM-Kulisse von rund 5.000 Zuschauern war Kapitänin Antje Döll mit neun Toren beste deutsche Werferin. Für das DHB-Team war es der erste Pflichtspielsieg gegen die Équipe Tricolore nach zwei Jahrzehnten. Auf den Tag genau vor 20 Jahren hatte Deutschland bei der WM in St. Petersburg letztmalig gegen die Französinnen gewonnen.
Glaube ans Finale war "unnormal gross"
Auch wenn die Rollen vor Anpfiff klar verteilt waren, war der Glaube an einen deutschen Sieg «unnormal gross», wie Rückraumspielerin Emily Vogel betont hatte. Die herausragende Abwehr, eine starke Katharina Filter im Tor und eine ungewohnte Kaltschnäuzigkeit im Angriff hatten im DHB-Kader nicht nur leise Medaillenträume geweckt. «Die Gier ist gewachsen», berichtete Bundestrainer Markus Gaugisch vor dem Anpfiff.
Für den DHB ist das WM-Wunder nicht nur ein sportlicher Erfolg. Die Auftritte vor mehr als 10.500 Fans in Dortmund und Millionen TV-Zuschauern sollen die Entwicklung des Frauenhandballs nachhaltig fördern und seine Sichtbarkeit weiter erhöhen.
Blitzstart für Deutschland
Spielt Deutschland künftig immer so wie in der Anfangsphase, dürften viele neue Fans hinzukommen. Kapitänin Antje Döll traf alleine in der ersten Halbzeit fünfmal, Filter parierte sogar einen Siebenmeter und aus dem Rückraum knallten Vogel und Viola Leuchter die Bälle mit über 80 Kilometern pro Stunde ins Tor. Selbst als die deutsche Riege aufgrund einiger technischer Fehler ihren Vier-Tore-Vorsprung einbüsste, brach das Team nicht ein.
Frankreichs Weltklasse-Torhüterin Hatadou Sako war zunächst überhaupt kein Faktor. Die hunderten angereisten deutschen Fans trauten ihren Augen kaum, als sie ihr Team bei einer Führung von drei Toren in die Pause verabschiedeten. "Mein Herz springt, ich bin begeistert", fasste Teammanagerin Anja Althaus die Stimmung am ARD-Mikro zusammen.
Filter lässt Frankreich verzweifeln
Grossmeister Frankreich wirkte angeschlagen. Nicht einmal sechs Minuten waren in der zweiten Halbzeit gespielt, da nahm Trainer Sebastien Gardillou eine Auszeit. Die deutschen Fans feierten mit "Katharina Filter"-Sprechchören. Die Französinnen wurden immer unruhiger und agierten immer härter - Onacia Ondono sah nach einem rüden Foul an Nieke Kühne die Rote Karte.
Eine Viertelstunde vor Spielende wurde das WM-Wunder beim Stand von 22:18 immer realer, zumal Filter weiter ein starker Rückhalt für die kämpferisch und spielerisch überzeugende DHB-Auswahl war. Sieben Minuten vor Ultimo hatte sich Deutschland beim 25:20 sogar ein Fünf-Tore-Polster erarbeitet.
Die Uhr tickte für das deutsche Team, das seine Angriffe nun lange ausspielte. Frankreich steckte jedoch nicht auf und verkürzte zweieinhalb Minuten vor Schluss auf drei Treffer. Doch dann zog Leuchter zum Kreis und löste mit ihrem Tor bereits Jubel auf der deutschen Bank aus.
dpa
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