Vier gewinnt: Unsere Erkenntnisse aus der Schweizer NL-Kampagne
Vier Spiele, vier Siege und 11:1 Tore gegen zum Teil überforderte Gegner aus Nordmazedonien, Schottland und Slowenien. Keine Frage, der Auftakt in die Nations-League-Kampagne 2026 ist der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft so gut geglückt, dass aktuell niemand mehr über die Vorkommnisse rund um Granit Xhaka und Breel Embolo spricht. Ob das auch im November noch der Fall sein wird? Unsere Erkenntnisse von Teil I der UEFA Nations League 2026.
Auf Kurs
Schon vor Beginn dieser Kampagne war klar: Für EM- und WM-Viertelfinalist Schweiz konnte in der Nations League B nur der Wiederaufstieg das Ziel sein. Nun, nach vier von sechs Gruppenspielen mit vier Siegen, darf man konstatieren: Die Nati ist auf Kurs, und das auf überzeugende Art und Weise. Mit teilweise erfrischendem Offensivgeist und vor allem (fast) ohne die Art von Minimalistenfussball, der ähnliche Schweizer Spiele gegen vergleichbare Gegner in der Vergangenheit so oft prägte. Auch deshalb darf man im Bewusstsein, irgendwann auch wieder auf stärkere Gegner zu treffen, festhalten: Zu den Gewinnern gehörten die Abwesenden wie Granit Xhaka, Breel Embolo und auch Denis Zakaria bei diesem Zusammenzug mit Sicherheit nicht.
Ein Unterschiedsspieler
Die Schweiz hat einen Unterschiedsspieler. «Wieder» könnte man vielleicht auch sagen, denn schliesslich gab es ja bis vor Kurzem einen Xherdan Shaqiri, der durchaus dazu in der Lage war, ein Spiel in einem genialen Moment entscheidend zu beeinflussen. Aber einen Spieler wie Johan Manzambi? Hatte die Schweiz vermutlich noch nie. Sicher nicht mit knapp 21 Jahren, denn so jung ist der Genfer Emporkömmling noch immer, der für die Nati aktuell so wichtig ist, wie das Salz für die Suppe. Gegen Gegner vom Format der Schweizer Kontrahenten in Gruppe I wird das umso offensichtlicher. Weit und breit ist da keiner, der es mit der Dynamik, dem Spielwitz oder dem Dribbling des Neu-Villans aufnehmen kann, weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Und das Beste daran? Manzambis Qualitäten überzeugten in den letzten zwölf Monaten nicht nur gegen internationalen Durchschnitt, sondern eigentlich gegen jeden Gegner, der sich ihm in den Weg stellte. So, wie das bei Unterschiedsspielern eben so üblich ist.
Warum nicht mehr?
Gut gemacht. So lautet ein mögliches Fazit der vier NL-Auftritte unserer Nati und damit auch der jungen Schweizer Garde, die in den Duellen mit Nordmazedonien (2x), Schottland und Slowenien die Gelegenheit erhielt, eine (zuweilen erste) Duftmarke zu setzen. Und Zachary Athekame, Sascha Britschgi, der bereits beschriebene Manzambi sowie die nicht mehr ganz so jungen Ardon Jashari und Zeki Amdouni haben geliefert, und zwar so überzeugend, dass man sich fragen kann, warum Nationaltrainer Murat Yakin den beiden «Superligisten» Alvyn Sanches (total 27 Spielminuten) und Winsley Boteli (total 37 Spielminuten) nicht mehr Gelegenheit gab, sich ebenfalls zu zeigen. Weil die beiden nur in der heimischen Liga kicken? Oder weil es der Nati-Trainer mit zu viel frischem Blut auf einmal nicht übertreiben wollte? Erfahrungen können schliesslich nur auf dem Platz gemacht werden. Immerhin lernten wir im gestrigen Duell mit Nordmazedonien, dass es im «personellen» Notfall kaum Vincent Sierro und Djibril Sow sein werden, die für die Schweiz den Unterschied werden ausmachen können. Aber das wussten wir eigentlich schon vorher.
Ohne Goalie
Nein, natürlich tat die Schweiz das nicht. Natürlich bestritt sie die vergangenen vier Nations-League-Duelle nicht ohne Torhüter. Aber hätte sie das vielleicht gekonnt? Allein schon die Frage zeigt, wie dominant die Nati in Gruppe 1 der Nations League B bislang aufgetreten ist. Mit nur einem Gegentor. Mit ganzen drei Schüssen auf das von Gregor Kobel (3x) und Yvon Mvogo (1x) behütete Schweizer Gehäuse. Und mit durchschnittlich 61% Ballbesitz. Das wirft schon Fragen auf hinsichtlich der sportlichen Wertigkeit der vier absolvierten Partien und den Schlüssen, die man daraus ziehen kann und sollte. Auf alle Fälle liefert die aktuelle NL-Kampagne nicht den sportlichen Gradmesser, wie ihn Spiele gegen Nationen wie Frankreich, Spanien oder England hätten bieten können. Doch diese «Highlights» muss sich die Schweiz noch verdienen. Mit mindestens einem weiteren Punkt in den beiden abschliessenden NL-Duellen gegen Schottland und in Slowenien.
Better to be lucky and good
Keine Frage: Die Schweiz war in der NL-Kampagne der Gruppe I das bislang eindeutig stärkste Team. Und doch hatte die Leichtigkeit, mit der die Nati ihre Siege einfuhr, auch ein bisschen etwas damit zu tun, dass der Spielverlauf der Mannschaft von Murat Yakin nicht selten in die Hände spielte. So zum Beispiel beim Auswärtsspiel in Schottland, als das Heimteam erst die Rote Karte sah (11., Hendry) und Ricardo Rodriguez den anschliessenden Freistoss trocken in die Maschen hämmerte. Oder im Duell mit Slowenien, als die Gäste früh (2.) in Führung gingen, ehe sich ausgerechnet Top-Keeper Jan Oblak das vielleicht faulste Ei seiner Karriere ins Netz legen liess (10.). Und auch im gestrigen Rückspiel gegen Nordmazedonien mussten sich die Schweizer bei den ersten beiden Toren (43., Rieder und 73., Manzambi) gar nicht einmal so anstrengen, um das Spiel in die gewünschten Bahnen zu lenken. Das erledigten die «Roten Luchse» in Person von Verteidiger Musliu und Torhüter Dimitrievski mit groben Schnitzern gleich selbst. Solche Geschenke nimmt man natürlich immer gerne an – auch wenn man sie Kraft der eigenen Überlegenheit vielleicht gar nicht benötigt hätte.