Dieser Triumph ist historisch für den Verein und sollte als Vorbild für ganz Fussballdeutschland dienen, meint Sky Sport Reporter Dennis Bayer.
Nicolas Höfler, mittlerweile seit 21 (!!!) Jahren beim SC Freiburg, konnte die Grösse dieses Feiertags auch anderthalb Stunden nach Abpfiff noch nicht wirklich realisieren: "Ich kann es gar nicht begreifen. Wir, der kleine SC Freiburg, im Europa-League-Finale."
Höfler steht dabei sinnbildlich für den besonderen Weg, den der SC geht. Mit 15 Jahren kam der Mittelfeldspieler in die Freiburger Fussballschule, hat sich dort zum Profi entwickelt und seitdem - abgesehen von einer kurzen Leihunterbrechung nach Aue - den gesamten SC-Aufstieg vom Zweitligisten zum Europa-League-Finalisten mitgemacht. Ein konsequenter Weg der kleinen Schritte: Von Jahr zu Jahr sind die Freiburger ein Stück besser geworden - sportlich, finanziell, infrastrukturell. Trotzdem ist ein zentraler Baustein des Freiburger Erfolgs immer geblieben: der konsequente Blick in die eigene Fussballschule.
Der Erfolg ist hausgemacht
Während die meisten anderen Klubs in Deutschland lieber junge Talente aus dem Ausland verpflichten und ihr eigenes Tafelsilber übersehen, schauen die Freiburg-Bosse Jochen Saier und Klemens Hartenbach jedes Jahr zuerst in den eigenen Nachwuchs. Die Folge: Gegen Braga standen fünf Eigengewächse in der Startelf, fünf weitere waren dazu noch auf der Bank. Selbst Trainer Julian Schuster wurde im eigenen Stall ausgebildet und geschliffen.
"Wir älteren Spieler hatten halt die Gier und die Lust, uns weiterzuentwickeln, uns durchzusetzen, uns als Mannschaft zu entwickeln", beschreibt Höfler seinen Weg selbst. Mit 36 Jahren ist er - ähnlich wie Christian Günter - im Winter seiner Karriere. "Es wird nicht ewig gehen, aber bis heute haben wir das ganz gut hingekriegt. Wir hoffen, dass wir das dann weitergeben können an die Jungs, die jetzt nachrücken und dann, blöd gesagt, den Laden übernehmen."
Nächste Generation steht bereit
Mit Toptalenten wie Bruno Ogbus und Rouven Tarnutzer steht die nächste Generation schon bereit. Johan Manzambi und Noah Atubolu haben ihren Durchbruch schon hinter sich und werden entweder die Freiburger Ausnahmespieler der kommenden Saison oder (wahrscheinlicher) in diesem Sommer viel Geld einbringen.
Das Erfolgsgeheimnis: Freiburg vertraut seinen Talenten und gibt ihnen Zeit zur Entwicklung. Bei ihren ersten Profiauftritten hatten fast alle oben genannten noch kein Bundesliga-Niveau. Trotzdem waren sie fest im Kader eingeplant, trotzdem haben sie ihre Chancen bekommen, durften Fehler machen und haben sich genau deshalb zu Leistungsträgern entwickelt. An dieser Übergangsstufe vom Talent zum Shootingstar scheitern fast alle anderen Vereine regelmässig - der SC Freiburg dagegen hat sie perfektioniert und kann deshalb immer weiter aus seiner Talentschmiede schöpfen.
Damit sollten die Breisgauer als Vorbild für ganz Fussballdeutschland dienen. Nachwuchsliga und Ausbildungsreform hin oder her - würden alle deutschen Vereine den Mut und die Geduld aufbringen, wie es der SC Freiburg tut, hätte Deutschland kein Problem mit ausbleibenden Talenten.
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