Wer stoppt Serientäter Bayern München? Zwei Meinungen!
Heute Abend beginnt die neue Bundesliga-Saison. Nach elf Titeln in Serie will Rekordmeister Bayern München das Dutzend voll machen. Welches Team kann die Münchner Serientäter daran hindern? Die Sky-Redaktoren Patrick Y. Fischer und Andy Maschek erklären ihre Sichtweisen.
Patrick Y. Fischer sagt: Bayer 04 Leverkusen
Im Jahr 2000 war es fast soweit. Ein einziger Punkt, zu gewinnen bei der SpVgg Unterhaching, trennte Bayer Leverkusen am 34. Spieltag vom ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte. Es kam anders und der Champions League-Finalist von 2002 schnupperte seither nie mehr wirklich an der Meisterschale. Doch jetzt scheint vieles möglich – der Titelkandidat Bayer Leverkusen ist zurück.
Gewiss, schon oft ist die Werkself mit grossen Vorschusslorbeeren in eine neue Saison gestartet. Zuletzt in der vergangenen Spielzeit, als der Klub nach Rang 3 in der Vorsaison so schlecht aus den Startblöcken kam, dass der Schweizer Trainer Gerardo Seoane (44) seinen Job Anfang Oktober wieder los war. Es folgte Xabi Alonso, ehemaliger Weltklasse-Akteur bei Real Madrid, Liverpool und dem FC Bayern. Und mit dem als Trainer noch relativ unerfahrenen Basken kehrte der Erfolg zurück. Von Rang 17. bei der Amtsübernahme ging es hoch auf Rang 6, was Leverkusen doch noch einen Platz im europäischen Geschäft sicherte. Nun soll dieser Lauf fortgesetzt werden.
Auch in der neuen Saison zählt der Klub dabei wieder auf den Mann an der Seitenlinie als zentrale Figur. Zudem wurde Granit Xhaka (30) als neuer Mittelfeld-Stratege von Arsenal geholt. Für den Nati-Captain ist es nach sieben Jahren in London eine Rückkehr ins Rheinland und die Gelegenheit, um seine Fähigkeiten als Führungsspieler stärker als je zuvor einzubringen. Beim Klub, der im entscheidenden Moment stets scheiterte, soll der Basler mit Selbstvertrauen und Siegeswillen vorangehen.
Unterstützt wird er dabei u.a. von der grossen deutschen Zukunftshoffnung Florian Wirtz (20) sowie (nach seiner Rückkehr im Oktober) vom tschechischen Torjäger Patrik Schick (46 Tore in 92 Bundesligaspielen), die in der letzten Spielzeit aufgrund von Verletzungen nicht auf ihr gewohntes Rendement kamen. Dazu kommen bewährte Fachkräfte wie Abwehrchef Jonathan Tah (27), Neuzugang Jonas Hofmann (31) und eine Reihe junger, talentierter Spieler, die ihre Bundesliga-Tauglichkeit bereits bewiesen haben.
Und auch im Tor hat Bayer mit dem Zuzug des jungen Matej Kovar ein Zeichen gesetzt. In der BayArena weht definitiv ein frischer Wind – einer, der den Klub bis an die Tabellenspitze tragen könnte.
Andy Maschek sagt: Borussia Dortmund
Ich gestehe, ich muss lange überlegen, um mich auf den grössten Herausforderer des Münchner Starensembles festzulegen. Denn eigentlich ist es ja so, dass die Bayern sich nur selber stoppen können. Mit Unruhen in der Mannschaft und im ganzen Verein, wenn sich der Klub wieder so richtig zum FC Hollywood entwickelt also. Der Anfang ist ja schon gemacht, mit der Posse rund um die Goalie-Position, dem Theater, bis der Transfer von Harry Kane wirklich in trockenen Tüchern war oder auch der klaren Niederlage im Supercup gegen Leipzig, die für Unruhe gesorgt hat. So scheint es gut möglich, dass Trainer Thomas Tuchel schon bald einmal im Gegenwind steht oder die Garderobe verliert, wie auch schon spekuliert wurde.
Letzte Saison war eigentlich alles angerichtet, um die Bayern als Serienmeister abzulösen. Borussia Dortmund war dem Titel ganz nah, die Spieler hatten schon eineinhalb Hände an der Meisterschale – und versagten im letzten Saisonspiel gegen Mainz, als der Titel mit einem Unentschieden daheim in der letzten Runde förmlich verschenkt wurde.
Es war ein Schock bis ins Knochenmark. Wie gut dieses Versagen in der Sommerpause weggesteckt werden konnte, ist fraglich. Und dennoch ist die Borussia für mich Bayern-Herausforderer Nummer 1. Die Abgänge von Jude Bellingham (Real Madrid)und Raphaël Guerreiro (Bayern) schmerzen natürlich und wie gut die neuen Spieler wie Ramy Bensebaini (Gladbach), Marcel Sabitzer (Bayern) und Felix Nmecha (Wolfsburg) funktionieren, muss sich erst noch zeigen. Gleichzeitig sind die jahrelangen Leistungsträger Mats Hummels und Marco Reus mittlerweile 34 Jahre alt und werden kaum eine ganze Saison auf höchstem Niveau durchspielen können.
Aber mit Gregor Kobel steht der wohl beste Keeper der Liga im Tor, in der Defensive sorgen Nico Schlotterbeck und Niklas Süle für eine gewisse Grundstabilität, im Mittelfeld ist der neue Captain Emre Can giftiger und heissblütiger denn je und in der Offensive stehen mit Karim Adeyemi, Sébastien Haller, Youssoufa Moukoko oder auch den Mittelfeldspielern Giovanni Reyna und Julian Brandt einige Spieler auf dem Rasen, die wissen, wo das gegnerische Tor steht.
Coach Edin Terzic, trotz der verschenkten Meisterschaft nach wie vor sicher in Amt und Würden, verfügt über das Personal, um bei einer Schwächephase der Bayern zu profitieren. Aber: Es braucht schwächelnde Bayern – aus eigener Kraft wird die Borussia die Meisterschaft ebenso wenig gewinnen wie Leipzig, Leverkusen oder ein anderer Bundesligist.