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Wertschätzung? Fehlanzeige!

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Er kam vor knapp drei Jahren zur Hertha. Auf seinem Lebenslauf: Vier Jahre Union Berlin, dreieinhalb Jahre Dynamo Dresden. Klar, dass bei dieser Historie den Fans der Alten Dame damals direkt das Herz aufgegangen ist. Im Gegenteil.

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Für Toni Leistner (l.) geht es bei der Hertha nicht weiter. © DPA pa

Er kam vor knapp drei Jahren zur Hertha. Auf seinem Lebenslauf: Vier Jahre Union Berlin, dreieinhalb Jahre Dynamo Dresden. Klar, dass bei dieser Historie den Fans der Alten Dame damals direkt das Herz aufgegangen ist. Im Gegenteil.

Ich erinnere mich noch gut an den Sommer 2023, als bekannt gegeben wurde, dass Toni Leistner Herthaner wird. Ganz schön viel Hate im Netz, ganz schön heftige Kommentare auf Social Media.

Aber das gehört schon längst der Vergangenheit an. Denn Toni Leistner hat die Herzen der Fans - und die der Ostkurve - im Sturm erobert. Weil er alles auf dem Platz gegeben hat. Sein Gesicht zeichnen zig Narben. Vor allem in dieser Saison kam er phasenweise jede Woche mit einem neuen Cut im Gesicht nach Hause. Deshalb auch so passend das Spruchband, das seine Familie und Freunde anfertigten und über den "Spielertunnel"/Eingang hingen: "Jede Narbe erzählt von deinem Kampf. Wir sind unendlich stolz auf dich. Danke Toni."

Leistner ist ein Leader

Leistners Frau und seine Mama, wie die ganze Familie natürlich im Trikot mit der 37, hatten schon eine halbe Stunde vor Anpfiff dicke Tränen in den Augen. Und auch für die Fans - so hatte man das Gefühl - war es ein Abschied, der schwer fiel.

Auch, weil lange Zeit alle dachten, dass Leistner noch ein weiteres Jahr weitermacht. Er kennt seine Rolle, ist ein guter Spieler für die letzten Minuten, einer, der wenn's brenzlig wird, alles wegverteidigt, was sich in den Weg stellt. Klar, nicht der Schnellste und auch "kein Messi", wie er selbst sagt. Aber eben ein Leader. Einer, der in der Kabine wichtig sein kann. Der vorangeht und zurücksteckt, wenn es die Situation erfordert.

Leistner-Abschied? Eine lieblose Zeremonie

Man hat Leistner die Enttäuschung über die gescheiterten Gespräche angesehen. Und auch irgendwie die Überraschung, dass es doch nicht weitergeht. Der Ex-Kapitän bestritt am Sonntag also sein letztes Heimspiel im Olympiastadion. Wie auch Diego Demme, Jay Brook, Tim Hoffmann und Jeremy Dudziak. Eine fünffache Verabschiedung. Und eben eine vom einstigen Kapitän.

Die feierliche Verabschiedung? 40 Minuten vor Anpfiff wurden die Spieler kurz vor die Trainerbank zitiert, bekamen ein eingerahmtes Bild, lächelten kurz mit Benjamin Weber und Dr. Peter Görlich in die Kamera - und gingen dann wieder, im Fall von Leistner, zurück zum Aufwärmen auf den Platz. Viele Fans haben diese lieblose Zeremonie im Übrigen verpasst. Weil sie noch Bier holen waren, draussen in der Sonne standen und weil man es einfach nicht wirklich mitbekommen hat.

Nach Abpfiff gab es die obligatorische Runde durchs Stadion und ein paar Worte von Leistner ("Berlin ist blau-weiss") an die Kurve. That's it.

Leistner hätte mehr Wertschätzung verdient gehabt

Als ich nach dem Spiel nach Hause fuhr, schaute ich mir die Partie Köln gegen Heidenheim an. Im Anschluss wurden drei Spieler verabschiedet. Das Stadion war auch weit nach Abpfiff noch voll. Die Mitarbeiter standen alle im Spalier. Für jeden Spieler gab es warme Worte. Und einen richtigen Gänsehaut-Moment.

Bei Hertha gab es eine Familie Leistner, die mit ihrem Banner und den Tränen für einen Gänsehaut-Moment gesorgt haben. Aber auch nur im kleinen Rahmen, bei denen, die es unmittelbar mitbekommen haben.

Für mich bleibt da irgendwie ein Geschmäckle - über einen denkwürdigen Abschied eines einstigen Kapitäns, der deutlich mehr Wertschätzung verdient hätte. Das war nix, Hertha!

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