"Wir müssen lernen, gewisse Resultate nach Hause zu bringen"
Die Partie gegen die ZSC Lions ist schon einige Minuten zu Ende, als die Spieler der SCL Tigers nochmals aufs Eis zurückkehren und mit den Fans eine Welle machen. Besonders verabschiedet wird Harri Pesonen, der den Verein nach sieben Jahren - die letzten vier als Captain - verlassen muss. Nach der Rückkehr in die Garderobe bleibt die Tür lange geschlossen, wobei immer wieder Applaus zu hören ist.
So erscheint der Langnauer Sportchef Pascal Müller erst etwa 45 Minuten nach Spielende zum Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Den Vertrag mit dem 37-jährigen Pesonen nicht zu verlängern, "war kein leichter Entscheid, er war aber im Sinne der Organisation", sagt Müller. Die Wertschätzung gegenüber Pesonen sei gross, deshalb habe es schöne und emotionale Reden in der Garderobe gegeben.
Dass die Zeit von Pesonen im Tigers-Dress bereits nach dem letzten Qualifikationsspiel endet, war Mitte Januar noch nicht abzusehen. Am 16. Januar gewannen die Langnauer mit einem 3:0 gegen Genève-Servette auch das dritte Heimspiel im Jahr 2026, nachdem sie zuvor Biel (4:0) und Qualifikationssieger Davos (3:1) bezwungen hatten. Das Team lag auf dem 9. Tabellenplatz mit einem Vorsprung von je sieben Punkten auf Bern und Biel. In den letzten elf Partien holten die Emmentaler dann aber nur noch einen Sieg. Am vergangenen Samstag ging das entscheidende Duell gegen Biel um die Teilnahme an den Play-Ins mit 1:5 verloren.
Wie ist dieser Einbruch zu erklären? "Das Verrückte daran ist, dass es kein Leistungseinbruch war", sagt Müller. "Wir sind nicht in einer Krise, es war eine Resultatkrise, wir fanden immer einen Weg, die Spiele zu verlieren." Die Leistungen und die Einstellung hätten jedoch gestimmt. "Das ist für uns zentral."
Auffallend ist, dass die Langnauer nicht weniger als 18 Mal mit einem Tor Unterschied verloren. "Wir müssen lernen, gewisse Resultate nach Hause zu bringen", erklärt Müller. "In der vergangenen Saison konnten wir zwei, drei Spiele stehlen, das bekamen wir diesmal nicht hin, wobei es nicht jedes Mal der gleiche Grund war. Wenn jedoch immer wieder ein, zwei Prozent fehlen, dann ist das für uns als Mannschaft und als Organisation zu viel."
Der 46-Jährige nimmt mehrmals das Wort "Prozess" in den Mund. In den zwei Saisons, bevor Müller im Frühjahr 2022 den Job übernahm und Thierry Paterlini als Trainer einsetzte, gewannen die Tigers lediglich 21 von 102 Partien. 2023 musste Langnau das Abstiegs-Playoff gegen Ajoie (4:2) bestreiten. In der darauffolgenden Spielzeit belegten die Emmentaler den 11. Platz, bevor sie vor einem Jahr zum dritten Mal nach 2011 und 2019 die Playoffs erreichten, in denen sie dem Qualifikationssieger Lausanne im Viertelfinal (3:4) alles abverlangten.
"In der vergangenen Saison war nicht alles gut und diesmal nicht alles schlecht", sagt Müller. "Es gilt, immer sehr nüchtern und ohne Emotionen zu analysieren." So verloren die Tigers auf diese Spielzeit hin mit den zurückgetretenen Pascal Berger und Claudio Cadonau einiges an Routine. Und vor allem wechselte Goalie Stéphane Charlin, der in der Qualifikation 2024/25 mit einer Abwehrquote von 94,59 Prozent die klare Nummer 1 war, zu Genève-Servette. Zwar spielten Luca Boltshauser (91,43) und Robin Meyer (91,94) solide - doch mehr nicht.
Müller sieht auch dies pragmatisch: Charlin sei erst in der dritten Saison bei ihnen auf diesem Niveau gewesen. "Das hat er in Zusammenarbeit mit dem Team und auch mit Luca Boltshauser geschafft. Wir haben ein gutes Goalie-Trio, auch diese Jungs werden wieder einen Schritt machen. Wir sind da sehr, sehr gut aufgestellt."
Jedenfalls gibt es für Müller nicht nur ein weinendes, sondern auch ein lachendes Auge. "Fakt ist aber, dass wir die Top Ten nicht erreicht haben. Nun gilt es, an den richtigen Schrauben zu drehen. Wir müssen im mentalen Bereich arbeiten, können im physischen und taktischen, aber auch bezüglich individueller Klasse noch zulegen." Die gemachten Erfahrungen würden der Mannschaft helfen.
Die Kaderplanung für die nächste Saison ist weitgehend abgeschlossen. Nebst Pesonen verlässt mit Dario Rohrbach (zu Bern) der zweitbeste Skorer die Mannschaft. Als Zuzüge stehen Arno Nussbaumer, Gian Meier, Nando Eggenberger sowie der Schwede Jonathan Dahlén fest. Gesucht wird noch ein siebter Ausländer, und zwar ein Center. Jedenfalls soll im kommenden Jahr mehr Feierstimmung herrschen.