WM-Splinters: Sané und Koeman in der Kritik – Schotten kreativ und grosszügig
Deutschland ist der WM-Start mit dem 7:1-Torfestival gegen Curaçao geglückt, entsprechend gut ist bei unseren Nachbarn die Laune, zumal Manuel Neuer einen Rekord aufstellte.
Es war das 20. WM-Spiel des Bayern-Goalies, der mit 40 Jahren der älteste deutsche WM-Spieler ist und mit dem Franzosen Hugo Lloris als WM-Rekordtorhüter gleichzog. «Entweder liebt man den Fussball oder nicht und deshalb ist es etwas ganz Besonderes für mich, jetzt auch dieses Turnier zusammen mit der Mannschaft gestartet zu haben», so Neuer.
Während Neuer bejubelt wird, steht Leroy Sané in der Kritik. Der Flügel von Galatasaray Istanbul konnte sich trotz guter Chancen nicht in die Torschützenliste eintragen. Stattdessen spielte Sané mit dem Absatz in der eigenen Hälfte einen Pass direkt in den Lauf eines Spielers von Curaçao und setzte so die eigene Defensive unter Druck. «Leroy, ganz Deutschland schaut auf dich, viele geiern nur darauf, dass du einen Fehler machst. Wie kann man auf die Idee kommen, einen No-Look-Hackenpass zu spielen, der dann nicht beim Mitspieler landet? Das sind doch im wahrsten Sinne des Wortes Eigentore, die zum Glück nicht zum Gegentor geführt haben, aber Eigentore für ihn selbst. Warum immer wieder diese Flauseln?», urteilte Bild-Vize-Sportchef Carli Underberg.
Europameister Spanien startet heute Abend um 18 Uhr in die WM – allerdings ohne seinen Jungstar Lamine Yamal. Der 18-Jährige ist nach seiner Muskelverletzung wieder bereit, wie der spanische Nati-Trainer Luis de la Fuente sagt: «Die gute Nachricht ist, dass Lamine sehr fit ist. Er ist in guter Form und trainiert sehr gut.» Aber gegen Kap Verde wird er wie der ebenfalls genesene Nico Williams gemäss De la Fuente nicht in der Startformation stehen. Ob das Offensiv-Duo zu einem Teileinsatz kommt, will der Trainer je nach Spielverlauf entscheiden.
Titelkandidat Portugal ist mit einem besonderen Andenken an den tödlich verunglückten Nationalspieler Diogo Jota an die WM gereist. Premierminister Luis Montenegro überreichte jedem Spieler vor dem Abflug in die USA ein Armband in den Landesfarben Grün und Rot. Darauf sind die Namen aller WM-Fahrer und ein Schriftzug zu Ehren Jotas zu lesen, der am 3. Juli 2025 bei einem Autounfall in Spanien ums Leben kam. Mittelfeldspieler Vitinha erklärte, der Premierminister habe den Spielern die Entscheidung überlassen, ob und wie sie es tragen wollen». Die Spieler, so PSG-Star Vitinha, hätten alle gemeinsam entschieden, das Armband während des gesamten Turniers zu tragen: auch beim Training und bei den Spielen.
Dass dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan die Einreise in die USA verweigert wurde, sorgte weltweit für Schlagzeilen. Immerhin soll er dadurch keinen finanziellen Schaden erleiden und seine volle Vergütung als WM-Referee erhalten, wie die BBC unter Berufung auf gut informierte Quellen rund um den Weltverband Fifa berichtete. Wie viel er genau kassiert, ist aber nicht klar, da erst nach dem Turnier abgerechnet wird. Immerhin wurde Artan auch von der Uefa schon ein Trostpflaster zugesichert: Afrikas Schiedsrichter des Jahres 2025 soll am 12. August in Salzburg die Partie zwischen Champions League-Sieger Paris Saint-Germain und Europa League-Champion Aston Villa leiten.
Den ambitionierten Niederländern ist der WM-Start nicht wunschgemäss geglückt – nur 2:2 gegen Japan, wobei das Oranje-Team zweimal eine Führung hergab und den Ausgleichstreffer durch Daichi Kamada (Crystal Palace) in der 88. Minute kassierte. Es war das abrupte Ende der Oranje-Party und nach dem Match war vor allem «Elftal»-Coach Ronald Koeman der Kritik ausgesetzt. Im «Telegraaf» wurde von «dramatischen Auswechslungen» und dem «Untergang der niederländischen Nationalmannschaft» geschrieben. Die Leistungssteigerung müsse schnell erfolgen, sonst werde die Reise nach Amerika deutlich kürzer ausfallen als das Szenario, das die Nationalspieler und Koeman allen weismachen wollten: «Wir sind eine hochkarätige Mannschaft, die schwer zu schlagen ist und bei der Weltmeisterschaft sehr weit kommen wird.» Damit stehen die Niederländer gegen Schweden (19. Juni, 20 Uhr) und Tunesien (26. Juni, 1 Uhr) schon mächtig unter Druck.
Wir kennen den Grundsatz: Man sollte einen Ort so hinterlassen, wie man ihn angetroffen hat. Dieses Motto befolgten nun auch viele japanische Zuschauer nach dem 2:2 gegen die Niederlande, als sie nach Spielende ihre Abfälle einsammelten und so das Reinigungspersonal entlasteten. Dabei erhielten sie plötzlich Unterstützung von NFL-Star Jameis Winston, dem Quarterback der New York Giants. Er bewies so, dass er sich trotz seines Hintergrundes für Drecksarbeit nicht zu schade ist, schliesslich hat der 32-Jährige während seiner Karriere bis heute bereits rund 80 Millionen Dollar verdient…
Kreativität bewiesen finanzbewusste schottische Fans. Wegen der hohen Preise für den öffentlichen Nahverkehr und für die Parkplatz-Tickets mieteten sie am Samstag zahlreiche amerikanische Schulbusse, um mehrere hundert Anhänger zum ersten Turnierspiel gegen Haiti (1:0) zum Bostoner Stadion zu bringen. Die Arena liegt etwa 50 Kilometer ausserhalb der Stadt, ein Zugticket von Boston und zurück kostet während der WM 80 Dollar, eine reguläre Busfahrkarte sogar 95 Dollar (umgerechnet rund 82 Euro). Der gemäss ARD von schottischen Fans organisierte Konvoi gelber Schulbusse ermöglichte so Hin- und Rückfahrt für 40 Dollar. Weil pro Fan mit einem Preis von 52 Dollar kalkuliert worden war und niemand das zu viel bezahlte Geld zurückwollte, wurde die Differenz für ein Kinderkrankenhaus am Startort Providence und für einen Dudelsack-Verein in den USA gespendet.