YB mit schönen Erinnerungen an St. Gallen
Am Mittwoch kehren die Young Boys nach St. Gallen zurück, wo die zweite Amtszeit von Trainer Gerardo Seoane hoffnungsvoll begonnen hat.
Als die Young Boys das letzte Mal zum FC St. Gallen in die Ostschweiz reisen, vermögen sie zu verblüffen. 4:1 setzen sich die Berner am 9. November durch, verwehren dem FCSG damit den Sprung an die Tabellenspitze der Super League und schüren in ihrem Umfeld die Hoffnung, dass sie unter ihrem erst gerade zurückgekehrten Erfolgstrainer Gerardo Seoane tatsächlich auf dem Weg zu alter Stärke sind.
Mittlerweile ist der dreifache Meistertrainer wettbewerbsübergreifend seit 17 Spielen in der Verantwortung in Bern und der leise Anflug einer Euphorie, der sich damals im November einzustellen begann, ist längst verflogen. Seoane ist jetzt nicht mehr Trainer eines Teams, das die Gegner dominiert und reihenweise überfordert wie in seiner ersten Amtszeit. Vielmehr sind die Young Boys heute eine Mannschaft mit diversen Baustellen, Verletzungssorgen und signifikanten Leistungsschwankungen. Vom Meistertitel redet in Bern bei 19 Punkten Rückstand auf Aufsteiger Thun längst niemand mehr.
Am Samstag führte YB gegen die Grasshoppers lange 1:0. Nach dem Platzverweis gegen Gregory Wüthrich liessen sie sich im Zürcher Letzigrund aber so lange zurückdrängen, bis sie den Ausgleich kassierten und so den Sieg zum wiederholten Mal aus der Hand gaben.
Am Mittwoch, bei der Rückkehr in die St. Galler Arena, wird Seoane aufgrund der Sperre gegen Wüthrich in der Abwehr zu Umstellungen gezwungen sein. Mit Stefan Bukinac links und Yan Valery rechts verpflichtete die sportliche Führung um Christoph Spycher in den letzten Tagen zwar potenzielle Verstärkungen für die Aussenpositionen. Die Innenverteidigung bleibt aber eine Problemzone. Gut möglich, dass Captain Loris Benito, der zuletzt auf der linken Seite ausgeholfen hat, wieder in die Mitte rücken wird.
Jedenfalls gleichen sich die Vorzeichen im Vergleich zum November insofern, als ein Sieg der Berner diesmal ähnlich verblüffend wäre, zumal die St. Galler mit einem Sieg möglicherweise auf Rang 2 vorrücken könnten.
Am Sonntag sah es lange danach aus, als ob dem FC Zürich und seinem jungen Trainer Dennis Hediger ein Achtungserfolg gelingen würde. Die 90. Minute war im Klassiker gegen den FC Basel angebrochen, als die Zürcher nach wie vor mit 1:0 in Front lagen. Doch das Heimteam drückte und brachte die Hintermannschaft des FCZ mehrmals in die Bredouille. FCB-Captain Xherdan Shaqiri sorgte mit seinem verwandelten Penalty erstmals für Gefühlseruptionen im St. Jakob Park. Doch es sollte aus Sicht des Heimteams noch besser kommen, oder eben aus Sicht der Zürcher noch schlimmer. Beim wohl letzten Angriff der Partie fand Andrej Bacanin mit seiner Flanke den Fuss von Ibrahim Salah, der mit einem sehenswerten Volley den ersten Sieg der Ära Lichtsteiner sicherte. Der neue Coach des FC Basel liess seinen Emotionen mit einem Sprint übers halbe Feld freien Lauf. Dem FCZ und Hediger blieben nur leere Blicke und die Erkenntnis, zwar nahe dran gewesen zu sein, aber doch nichts Zählbares mitnehmen zu können.
Am Mittwoch empfangen die Zürcher im heimischen Letzigrund den FC Winterthur zum Kantonsderby. Für ein Team, das den Anspruch hat, in der Finalrunde zu agieren, ist gegen das Schlusslicht ein Sieg Pflicht, allerdings hat der FCZ fünf der letzten sieben Partien in der Meisterschaft verloren und dabei nur zwei Punkte geholt. Die Winterthurer wiederum haben zuletzt Lausanne bezwungen und gegen das formstarke Lugano einen Punkt geholt. Sollte dem Aussenseiter im Duell mit dem "grossen Bruder" ein Coup gelingen, wäre es ein weiterer Rückschlag für die darbenden Stadtzürcher.
Für die dritte Partie des Tages muss Servette die weite Reise nach Lugano antreten.