Bayern ohne den "Boss" und mit Musialas Emotionen
PSG gegen Bayern - ein grösseres Fussball-Duell gibt es in Europa aktuell nicht. Im 50. Saisonspiel sehen sich die Münchner aber mit einem Handicap konfrontiert. Ein Kompany-Assistent muss Chef sein.
Auf diese unkalkulierbare Ausnahmesituation hätten die vor Kraft und Selbstbewusstsein strotzenden Münchner Triple-Jäger um den rechtzeitig wieder magischen Jamal Musiala liebend gerne verzichtet. Eine Kraftprobe mit Titelverteidiger Paris Saint-Germain um Weltfussballer Ousmane Dembélé ist im Saisonendspurt ohnehin die grösstmögliche Prüfung in der Champions League. Noch dazu im Halbfinal und speziell auswärts im hitzigen Parc des Princes.
Nach der dritten Gelben Karte ist Vincent Kompany im Hinspiel vom Dienstag gesperrt. Ein Handicap, das auf dem Weg in den Final am 30. Mai in Budapest folgenschwer enden könnte.
Vorbereitung, Taktik, Aufstellung: Alles das darf der 40-jährige Belgier noch erledigen. Aber nach der Ankunft des Münchner Teams im Stadion ist Kompany raus, dann muss sein Assistent Aaron Danks die Chef-Rolle ausfüllen. "Natürlich werden wir ihn vermissen an der Seitenlinie. Er ist unser Anführer, er ist unser Boss", sagte Torjäger Harry Kane zur Premiere ohne Kompany.
Sichtbar in Erscheinung tritt Danks sonst im Alltag bei Spielen, wenn die Bayern oder ihr Gegner einen Corner oder einen Freistoss ausführen. Dann überlässt ihm Kompany die Bühne. Und in Paris? Da soll es auch ohne die Aura, ohne die spontanen Eingebungen von Kompany gut ausgehen. "Wir werden uns dieser Herausforderung stellen und das als Team hinbekommen", sagte Sportdirektor Christoph Freund.
Die Kompany-Sperre ist aber nicht die einzige grosse Personalie. Da ist ja auch noch Jamal Musiala. 297 Tage nach seiner schweren Beinverletzung bei der Klub-WM in den USA kommt es zum emotionalen Wiedersehen des 23-Jährigen mit PSG. Die schockierenden Bilder vom heftigen Crash mit dem damaligen PSG-Torwart Gianluigi Donnarumma sind unvergessen.
Aber jetzt scheint der deutsche Nationalspieler wieder zu "Magic Musiala" zu werden. "Dieser Jubel, dieses Lachen - wenn ein Offensivspieler das hat, dann ist alles gelöst", sagte Kompany nach dem Sieg in Mainz. Im Prinzenpark soll sich für Musiala ein Kreis schliessen.
Mit Bayern und Paris treffen zwei ausgewiesene Trainer-Teams aufeinander. Kompany hat die Bayern-Maschine geformt, der Spanier Luis Enrique das beste PSG-Ensemble, das es bisher gab.
Als Blaupause für München könnte das 2:1 aus der Ligaphase dienen, als die Bayern beim Gastspiel im November mit einem Mann-gegen-Mann-Pressing dominierten. "Wir erwarten dasselbe Spiel wie damals", sagte Kane. Intensiv, torreich, spektakulär.