Der frühere Wimbledon-Sieger bezeichnet die aktuelle Nummer eins der Welt als verdienten Spitzenreiter und hebt vor allem dessen aussergewöhnliche Arbeitsmoral hervor.
Ungeachtet gewisser Meinungsverschiedenheiten hält Boris Becker den deutschen Tennisprofi Alexander Zverev für eine verdiente Nummer 1. "Sascha Zverev arbeitet vielleicht härter als jeder andere Tennisspieler. Das ist der Grund seiner Erfolge, und das kann man nicht oft genug erwähnen", sagte der dreimalige Wimbledon-Gewinner im Interview der Main-Post.
Seit Zverev die Weltranglistenführung übernommen hat, wird in der Tennis-Szene diskutiert, ob der Gewinner der French Open und US Open verdientermassen ganz oben steht. Darüber hatte sich Zverev nach seinem frühen Aus beim Masters in Paris beklagt. Seine grössten Rivalen Jannik Sinner (Italien) und Carlos Alcaraz (Spanien) konnten verletzungsbedingt monatelang nicht spielen, ausserdem weist der Hamburger in diesem Jahr eine negative Bilanz gegen Top-Ten-Spieler auf.
"Wenn Spieler wie Sinner oder Alcaraz ein Jahr wegen Verletzungen nicht vollständig spielen können, ist das nicht sein Fehler. Deswegen: Glückwunsch! Es ist das Beste, was dem deutschen Tennis passieren konnte, dass Sascha Zverev die Nummer eins geworden ist", sagte Becker.
Zverev kritisiert Becker
Zwischen Becker (58) und Zverev (29) herrscht aktuell nicht die beste Atmosphäre. Zverev hatte zuletzt Aussagen von Becker darüber, warum der Olympiasieger von 2021 trotz der aktuellen Erfolge in Deutschland nicht so beliebt erscheint, scharf gekontert. "Ich glaube, dass er wie immer relativ viel Blödsinn erzählt", hatte Zverev unter anderem gesagt: "Ich glaube, dass er momentan nach allem sucht, um mich ein bisschen runterzumachen. Kann er machen, ist seine Wahl."
Auf die Frage, warum es 35 Jahre gedauert habe, bis ihm ein deutscher Tennisspieler als Weltranglistenerster folgen konnte, sagte Becker: "Möglicherweise ist die Leistungsbereitschaft der Jugend nicht mehr so ausgeprägt wie vor 20 Jahren. Erfolg kommt nicht zufällig. Dazu braucht es sehr viel Arbeit, Fleiss und Willen. Das konnten wir in Deutschland in allen Bereichen schon einmal besser."
Bei Talenten müsse wieder "eine grössere Bereitschaft entstehen, sich dem Tennissport unterzuordnen", forderte der sechsmalige Grand-Slam-Turniersieger. Er sieht in erster Linie kein Strukturproblem innerhalb des Deutschen Tennis-Bundes, "ondern ein Mentalitätsproblem".
dpa / Sky Sport
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