skysport.ch
Sky Sport

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
News Tennis

Der WTA droht der finanzielle Kollaps

Keystonr

Die besten acht Frauen spielen in Indian Wells an den WTA Finals um ein Preisgeld von 10 Millionen Dollar. Das ist mehr als ein Drittel weniger als letztes Jahr - und ein Fingerzeig für die Zukunft.

media_ftp_sky_de_20261106_brz0026aed5cb9b7309
Nur ein kurzes Gastspiel: Die besten Tennisfrauen mit der letztjährigen Siegerin und aktuellen Weltnummer 1 Jelena Rybakina haben sich bereits wieder aus Saudi-Arabien verabschiedet © KEYSTONE/AP/FATIMA SHBAIR

Der Himmel über der kalifornischen Wüste dürfte strahlend blau sein, die Atmosphäre im Indian Wells Tennis Garden freundlich, das Publikum fachkundig. Kein Vergleich zu den letzten beiden Austragungen in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad, wo sich in der Halle einer Universität wenige Zuschauer verloren und kaum Stimmung aufkam. Die bittere Pille für die Tennisprofis: Das Preisgeld in Indian Wells liegt 5,5 Mio. Dollar tiefer als in Saudi-Arabien.

Das hat tiefere Gründe als den einfachen - ein Jahr früher als geplant vollzogenen - Ortswechsel. Der blaue Himmel verdüstert sich rapide. Im Herbst schrillten die Alarmglocken, verschiedene Medien wie der englische "Telegraph" berichteten von massiven Finanzproblemen bei der Women's Tennis Association (WTA). In diesem Jahr dürfte die Dachorganisation des Frauentennis ein Defizit von rund 23 Millionen Dollar einfahren, die Reserven auf etwa 15 Millionen einbrechen. Damit könnte die Kasse bereits im kommenden Jahr leer sein.

Die Gründe sind vielfältig und hängen zum Teil paradoxerweise mit dem Kampf um Gleichberechtigung und Frauenrechte zusammen. Da die Männertour ATP oft ein deutlich höheres Preisgeld ausschüttet, sah die WTA sich bei den grossen kombinierten Turnieren (aktuell in Indian Wells, Miami, Madrid, Rom, Kanada, Cincinnati, Peking) genötigt, schrittweise für gleich viel Kompensation zu sorgen. Da manche Turniere dies aber nicht selber stemmen können oder wollen, zapfte die WTA ihre eigenen Reserven an, um die Differenz auszugleichen. Das wird sie sich auf Dauer aber nicht leisten können, da die Einnahmen der WTA weniger als die Hälfte derjenigen der ATP betragen.

Pech, oder einfach ein schlechtes Händchen, hatte die WTA auch mit ihrem Finalturnier der besten acht Spielerinnen, früher Masters genannt. 2019 schloss sie mit dem chinesischen Shenzhen einen Zehnjahresvertrag ab, das Preisgeld verdoppelte sich von 7 auf 14 Millionen Dollar. Nach der ersten Austragung, bei der Belinda Bencic die Halbfinals erreichte, war aber bereits wieder Schluss mit dem Geldsegen. Zuerst kam Covid mit den sehr strikten Einschränkungen in China. 2020 fiel das Turnier ganz aus, 2021 musste es nach Mexiko verlegt werden.

Nachhaltig Schaden richtete dann aber die "Affäre" Peng Shuai an. Die ehemalige Weltnummer 1 im Doppel beschuldigte im November 2021 einen hochrangigen Parteifunktionär aus China der sexuellen Nötigung und verschwand danach mehrere Wochen von der Bildfläche. Aus Sorge um Pengs Sicherheit sagte die WTA vorübergehend sämtliche Turniere in China ab. Damit war auch das Masters und der lukrative Vertrag nach nur einer Austragung bereits wieder Geschichte. Das Preisgeld beim eigentlichen Aushängeschild sackte auf "nur" 5 Millionen Dollar ab.

Als Retter trat der staatliche saudische Investmentfonds PIF auf den Plan. Sofort kam aber auch die Kritik - vor allem von ehemaligen Stars wie Martina Navratilova und Chris Evert - auf, Saudi-Arabien gehe es in erster Linie um Sportswashing, also die Verbesserung seines Images, und dass es gerade für Frauen unangebracht sei, in dem Land zu spielen, das für seine Menschenrechtspolitik kritisiert wird und in dem Frauen alles andere als gleichberechtigt sind. Ein Dreijahres-Deal mit einem Rekord-Preisgeld von 15,5 Millionen Dollar pro Austragung war aber zu gut, um ihn abzulehnen.

Bloss war auch diesmal nach nur zwei Jahren Schluss. Die Sicherheitslage nach Beginn des Iran-Krieges und die stete Kritik führten zur Kündigung vor dem Ende des Vertrags - und vor allem zum Verzicht auf eine ursprünglich angedachte Verlängerung. Stattdessen setzen die Saudis nun auf Männertennis mit der Exhibition "Six Kings Slam" und ab 2028 einem prestigeträchtigen Masters-1000-Turnier, dessen Ort und Datum allerdings noch gefunden werden muss.

So ist das Preisgeld für die WTA Finals in diesem Jahr wieder auf immer noch beachtliche 10 Millionen Dollar gesunken. In Zukunft muss der Gürtel jedoch möglicherweise noch enger geschnallt werden. Denn der WTA fehlt es an Einnahmen und Sponsoren - und es wird nicht einfacher. 2023 stieg die britische Private-Equity-Firma CVC Capital Partners, die unter anderem auch im Fussball, Rugby und Cricket engagiert ist, ein und bezahlte fünf Jahre lang 30 Millionen Dollar jährlich - 2027 zum letzten Mal. Auch dieser Betrag muss irgendwie aufgefangen werden.

Das Produkt Frauentennis funktioniert, Coco Gauff oder Aryna Sabalenka sind Weltstars. 2025 war Gauff mit gut 30 Millionen Dollar Jahreseinnahmen die bestverdienende Sportlerin der Welt, in den Top Ten folgen sechs weitere Berufskolleginnen. Der Fokus der WTA wird sich wieder stärker dem Westen zuwenden. In Indian Wells stehen ab Sonntag neben sechs Osteuropäerinnen immerhin zwei Amerikanerinnen (Gauff, Jessica Pegula) im Feld, von 2027 bis 2029 werden die WTA Finals in der Basketball-Arena der Charlotte Hornets in North Carolina stattfinden. 14,4 Millionen Dollar sollen die Veranstalter springen lassen, auch Staat, Stadt und Bezirk leisten Beiträge.

Noch ist also nicht entschieden, ob aus den Wolken am Horizont leichter Regen oder ein Unwetter drohen. Klar ist, dass die WTA viel Arbeit vor sich hat, wenn sie nicht nur über dem Court, sondern auch in der Buchhaltung wieder Sonnenschein haben will.

Bewerte den Artikel
0 Bewertungen
Ihre Stimme wird gezählt.

News-Feed

Lesen Sie auch

Mehr anzeigen

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Copyright Sky Schweiz SA © 2001-2026. Erstellt von EWM.swiss