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Braucht Kompany für PSG einen anderen Plan? Zwei Meinungen

Acht Tage nach dem unfassbaren 5:4 in Paris treffen Bayern München und Paris Saint-Germain heute Abend im Rückspiel des CL-Halbfinales erneut aufeinander. Der Titelverteidiger aus Paris, der nach Geschichte strebt. Und der FC Bayern, der wohl erneut die bedingungslose Offensive suchen wird. Oder sollte sich Vincent Kompany just für dieses Spiel etwas Neues einfallen lassen? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind unterschiedlicher Meinung.

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An der offensiven Ausrichtung festhalten oder doch defensiver spielen? Wofür entscheidet sich Bayern-Trainer Vincent Kompany? © IMAGO / Lackovic

Andy Maschek sagt: Ja

Der FC Bayern München sorgt unter Trainer Vincent Kompany durch Offensivfussball für Begeisterung. Diese Münchner Epoche von Sturm und Drang ist in dieser Saison ja auch erfolgreich: Die deutsche Meisterschaft ist im Trockenen, im Pokal stehen die Münchner im Final, und in der Champions League fehlt nur noch ein Schritt, um ebenfalls den finalen Showdown zu erreichen. Die Bilanz ist beeindruckend: 51 Wettbewerbsspiele, 43 Siege, fünf Remis und nur drei Niederlagen – gegen Arsenal (1:3), Augsburg (1:2) und letzte Woche gegen PSG (4:5) – sowie ein Torverhältnis von 174:60. Dazu kommt, dass die Münchner in keinem Spiel ohne Torerfolg blieben.

Der offensive Wahnsinn funktioniert also, ganz klar. Doch wenn die Bayern im Rückspiel wieder mit offenem Visier einen Schlagabtausch eingehen, ist die Gefahr gross, dass sie dafür von PSG bestraft werden. Zumal das Defensivverhalten im Team von Vincent Kompany zuletzt bös zu wünschen übrig liess: drei Gegentore gegen Heidenheim, fünf gegen PSG und drei gegen Mainz sind ein Alarmzeichen. Dazu kommt das Viertelfinalrückspiel gegen Real Madrid, dieser ebenfalls spektakuläre 4:3-Sieg der Bayern, der noch in bester Erinnerung steckt.

Es ist nicht zu erwarten, dass Titelverteidiger PSG in München plötzlich defensiv auftritt oder sich gar hinten einigelt. Die Franzosen gehen mit einem Vorsprung von einem Tor ins Spiel und wissen, dass sie jederzeit wieder treffen können, schliesslich gehört ihre Offensive mit Dembélé, Kwarazchelia und Doué zum besten, was es im weltweiten Fussball gibt. Die Münchner müssen sich mit Kane, Olise und Diaz zwar nicht verstecken, sind aber in meinen Augen gut beraten, vermehrt auch an die Defensive zu denken.

PSG ist mit Kontern extrem gefährlich und in der Lage, hoch stehende Aussenverteidiger zu überspielen und dann im Höchsttempo das Tor zu suchen, freie Räume auszunutzen. Ein probates Mittel könnte für die Bayern ein für einmal etwas tieferes Pressing sein, so dass den Parisern, die oftmals sehr direkt und vertikal spielen und umschalten, der Raum hinter den eigenen Verteidigern genommen wird. Wichtig ist, ruhig zu beginnen und nicht kopflos die Gegenspieler anzulaufen und so einen vogelwilden Schlagabtausch zu provozieren. Eine kontrollierte Offensive, auf einer stabilen Defensive aufzubauen, scheint mir vielversprechender. Dies vor allem auch dann, wenn die Bayern ihrerseits bei einem Ballgewinn im Mittelfeld schnell umschalten und ihre begnadeten Offensivkräfte lancieren können. Ein totales Umdenken auf «safety first» wird für die Bayern keine Option sein, da sie so ihre Stärken freiwillig abgeben würden. Aber auch für sie gilt, dass je nach Situation weniger mehr sein kann. Heute würde das heissen: weniger offensiver Wahnsinn, mehr defensiver Realismus und Pragmatismus – und dann ab in den Final. Oder um noch eine weitere Plattitüde zu bemühen: «Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften.»

Patrick Y. Fischer sagt: Nein

Bevor ich mit den folgenden Zeilen meine Position argumentieren werde, möchte ich noch Folgendes tun: Mich beim FC Bayern München und bei Paris Saint-Germain für das beste, tollste und unterhaltendste Fussballspiel bedanken, das ich je gesehen habe. Und natürlich direkt noch eine Bitte hinterherschicken –wiederholt diesen Zauber heute noch einmal!

Und diesbezüglich bin ich auf Seiten des FC Bayern München fast schon arrogant zuversichtlich. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Vincent Kompany, dessen Vorstellung von Fussball die Münchner eigentlich bereits seit seiner Ankunft im Sommer 2024 mit maximaler Konsequenz umsetzen, ausgerechnet jetzt von seiner Überzeugung abkehren wird. Warum sollte er? Denn mittlerweile sind die Bayern nicht mehr naiv unterwegs (wie z.B. beim 1:4 bei Barca im Herbst 2024), sondern agieren mit dem Vertrauen und dem Selbstverständnis einer Mannschaft, die jeden Gegner auf diesem Planeten Kraft ihrer Offensive in die Knie zwingen kann.

Ein paar Zahlen gefällig? Kein Team trifft in der aktuelle Kampagne so oft das Tor (3,24x pro Spiel) wie der deutsche Rekordmeister. Niemand verfügt über gleich zwei Torjäger (Harry Kane und Luis Diaz), die am Ende dieser Spielzeit beide die 30-Tore-Marke knacken könnten und niemand drückt seinen Gegner so effektiv in die dessen Platzhälfte, wie der FC Bayern. Folgerichtig hätte die Münchner auch vor Wochenfrist mehr Tore (xG-Wert von 3,06) erzielen können, als PSG (xG-Wert von 1,90).

Klar, am Ende der 90 Minuten im Parc des Princes waren sie es, die fünf Gegentore zuliessen, und das nur zwei Wochen, nachdem auch Real Madrid in der Allianz Arena drei Mal getroffen hatte. Doch genau das ist der springende Punkt: Der FC Bayern München unter Vincent Kompany ist nicht darauf ausgelegt, «Clean Sheets» zu sammeln oder erst einmal defensiv gut zu stehen. Nein, das Ziel der Münchner ist die totale Dominanz und in diesem Sinne die Absicht, in jedem Spiel mehr Tore zu erzielen, als der Gegner, was hervorragend zur heutigen Ausgangslage passt.

Denn das Dümmste, was ein Team wie Bayern (ganze zwei Clean Sheets in dieser gesamten Kampagne) heute tun könnte, wäre, einen Gang zurückzuschalten. Zu versuchen, gegen eine Offensive mit Kwarazchelia, Démbéle und Doué eine Art nicht existierende Sicherheitsmarge einzubauen. Und das weiss natürlich und in erster Linie auch Vincent Kompany. Deshalb wird er sein Mannschaft heute Abend mit der bewährten offensiven Spielausrichtung aufs Feld schicken, darauf zählen, dass seine Spieler die Pariser Defensive unablässig beschäftigen werden. Schliesslich könnte genau das gegen eine PSG-Abwehr ohne den verletzten Achram Hakimi der Schlüssel zum Finaleinzug sein. Viel eher auf jeden Fall, als vom bislang ebenso erfolgreichen wie begeisternden «Kompany-Stil» abzurücken.

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