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Die emotionale und wichtige Fischer-Rückkehr

Andy

Heute Abend steigt die Bundesliga mit dem Duell zwischen dem Tabellensiebten Eintracht Frankfurt und dem Zeiten Borussia Dortmund ins neue Jahr. Doch noch mehr interessiert aus Schweizer Sicht der Samstag, wenn Urs Fischer mit Mainz zu seinem Ex-Klub Union Berlin zurückkehrt.

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Urs Fischer befindet sich mit Mainz auf der «Mission Ligaerhalt». © IMAGO / STEINSIEK.CH

Im heutigen Spiel steckt eine Portion Swissness. Gregor Kobel ist die Lebensversicherung von Borussia Dortmund, was dadurch unterstrichen wird, dass der Nati-Goalie vom Fachmagazin «kicker» zum besten Torhüter der Vorrunde gewählt wurde. Allerdings war er für das Spiel gegen die Frankfurter, bei denen Innenverteidiger Aurèle Amenda bislang einmal mehr zu wenig Spielzeit erhielt und deshalb mit einer Luftveränderung liebäugelt, krankheitsbedingt lange fraglich. «Er war ein wenig verkühlt, zudem ist es auch noch zu Rückenproblemen gekommen. Deswegen hat er nicht alles machen können. Wir werden schauen, wie es aussieht. Wir werden alles versuchen, dass er die 90 Minuten bei uns im Tor stehen kann», erklärte Trainer Niko Kovac am Donnerstagabend, ehe heute bekannt wurde, dass es Kobel mit einem Einsatz versucht.

Für die Dortmunder geht es darum, drei Punkte zu gewinnen und erster Verfolger der Bayern zu bleiben, die bereits um neun Punkte enteilt sind und an deren erneutem Gewinn des Meistertitels eigentlich niemand mehr zweifelt. So sorgen in der Bundesliga eigentlich nur das Rennen um die Champions League-Plätze und der Abstiegskampf für Spannung, in den mit dem FSV Mainz mit Coach Urs Fischer und Captain Silvan Widmer auch zwei Schweizer involviert sind. Und gerade für Trainer Fischer wird der Start ins neue Jahr auch zu einer emotionalen Angelegenheit.

Von der 2. Liga in die Champions League

Zwischen Juli 2018 und November 2023 trainierte Fischer Union und war in diesen fünfeinhalb Jahren äusserst erfolgreich. Er führte die Eisernen in die Bundesliga und die Champions League, kam in 224 Spielen auf einen beachtlichen Durchschnitt von 1,53 Punkten und wurde zu einer Kultfigur. Nach der Trennung von Union legte Fischer eine schöpferische Pause ein, ehe er Anfang Dezember bei Mainz auf den entlassenen früheren FCZ-Trainer Bo Henriksen folgte, wettbewerbsübergreifend in vier Spielen ungeschlagen blieb, auswärts gegen Bayern München nahe an der grossen Sensation war und erst kurz vor Schluss durch einen Penalty von Harry Kane den 2:2-Ausgleich hinnehmen musste.

Nun also die Rückkehr nach Berlin, an seine ehemalige Wirkungsstätte, ins Stadion an der Alten Försterei. «Wenn man fünfeinhalb Jahre irgendwo in der Verantwortung war, ist es klar, dass eine gegenseitige Wertschätzung entstanden ist, auch mit den Fans. Die war immer authentisch, nicht gespielt», sagt Fischer. Logisch berühre einen das bei einer solchen Rückkehr, «aber ich muss das Nostalgische ausblenden, mich voll auf die 90 oder 95 Minuten fokussieren, das muss ich einfach hinbekommen».

Die Defensive stabilisiert

Denn für Fischer steht in Berlin viel auf dem Spiel. Mainz ist nach 15 Spieltagen in dieser Bundesliga-Saison Tabellenletzter. Mickrige acht Punkte haben die Mainzer auf ihrem Konto, der Rückstand auf Augsburg auf dem ersten Nicht-Relegations-Platz beträgt sechs Punkte. Fischer ist nun der Hoffnungsträger, soll für den Turnaround sorgen. Und es gibt Dinge, die Mut machen. So hat es der Schweizer beispielsweise geschafft, sein Team innert kurzer Zeit in der Defensive zu stabilisieren. In vier Spielen gab es lediglich drei Gegentore, zwei davon durch die Bayern. Unter seinem Vorgänger Henriksen kassierte Mainz in der Liga in 12 Spielen 23 Gegentore und wettbewerbsübergreifend in 20 Matches 30 Gegentreffer.

Aber auch ein Blick auf die Tabelle lässt trotz der sechs Punkte Rückstand einen gewissen Optimismus aufkommen. Denn die Differenz zu Rang 10 (Werder Bremen) beträgt auch nur neun Zähler. Dazwischen liegen Köln, Mönchengladbach, der HSV, Wolfsburg, Augsburg, St. Pauli und auf dem zweitletzten Platz Heidenheim. Mainz ist damit mitten im Abstiegskampf, braucht jeden Punkt. Auch deshalb gibt es keine nachträgliche Verabschiedung oder Ehrung des Schweizers. «Wir waren im Austausch mit Urs und mit Mainz und respektieren den Wunsch, die sportliche Situation von Mainz sehr ernst zu nehmen. Dass es ein sehr herzlicher Empfang für Urs werden wird, glaube ich, versteht sich von selbst», erklärte nun Union-Sprecher Christian Arbeit. Auch Union-Keeper Frederik Rönnow ist überzeugt, dass Fischer im Stadion gefeiert wird: «Die Fans machen das immer überragend, wenn sie Respekt zeigen für Leute, die hier waren. Das hat Urs verdient.»

Wenn es einer schafft, dann Fischer…

Der Torhüter sieht keinen Vorteil darin, dass Union den Fischer-Fussball in- und auswendig kennt, er sagt: «Die Gegner wussten früher auch, was sie erwartet – und trotzdem waren wir erfolgreich.» Ähnlich sieht es der legendäre Trainer Peter Neururer, der vor dem Re-Start der Bundesliga gegenüber dem Blick sagte, dass er Fischer den Ligaerhalt zutraue: «Wenn es einer schafft, dann er. Er hat bei Union Berlin Grossartiges geleistet. Allein der Aufstieg war schon unglaublich. Und danach war statt Abstiegskampf plötzlich das internationale Geschäft angesagt. Das spricht für seine Klasse.» Sollte Fischer nun auch mit Mainz im Abstiegskampf bestehen, hätte er wohl auch da schon schnell Kultstatus.

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