Die Grossmutter im Tor von Kap Verde
Goalie Vozinha war beim Unentschieden von Kap Verde gegen Spanien die Entdeckung. Wie seine Paraden versetzt auch sein Name in Staunen: Vozinha heisst auf portugiesisch kleine Grossmutter.
Nach dem Schlusspfiff kamen die Emotionen doch noch hoch. Mit wässerigen Augen blickte der 40-jährige Vozinha ins Rund der riesigen Arena in Atlanta. Der Routinier hatte allen Angriffen und Schüssen der spanischen Stars getrotzt. In den letzten Minuten der ersten Halbzeit zeigte er gleich mehrere starke Paraden, und danach war er immer Herr seines Strafraums. Zu Recht wurde er als bester Spieler der Partie ausgezeichnet.
In Kap Verde ist Vozinha, der sein 90. Länderspiel bestritt, eine grosse Nummer, in Europa reichte es bisher aber nicht für Schlagzeilen. Zuletzt spielte er zwei Saisons beim portugiesischen Zweitligisten GD Chaves. Der Vertrag mit dem Klub läuft Ende dieses Monats aus. Seine Zukunft ist noch offen. In Europa stand er schon in Zypern, Moldawien und der Slowakei unter Vertrag.
Dass er dabei immer den Namen Vozinha auf dem Rücken trug, liegt an seinem Übernamen aus der Kindheit und einem Zufall zum Start seiner Auslandkarriere. "Ich spielte in den Strassen meiner Heimatstadt oft mit älteren Kindern Fussball. Weil ich sehr ehrgeizig war, ärgerte ich mich über die Niederlagen und stampfte danach wütend nach Hause", erzählte er gegenüber "FIFA.com". "Da ich bei meinen Grosseltern wohnte, machten sich die anderen Kinder lustig über mich, indem sie sagten, ich würde mich bei meinen Grosseltern beklagen. So kam es zum Spitznamen Vozinha."
Ganz Kap Verde lernte den Goalie als Vozinha kennen. Als er dann für sein erstes Engagement im Ausland nach Angola wechselte, wollte er wieder unter seinem Geburtsnamen Josimar, den er zu Ehren des früheren brasilianischen Aussenverteidigers erhielt, spielen. Doch in seinem neuen Klub gab es bereits einen Josimar, also blieb er bei Vozinha.
In der WM-Qualifikation spielte Vozinha in fünf von acht Partien zu null. Zum torlosen Remis gegen Spanien trug er sieben Paraden bei. Nur einmal musste er das Glück in Anspruch nehmen, als ein Schuss in der 37. Minute von seiner Latte abprallte.