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"Die Spieler sollen glücklich sein, aber nicht zufrieden"

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Im 13. Spiel gehen die ZSC Lions zum ersten Mal in dieser Saison als Verlierer vom Eis. Für Claude Julien nicht nur ein Unglück. Gegen Widerstände zu bestehen, sei wichtig.

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Der Ärger über die erste Saisonniederlage hält sich bei ZSC-Trainer Claude Julien in Grenzen © KEYSTONE/JUERGEN STAIGER

So direkt mag es Claude Julien nicht sagen, doch im Grunde ist der Coach der ZSC Lions froh über die 2:3-Niederlage am Dienstagabend gegen den HC Davos. "Wir waren zu Beginn einfach nicht bereit", stellt der 66-jährige Kanadier nüchtern fest. "Am Ende waren wir nahe dran, die Partie noch zu wenden, doch ganz ehrlich, heute hätten wir den Sieg nicht verdient gehabt."

Nun werde sich zeigen, wie die Spieler mit einem Rückschlag umgingen, und das ist für den Veteranen mit mehr als 1300 Spielen als Chef an der Bande in der NHL wichtig. Julien ist natürlich mit dem Start in die Saison, seiner ersten ausserhalb Nordamerikas, zufrieden. Doch: "Die Spieler sollen glücklich sein über die zwölf Siege, aber ich will nicht, dass sie zufrieden sind. Ich will nicht, dass sie denken, das sei gut genug. Es ist nie gut genug, bis du einen Pokal in die Höhe stemmst."

Damit sind auch die - wenig überraschenden - Ambitionen Juliens und der ZSC Lions klar formuliert. Im kommenden Frühling soll nach einem Jahr Unterbruch der Schweizer Meistertitel wieder nach Zürich. Deshalb ist der kanadische Chefcoach innerlich wohl ganz glücklich über den kleinen Rückschlag zu diesem Zeitpunkt. "Das soll nicht heissen, dass ich die Niederlage akzeptiere. Aber es wurde schon oft gesagt: Ein bisschen Gegenwind macht ein Team besser." Nun könne man erstmals sehen, wie seine Spieler darauf reagierten.

Hört man sich Chris Baltisberger an, das 34-jährige ZSC-Urgestein, das nie für einen anderen Klub gespielt hat, muss sich Julien keine Sorgen machen. Der Stürmer mit bereits vier Saisontoren trotz relativ wenig Eiszeit ärgert sich weniger über diese erste Niederlage als über "die Art und Weise, wie wir gespielt haben". Das reiche nicht gegen einen guten Gegner. "Und vielleicht ist es ganz gut, dass uns das jetzt aufgezeigt wurde."

Genügsamkeit oder Selbstüberschätzung hat Baltisberger in seinem Team allerdings keine ausgemacht in den letzten Wochen. "Wer uns im Training gesehen hat, hatte kaum den Eindruck, dass wir uns in einer Siegserie befinden", hält er fest. Will heissen: Es wurde konstant an Verbesserungsmöglichkeiten gearbeitet. "Obwohl die Resultate ja gut waren, haben wir an vielen Sachen gefeilt, die noch nicht so gut waren."

Das sei ein konstanter Prozess, betont Baltisberger. "Das hat bereits in der Vorbereitung angefangen. Letztes Jahr hat es uns etwas gefehlt, dass wir in unser Spiel investiert und dieses weiterentwickelt haben. Darauf haben wir nun unser Augenmerk gerichtet." Für Claude Julien ist das auch ein wenig eine Gratwanderung. Die Spieler sollen ja nicht das Gefühl bekommen, sie würden trotz der Siege vieles falsch machen. "Wir wollen den Jungs natürlich zeigen, was sie gut machen", erklärt der Stanley-Cup-Sieger von 2011 mit den Boston Bruins. "Aber gleichzeitig auch, was besser werden muss. Da gilt es für uns als Coachingteam, die richtige Balance zu finden."

Das könnte in den nächsten Tagen ein bisschen einfacher werden. Er zweifle keine Sekunde an der professionellen Einstellung seiner Spieler, betont Julien. Aber möglicherweise hören sie nun noch ein wenig besser zu. Der Vorsprung auf den überraschenden ersten Verfolger Ambri-Piotta beträgt nach dreizehn Runden bereits stattliche neun Punkte. "Jetzt müssen wir natürlich am Freitag gleich wieder mit einer neuen Siegserie anfangen und von Anfang an parat sein", sagt Chris Baltisberger.

"Ich kann ihnen garantieren", betont der erfahrene Chefcoach, "wenn sie in einer ganzen Saison nie auf Widerstände treffen und keine Herausforderungen meistern müssen, ist die Chance ziemlich gross, dass sie am Ende nicht gewinnen." Eine zweite Heimniederlage in Folge, am Freitagabend gegen die SCL Tigers, wäre dann aber wohl nicht, was Claude Julien meint.

An der Motivation dürfte es nicht fehlen. Das letzte Heimspiel gegen die Emmentaler verloren die Lions im vergangenen November. Und die erste Partie dieser Saison wendeten sie nach einem 0:2- und 2:3-Rückstand erst in den letzten zehn Minuten.

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