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Fassnacht hilft dem Nationalteam auch mit seiner Art

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Christian Fassnacht ist bei Weitem kein Stammgast im Nationalteam. Trotzdem steht er nun vor seinem dritten Grossturnier. Deshalb ist der YB-Angreifer für die Mannschaft so wertvoll.

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Christian Fassnacht freut sich auf seine zweite WM-Teilnahme © KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Noch vor einem Monat war Fassnacht verletzt, seine Achillessehne war angerissen. Für YB ging es zu diesem Zeitpunkt um nichts mehr, die Europacup-Plätze waren ausser Reichweite. Das medizinische Team riet dem 32-Jährigen in der Ersteinschätzung, nicht mehr in die Saison einzugreifen und sich in Ruhe auszukurieren. Doch das passte Fassnacht nicht. Er kämpfte sich zurück, erzielte in den letzten drei Runden drei Tore und wurde so Torschützenkönig der Super League.

"So bin ich einfach, ich gebe nie auf", sagt Fassnacht. Als er auf die letzten Wochen zurückblickt, sitzt er in einem Pavillon unweit des Trainingsgeländes in St. Gallen. Blickt er geradeaus, sieht er Reporter, Laptops, Kameras und im Hintergrund einen Sand-Tennisplatz, der am Vormittag bereits gut belegt ist. Dass er nun hier sein würde, statt irgendwo an einem Strand zu liegen, war lange nicht klar.

Denn das Thema Nationalteam schien für ihn schon fast abgeschlossen. Zweieinhalb Jahre lang war er nicht mehr aufgeboten worden, ehe er im vergangenen November einen Anruf von Trainer Murat Yakin erhielt. Bei den Testspielen im Frühling fehlte Fassnacht dann aber wieder. Er kenne ihn ja schon und wolle nun noch etwas anderes probieren, erklärte der Nationaltrainer damals. Ob es für Fassnacht zur WM reichen würde, blieb daher lange offen. Ferien buchte er dennoch bewusst nicht.

Dass er sich trotz Hindernissen zurückkämpfen kann, zeichnet Fassnacht aus. Ohne diese Fähigkeit wäre aus ihm nie ein Profifussballer geworden. Denn als er in der U16 des FC Zürich war, wurde dem damaligen Teenager gesagt, dass es für ihn nicht weitergehe. Zu klein sei er, körperlich noch nicht weit genug entwickelt, hiess es von den Verantwortlichen.

So landete Fassnacht zunächst in der 2. Liga interregional, der fünfthöchsten Liga der Schweiz. Vier Jahre spielte er im Amateurbereich und versuchte beim FC Thalwil, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Dann arbeitete er sich schrittweise hoch: Innert drei Jahren wechselte er zu Tuggen, Winterthur, Thun und schliesslich zu YB. Im November 2018 gab er sein Debüt im Nationalteam.

Drei Jahre später folgte der nächste Rückschlag: Fassnacht erlitt bei einem Zusammenprall einen Schädelbruch, fiel monatelang aus und musste lernen, mit einem stetigen Rauschen im Ohr zu leben. Eine schwierige Zeit, in der Fassnacht merkte, "wie schnell man in eine Depression abrutschen könnte". Umso dankbarer ist er heute, dass es nicht so weit kam und er sich einmal mehr zurückkämpfen konnte.

Nun steht der ehemalige Hobbyfussballer nach den Teilnahmen an der EM 2021 und der WM 2022 vor seinem dritten Grossturnier. "Wenn ich das so höre, dann macht mich das schon extrem stolz", sagt Fassnacht. "Es ist ein Weg, den ich mir so nie erträumt hätte."

Gleichzeitig ist Fassnacht bewusst, dass er an der WM voraussichtlich keine Hauptrolle spielen wird. "Ich weiss, dass ich auch eine Rolle neben dem Platz habe", sagt der Angreifer. An einem langen Turnier wie diesem kann es schnell passieren, dass sich bei Ergänzungsspielern Missmut breitmacht. Bei Fassnacht muss sich der Trainer weniger Sorgen machen. "Natürlich habe ich meine Ambitionen und Ziele, mache aber keinen Stunk, wenn es nicht für einen Einsatz reicht", erklärt Fassnacht.

Und wenn es ihn doch braucht, dann kann Fassnacht ein goldener Joker sein, wie er 2021 im legendären EM-Achtelfinal gegen Frankreich bewies. Da wurde er beim Stand von 1:3 eingewechselt und glänzte mit den Balleroberungen, die zum 2:3 und zum 3:3 führten. Es sei sein wohl grösstes Spiel im Nationaldress gewesen, sagt Fassnacht. "Ich kam damals trotz des Rückstands mit einem Lächeln auf den Platz, weil ich Freude hatte, noch zum Einsatz zu kommen, und der Mannschaft einfach helfen wollte." Seine positive Art habe damals sicher mitgeholfen, die grosse Sensation zu realisieren.

Seine Erfahrungen möchte Fassnacht dereinst weitergeben. Er kann sich vorstellen, nach der Profikarriere im Nachwuchsbereich zu arbeiten. Schliesslich ist er selbst das beste Beispiel dafür, was die richtige Einstellung bewirken kann.

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