Die neue U15-WM der FIFA umfasst 189 Nationen und fast 1000 Spiele. Sportlich steht der Nachwuchs im Fokus, politisch sorgt vor allem die Rückkehr Russlands für Diskussionen.
Äquatorialguinea gegen Kirgistan in Gruppe U? Oder doch lieber Tansania gegen die Komoren in Gruppe X, gespielt auf einem Kunstrasen-Kleinfeld in Aserbaidschan? Die U15-WM der FIFA hält in den kommenden Tagen ein paar echte Underdog-Leckerbissen bereit. Doch was auf den ersten Blick wirkt wie ein latent absurdes, fröhliches Jugend-Sportfest, ist zugleich eine hochpolitische Veranstaltung.
Schliesslich markiert es die Rückkehr des russischen Verbandes auf die Fussballbühne - als einer von 189 Teilnehmern dieser XXL-WM mit ihren fast 1000 Partien, die die FIFA erstmals austragen lässt. In einem, wie der Weltverband es nennt, "innovativen Acht-gegen-Acht-Format" mit zwei Halbzeiten a 20 Minuten messen sich russische Nachwuchssportler der Jahrgänge 2011 und 2012 mit der internationalen Jugend.
Deutschland verzichtet
Es sei "ein Traum", sagt FIFA-Direktor Arsene Wenger vor Beginn der Veranstaltung in der Nähe der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku, "alle aus der Welt beisammen zu haben". Wobei "alle" nicht ganz zutrifft. Denn ein paar wenige Verbände, vorrangig europäische, haben dann doch verzichtet. Der DFB ist einer von ihnen.
"Aus unserer Sicht sollten Talente nicht zu früh den Begleiterscheinungen des professionellen Fussballgeschäfts ausgesetzt werden", heisst es in einem Statement des Verbandes auf SID-Anfrage. Ein "erhöhter Erwartungsdruck", frühe "öffentliche Bewertung" der Leistungen sowie ein "frühzeitiges Interesse aus dem Berater- und Marktumfeld": All das hält man in den Reihen des DFB für kontraproduktiv für die Entwicklung der Talente.
Russland ist am Start
Ein politisch brisantes Duell eines DFB-Teams mit der russischen Mannschaft wird es somit nicht geben. Stattdessen treffen die Jugendlichen aus dem osteuropäischen Land in der Gruppe unter anderem auf den Sudan, Afghanistan und die Türkei. Dass Russland nun erstmals seit Beginn seines Angriffskrieges auf die Ukraine überhaupt wieder an einem Turnier teilnimmt - und das auch noch unter der eigenen Flagge - erscheint dabei wie die logische Folge einer schrittweisen Normalisierung.
FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte Anfang des Jahres für eine Wiedereingliederung Russlands in den Weltfussball geworben, zuvor waren ähnliche Versuche immer wieder durch Boykottandrohungen anderer Länder gescheitert. Nun aber ist der erste Schritt, wenn auch ein kleiner, zumindest im Jugendbereich gemacht.
Infantino als Zuschauer dabei
Die Ukraine - ihrerseits nicht am Start - ist erwartungsgemäss erzürnt. Das Fussballfestival sei somit "nichts anderes als die Legitimierung eines Terrorstaats", sagte Jugend- und Sportminister Matvii Bidnyi: "Während russische Jugendliche zu internationalen Fussballfestivals zugelassen werden, begeht der Aggressorstaat weiterhin Verbrechen an ukrainischen Kindern."
Infantino, der als Zuschauer erwartet wird, dürfte sich durch diese Aussagen kaum von seinem Kurs abbringen lassen. Weitere Turniere dieser Art sind bereits in Planung. 2027 sollen die Mädchen dran sein, ab 2028 Juniorinnen und Junioren im selben Jahr.
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