König Felipe: "Geniesst jeden Kuss"
16 Jahre nach dem ersten WM-Titel ist Spanien erneut ganz oben - und wird in der Heimat gefeiert. Das beschämende Verhalten der Argentinier lasst den Triumph noch grösser wirken.
Rodri trug den Goldpokal vorsichtig wie ein Baby, als der Captain und die anderen WM-Helden nach der Ankunft in Madrid das Flugzeug verliessen und wieder spanischen Boden betraten. Ein kurzes Gruppenfoto vor dem Flieger - und schon ging es mit dem Bus weiter.
Der Feier-Marathon liess den müden, aber überglücklichen Weltmeistern kaum Zeit, den verdienten Finalsieg gegen Argentinien mit all seinen emotionalen Begleiterscheinungen so richtig zu verarbeiten.
Am frühen Abend empfing König Felipe VI., der den Triumph als Edelfan in East Rutherford nahe New York selbst miterlebt hatte, das Team. Die Spieler hatten für den festlichen Akt ihre Trainingsklamotten gegen Anzüge getauscht. "Ihr seid müde - aber was für eine wunderbare Müdigkeit. Herzlichen Glückwunsch", sagte der Monarch im königlichen Palacio Real in Madrid.
Der König gratulierte der "selección" zu einem "epischen" Triumph nach einer wahren "Odyssee" und würdigte die Qualitäten einer "legendären und historischen Mannschaft". Es gebe noch viel zu feiern. "Geniesst jeden Kuss, jede Geste der Anerkennung, denn ihr habt sie euch verdient", fügte der König hinzu. Er dankte der Mannschaft im Namen aller Spanier und erinnerte daran, dass Spanien nun sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen amtierender Fussball-Weltmeister sei.
Danach wollte Ministerpräsident Pedro Sanchez die Weltmeister persönlich begrüssen, ehe die Spieler im offenen Bus durch Madrid fahren sollten - bejubelt von Hunderttausenden an den Strassen und auf dem Cibeles-Platz. "Wir freuen uns wirklich sehr, nach Spanien zu kommen. Viele Leute konnten hier nicht dabei sei und wir wollen mit allen feiern", hatte Linksverteidiger Marc Cucurella vor dem Abflug gesagt. "Ich denke, wir haben uns eine gute Feier verdient."
Schon unmittelbar nach dem 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien um den weitestgehend unsichtbaren Superstar Lionel Messi hatten die Spanier die grosse Titel-Party gestartet. Lamine Yamal tollte auf dem Rasen mit seinem drei Jahre alten Bruder Keyne herum und posierte dann mit dem spanischen Tennis-Ass Carlos Alcaraz für ein Erinnerungsfoto.
In der Kabine wurde es dank lauter Musik und riesiger Champagnerflaschen feuchtfröhlich, und später ging die Party vor den Toren New Yorks weiter. "Wir haben einfach gefeiert - so, wie es ein Weltmeister macht", berichtete Dani Olmo.
Die Freude wurde allerdings durch das Verhalten der Argentinier getrübt, die sich in ihrem Frust als schlechter Verlierer präsentierten: Sie wüteten, wurden teils handgreiflich, drehten den Siegern bei der Pokal-Zeremonie demonstrativ den Rücken zu - und machten so den Triumph der Spanier unfreiwillig noch grösser.
"Spanien hat nicht nur einen Final gewonnen", schrieb die spanische Sportzeitung "Marca": "Es hat den Fussball gerettet." Der britische "Telegraph" schrieb: "Fussball 1, Verbrecher 0." Und der frühere DFB-Kapitän Toni Kroos schrieb bei X: "Der Fussball hat gewonnen."
Sportlich war der Final ohnehin eine Machtdemonstration gegen den Titelverteidiger, der sich fast nur mit Härte und Nickligkeiten zu wehren wusste. Rodri und Co. bekamen verdient den Pokal von US-Präsident Donald Trump übergeben. Dass Trump wie schon nach dem Klub-WM-Final im Vorjahr die Bühne für die ersten Siegerfotos nicht verlassen wollte und erst nach einigen Sekunden von FIFA-Präsident Gianni Infantino sanft zur Seite begleitet wurde, blieb diesmal eher eine Randnotiz.
Die Sieger kümmerte das schon mal gar nicht. Das Empire State Building leuchtete zu Ehren der Iberer in Rot und Gelb.