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Leidenschaft, Backhands und Triumphe: Was von Wawrinka auch nach Basel bleiben wird

Patrick

Vielleicht ist es schon heute Abend im Duell mit Tokio-Finalist Jiri Lehecka (ATP 21) so weit. Vielleicht aber auch erst morgen gegen den Deutschen Daniel Altmaier (ATP 60) oder irgendwann später in dieser Woche. Sicher aber ist: Mit den Swiss Indoors in Basel geht Stan Wawrinkas eindrückliche Karriere nach über 20 Jahren auf der Profitour zu Ende. Höchste Zeit also, sich jenen Aspekten zu widmen, die noch viele Jahre lang an den Romand erinnern werden.

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Der Schlag, der zum Markenzeichen wurde: Stan Wawrinka und seine einhändige Rückhand © Keystone / AP Photo / Hamish Blair

Titel, Triumphe und Tragödien


Stan Wawrinkas Durchbruch? Vielleicht am 20. Januar 2013, jenem Tag, an dem er im Viertelfinale der Australian Open eine an Dramatik nicht zu überbietende Fünfsatz-Niederlage gegen Novak Djokovic bezog. Auf den ersten Blick die nächste «ehrenvolle» Niederlage gegen einen Vertreter der «Big Three» (Karrierebilanz von 12:63), in Tat und Wahrheit aber wohl jener Moment, in dem Wawrinka spürte, Spieler vom Format eines Djokovics, Federers oder Nadals auch an einem Major schlagen zu können. Ein Jahr später stellte er genau das unter Beweis, bezwang den Serben abermals im Viertelfinale der Australian Open, nachdem er ihm wenige Monate zuvor im Halbfinale der US Open noch einmal in fünf Sätzen unterlegen war. Doch mit dem Sieg in Melbourne 2014 war der Bock umgestossen. Wenige Tage später holte sich der gebürtige Lausannois im Endspiel gegen Rafael Nadal seinen ersten Grand-Slam-Titel. Roland Garros 2015 und die US Open 2016 (zweimal im Finale gegen Novak Djokovic) sollten folgen und ergänzen heute Wawrinkas einzigartige Trophäensammlung, der zudem auch noch der Davis-Cup-Sieg 2014, Olympia-Gold im Doppel 2008 sowie 16 ATP-Turniersiege angehören.

 

Die beste Nr. 2 der Welt


Mika Brunold (ATP 191) hat dieser Tage gut lachen. Dank starker Leistungen auf der Challenger-Tour verbesserte sich der Baselbieter seit Ende August in der Tennis-Weltrangliste um über 230 Plätze. Zu Recht erfreute er sich am Rande der Swiss Indoors seiner guten sportlichen Entwicklung, dank der er zumindest diese Sache mit Stan Wawrinka gemeinsam hat: Auch er wird die aktuelle Saison (aller Voraussicht nach) als Schweizer Nr. 2 beenden, genauso wie der Romand dies während fast seiner gesamten Karriere getan hat. Doch auch wenn Wawrinka in der öffentlichen Wahrnehmung immer im Schatten von Roger Federer stand, gehört er dennoch zweifelsfrei zu den grössten Sportlern, die die Schweiz je hervorgebracht hat. Ohne den Basler Weltstar würde ich sogar behaupten: der Grösste. Denn so erfolgreich unsere besten Winter- und Einzelsportler in den verschiedensten Sportarten sind und waren – nach einem Ausnahmeathleten, der in einer weltweit gespielten und von den mächtigsten Sportnationen der Welt geförderten Sportart über ein Jahrzehnt ganz vorne mitmischt, müssen wir ohne Federer lange suchen. Ob die Schweiz jemals wieder über einen Tennisspieler vom Format eines Stan Wawrinkas verfügen wird, ist nicht nur aufgrund der aktuellen Baisse im Schweizer Männertennis mehr als nur unsicher.

 

Eine Backhand zum Verlieben


Nur schon aufgrund dieses einen Schlages wird Wawrinka der Tennis- und Sportwelt noch lange in bester Erinnerung bleiben: seine einhändige, stilistisch perfekt geschlagene Rückhand. Noch heute gilt sie als vielleicht beste Backhand dieser Art, die generell von der Mehrheit der Profis (und der Amateurspieler) aufgrund ihres Schwierigkeitsgrades gerne gegen ihre beidhändige Alternative ausgetauscht wird. Doch der Vaudois beherrschte diesen Schlag nicht nur, er machte ihn auch zu einer seiner grössten Waffen, präzise, enorm druckvoll und auch der unablässigen Power eines Nadals oder Djokovics gewachsen. Eine Herausforderung, die nicht einmal Federer zu seinen besten Zeiten meisterte, der gemeinhin als talentiertester und variantenreichster Spieler aller Zeiten gilt. Doch an Stan Wawrinkas Backhand kam auch er nicht heran. Schade, dass wir sie in Zukunft nicht mehr auf den Center Courts dieser Welt werden bestaunen können.

 

Mit Leidenschaft und Beharrlichkeit


Der vielleicht eindrücklichste Fakt aus Stan Wawrinkas Karriere? Dass er seinen grossen Durchbruch im relativ reifen Alter von 28 Jahren erzielte, nach unzähligen Niederlagen und Rückschlägen, die gerade im mental äusserst anspruchsvollen Tennissport manch anderen davon abgehalten hätten, nach über zehn Jahren als Profi noch zu reüssieren. Doch Wawrinka blieb dran, glaubte trotz einer zwischenzeitlichen Serie von 34 Niederlagen am Stück (vs. Djokovic, Nadal und Federer) irgendwie weiterhin an sich und schaffte schliesslich doch noch den wohl von niemandem mehr erwarteten Sprung zum grossen Champion. Dank seiner Leidenschaft und dem Kampfgeist, der ihm über die Jahre zu Spitznamen wie «Stanimal», «Stan the Man» oder «Marathon-Stan» verhalf. Und vermutlich ist es auch diese Kraft, die ihn trotz fast 40 Millionen USD an eingespielten Preisgeldern bis ins heutige Alter von 41 Jahren auf der Tour aktiv bleiben liess. Es wäre ihm und den (Schweizer) Tennisfans zu gönnen, könnte er seinen Abschied in Basel noch einmal um ein bis zwei zusätzliche Matches hinauszögern.

 

 

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