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Liechtensteiner Ospelt folgt auf umstrittenen Eliasch

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Alexander Ospelt ist neuer Präsident des Internationalen Ski- und Snowboard-Verbandes FIS. Der Liechtensteiner gewinnt die Wahl beim Kongress in Belgrad gegen den bisherigen Amtsinhaber Johan Eliasch.

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Alexander Ospelt, der neue FIS-Präsident, nimmt die Gratulationen seines Vorgängers Johan Eliasch entgegen © KEYSTONE/EPA/ANDREJ CUKIC

Das Verkünden des Wahl-Ergebnisses, das mit 65:64 Stimmen zugunsten Ospelts knappstmöglich ausfiel, war sozusagen der Startschuss zur erhofften Kehrtwende bei der FIS nach einer schwierigen Phase unter der Fuchtel von Ospelts Vorgänger, mit dem die Zusammenarbeit auf Dauer immer schwieriger wurde, der für Irrungen und Wirrungen sorgte, in dessen Amtszeit das Unverständnis schliesslich in Abneigung und Streitereien umschlug.

Das Aufatmen bei Vertretern vieler nationaler Verbände war nach dem Verdikt in Serbiens Hauptstadt selbstredend spürbar, die Erleichterung, eines der aufreibendsten Kapitel in der 102-jährigen Geschichte der FIS schliessen zu können, ebenso. Es ging schliesslich um nichts weniger als die Zukunft des Dachverbandes.

Die Wahl am Donnerstag soll der Beginn sein einer Epoche, in der die Dachorganisation wieder geprägt sein wird von Transparenz und Sachlichkeit, in der die Gesprächskultur und der Informationsaustausch wieder gelebte Werte sind. Normalisierte Bedingungen sollen dafür sorgen, dass sich wieder alle Involvierten aufeinander verlassen können.

Der für vier Jahre gewählte Ospelt steht, so sein Wahlversprechen, für diese Werte. Der 58-jährige Rechtsanwalt mit Doktortitel und eigener Kanzlei in Schaan ist gewillt, den demokratischen Ansatz, Ruhe und Ordnung zurück ins Führungsgremium der FIS zu bringen. Alleingänge, Entscheide über den Kopf seiner Gefolgsleute hinweg, sind seine Sache nicht. Der einstige Präsident des Liechtensteinischen Skiverbandes, in den letzten zwei Jahren Mitglied des FIS-Councils, ist bereit zum Dialog - mit den angegliederten Verbänden, mit Athletinnen und Athleten und Komitees. So soll die Basis geschaffen werden, um die Aufgaben in einem nicht nur wegen des Klimawandels stets schwieriger gewordenen Umfeld zu meistern.

Ohnehin wird es trotz der vom Kongress beschlossenen Kehrtwende kein einfacher Weg sein, den Ospelt zu gehen hat. Interessenkonflikte wird es auch unter seiner Führung geben, die der FIS angeschlossenen Verbände werden weiterhin ihre Ansichten vertreten und sich für ihre Bedürfnisse stark machen.

Der neue Hoffnungsträger wird als "Brückenbauer" manche Klippe umschiffen müssen bei der Umsetzung seiner Vorgaben fürs "neue Miteinander" in einer Organisation, in der alle am gleichen Strick ziehen zum Wohl des globalen Schneesports, für eine FIS, die wieder eine glaubwürdige Institution sein soll.

Im Verlauf der fünf Jahre unter der Ägide von Eliasch litt diese Glaubwürdigkeit zusehends. Ausgerechnet er, der sich als Aktivist in der Klimabewegung für Nachhaltigkeit einsetzt, hatte ein Klima des Misstrauens und der Missverständnisse geschaffen. Der schwerreiche Unternehmer hatte auch im Vorfeld der Wahl zu überraschenden, irritierenden Massnahmen gegriffen - und Verantwortliche vieler nationaler Verbände noch einmal vor den Kopf gestossen. Mit seiner Einbürgerung in Georgien, die ihm nach der von den Verbänden Schwedens und Grossbritanniens verweigerten Portierung erst das Recht zur Kandidatur für eine zweite Wiederwahl ermöglichte, hatte er im Wortsinn noch einmal Grenzen auf inakzeptable Art überschritten.

Mit dem unsäglichen Winkelzug brachte Eliasch weitere Nationen gegen sich auf, auch solche, die ihm zuvor trotz seines selbstherrlichen Führungsstils und seines undurchsichtigen geschäftlichen Gebarens wohlgesinnt waren. Bei diesen Verbänden wich die Hoffnung, die sie in ihn gesetzt hatten, nun ebenfalls der Ernüchterung. Eliasch stand nicht für die erwartete Modernisierung der FIS und für entsprechende Reformen. Zu oft hielt er sich nicht an Abmachungen und setzte er Zusagen nicht in die Tat um.

Das schon bald nach Amtsantritt als Nachfolger des inzwischen verstorbenen Bündners Gian Franco Kasper zerrüttete Verhältnis Eliaschs vorab zu den grossen Skinationen erreichte in der Woche vor dem Kongress einen neuen Höhepunkt, als Urs Lehmann seinen Posten als Geschäftsführer der FIS zur Verfügung stellte.

Der Termin war wohl kein Zufall. Der frühere langjährige Präsident von Swiss-Ski wollte mit Nachdruck auf die herrschenden Missstände an der Spitze des Internationalen Ski- und Snowboard-Verbandes aufmerksam machen. Nach offizieller Lesart fällte er seinen Entscheid "aus Respekt vor den Wahlen". Dass Lehmann auf seinen Entschluss zurückkommen und wieder für die FIS tätig sein wird, ist ein mögliches Szenario.

Die publik gemachte kritische finanzielle Lage der FIS und deren mögliche Konsequenzen machten wohl auch frühere Unterstützer Eliaschs hellhörig, umso mehr er von einer "Situation im grünen Bereich" sprach - und die Situation wissentlich zu schönen versuchte. Die Skepsis dem bisherigen Präsidenten gegenüber nahm in diesen Tagen noch einmal deutlich zu.

Die neueste Episode in diesem Spiel um Macht, Einfluss und Geld verfehlte ihre Wirkung nicht. Am Donnerstag nach dem Verkünden des Wahl-Ergebnisses hatten die Gegenspieler Eliaschs endgültig Gewissheit.

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