skysport.ch
Sky Sport

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
News Fussball

Michel Aebischer übernimmt auch in Berlin viel Verantwortung

Keystonr

Michel Aebischer passt perfekt zu Union. Der Schweizer Mittelfeldspieler verkörpert die Bodenständigkeit und Arbeitermentalität des Berliner Klubs.

media_ftp_sky_de_20261021_brz0026ad82e04261ea
Ist nach Aussage von Unions Trainer Mauro Lustrinelli "unglaublich wichtig" für das gesamte Gleichgewicht im Team: Michel Aebischer © KEYSTONE/DPA/JULIUS FRICK

Der Stadionsprecher ruft: "Und niemals vergessen:" Die Fans antworten lautstark: "Eisern Union!" Willkommen im Stadion An der Alten Försterei, der Heimstätte von Union - einem Verein, der mehr ist als ein Fussballklub und für Kampfgeist und Widerstandsfähigkeit steht. Dazu passt, dass das Stadion bei einer Gesamtkapazität von 22'012 Zuschauern 18'395 Stehplätze bietet. Auch nach dem geplanten Umbau soll es mehr Stehplätze geben.

Die Stimmung beim 0:0 gegen Borussia Dortmund am vergangenen Samstag ist prächtig. Mittendrin befindet sich der Schweizer Michel Aebischer, der auf diese Saison hin von Serie-A-Absteiger Pisa nach Berlin gewechselt ist. Der 29-jährige Mittelfeldspieler soll der teuerste Neuzugang des Bundesligisten aus der Hauptstadt in diesem Sommer sein - offiziell bestätigt hat der Verein das allerdings nicht. Das unterstreicht dennoch den Stellenwert von Aebischer für Union, das seit 2019 in der Bundesliga spielt und sich 2023 gar für die Champions League qualifizierte.

Aebischer passt mit seiner Mentalität perfekt zum Klub. Luxus bedeutet ihm wenig. Er sucht nicht die Aufmerksamkeit und spielt nicht spektakulär, sondern erledigt seinen Job unaufgeregt. Nicht umsonst kann er nach den Spielen gut abschalten. "Ich habe noch nie nach einer verlorenen Partie Tränen vergossen, habe kein Problem damit zu sagen, dass ich schlecht gespielt habe", erklärt er im Gespräch mit Keystone-SDA. "Natürlich ist der Fussball mein Beruf, der mein Leben bestimmt. Ich versuche jedoch, eine gute Balance zu finden. Es gibt anderes, das wichtiger ist."

Diese Lockerheit möchte er auch seinen Teamkollegen vermitteln. "Hier herrscht eine grosse Arbeitermentalität", so Aebischer. Immer mehr machen zu wollen, sei jedoch nicht immer das Beste, könne dazu führen, sich zu stark zu verkrampfen. "Diesbezüglich versuche ich zu helfen."

Überhaupt wurde Aebischer als Führungsspieler geholt, hat er doch schon einige Erfahrungen gesammelt. Einen Schlüsselmoment in seiner Karriere gab es für ihn allerdings nicht. "Es war eine stetige Entwicklung, ich habe mir alles erarbeitet." Mit fünf Jahren begann er im freiburgischen Heitenried, wo er aufgewachsen ist, mit Fussball. Mit 16 Jahren wechselte er von Fribourg zu den Young Boys, bei denen er am 10. September 2016 im Alter von 19 Jahren in der höchsten Schweizer Liga debütierte. Nach vier Meistertiteln und einem Cupsieg mit den Bernern zog es ihn in die Serie A zu Bologna, wo er vier Jahre tätig war und einmal die Coppa Italia gewann. Nach einer Saison bei Pisa spielt er nun bei Union.

"Es gibt nicht richtig oder falsch, aber ich glaube, es ist ein sehr guter Weg, den ich gemacht habe", sagt Aebischer. Die Tendenz sei schon eher, zu früh zu wechseln. "Natürlich, mit den heutigen Beträgen, den Beratern, die dich pushen und Geld machen wollen, und den sozialen Medien, die immer mehr kommen, ist es nicht einfach. Es prasselt viel auf die Jungen ein."

Bei Bologna musste sich Aebischer seinen Platz erkämpfen. "Es war ein grosser Schritt. Das Niveau kann man nicht vergleichen, und du bist allein im Ausland, weisst nicht, was auf dich zukommt." Gezweifelt an sich hat er aber nie. "Ich wusste, dass ich die Qualitäten dafür habe, mich dort durchsetzen zu können, und das war auch der Fall", sagt Aebischer.

Die letzte Saison bei Bologna war dann allerdings eine schwierige für ihn. Der Wechsel zu Pisa war zwar sportlich gesehen ein Rückschritt, doch dort erhielt er eine wichtige Rolle. Deshalb möchte er die Zeit trotz des Abstiegs nicht missen. "Wenn es gut läuft, ist es einfach, dass jeder gut spielt", sagt Aebischer. "Es war mal etwas Neues. Zuvor war ich immer in Mannschaften, die viel den Ball hatten, die eigentlich in einer positiven Entwicklung waren. Von daher war es sehr spannend."

Bei Bologna wurde Aebischer "L’Equilibratore" genannt, was auf Deutsch der Ausgleicher bedeutet. Den Spitznamen erhielt er, weil er im Mittelfeld für die Balance zwischen Offensive und Defensive sorgte. Überhaupt ist er sehr polyvalent einsetzbar, was ihn wertvoll macht. Er ist nicht der Schnellste und nicht der Zweikampfstärkste, verfügt aber über ein grosses Spielverständnis.

Auch Unions Trainer Mauro Lustrinelli, der wie Aebischer Schweizer und neu bei den Berlinern tätig ist, hebt diese Qualität hervor. "Er bringt viel in die Organisation. Wenn du ihm etwas vorgibst, setzt er es einfach um. Oder wenn der Gegner etwas anders macht, hat er die Fähigkeit, dies zu erkennen, ohne dass ich ihm etwas sage. Er übernimmt sofort die Verantwortung. Er ist unglaublich wichtig für das gesamte Gleichgewicht im Team", antwortet Lustrinelli auf Nachfrage von Keystone-SDA.

Aebischer gehört deshalb zum festen Kreis der Schweizer Nationalmannschaft. Bei den letzten drei grossen Turnieren war er jeweils Teil des Teams. Unvergessen ist sein Auftritt an der EM 2024 im Startspiel in Köln, als er beim 3:1-Sieg gegen Ungarn ein Tor erzielte und eine Vorlage gab. Diese Partie bezeichnet er als sein Highlight.

Bei Union hat sich Aebischer gut eingelebt, er wohnt mit seiner Frau, die er in diesem Sommer geheiratet hat, mitten in der Stadt. Lustrinelli kannte er schon vom U21-Nationalteam, als er dort Trainer war. Ist der Tessiner immer noch der Gleiche? "Als Mensch ist er immer noch gleich, sehr offen und energetisch. Er verlangt viel. Als Trainer hat er sich natürlich weiterentwickelt, er hat sein Spiel gefunden."

Lustrinelli setzt auf intensiven Fussball, und seine Handschrift ist bei Union zunehmend zu sehen. Jedenfalls war das 0:0 gegen das Topteam Borussia Dortmund verdient. Eine Woche zuvor gab es beim 1:0 gegen das erstaunliche Elversberg den ersten Sieg in der Bundesliga unter seiner Führung, nachdem in den ersten vier Partien nur ein Punkt herausgeschaut und es bei den Bayern eine 0:7-Niederlage abgesetzt hatte. Dennoch ist das Team aktuell Zweitletzter.

"Man sieht die Entwicklung, wir bringen seine Ideen besser auf den Platz", sagt Aebischer. So oder so kann die Mannschaft auf die uneingeschränkte Unterstützung der Fans zählen. "Es ist ein sehr familiärer Klub. Die Fans haben eine gute Balance zwischen Erwartungen und Realität." Ganz nach dem Motto: "Eisern Union."

Bewerte den Artikel
0 Bewertungen
Ihre Stimme wird gezählt.

News-Feed

Lesen Sie auch

Mehr anzeigen

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Copyright Sky Schweiz SA © 2001-2026. Erstellt von EWM.swiss