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Mit grossen Namen in den neuen WM-Zyklus

Keystonr

Nach der Weltmeisterschaft haben viele Nationalteams ihren Trainer gewechselt. Einige grosse Namen kommen in den kommenden Tagen in der Nations League zu ihren Premieren.

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Soll die vergangenen Jahre vergessen machen und die deutsche Nationalelf wieder zum Erfolg führen: der neue Bundestrainer Jürgen Klopp © KEYSTONE/EPA/CHRISTOPHER NEUNDORF

Mit mehr Vorschusslorbeeren kann man kaum in einen neuen Job starten. Jürgen Klopp begeistert noch vor seinem ersten Einsatz als deutscher Bundestrainer am Donnerstag in Amsterdam gegen den Erzrivalen Niederlande. Seine Rede bei der Bekanntgabe des ersten Aufgebots rührte den Chefredaktor der "Bild" zu Tränen, wie das Boulevard-Medium erzählte und filmisch dokumentierte. "Die Fahne zurückholen" wünschte sich Klopp, als er einen kleinen politischen Exkurs wagte.

Sein erstes Aufgebot ist so breit abgestützt wie seine Popularität. 44 Spieler nahm Klopp in sein Kader für die anstehenden vier Partien. Es sind Spieler darunter, die international kaum bekannt sind, wie etwa Felix Keidel, der erst vier Bundesliga-Spiele mit Aufsteiger Elversberg bestritten hat, oder die Legionäre Mika Baur (Celtic Glasgow) und Vitaly Janelt (Brentford). Dafür fehlen bekanntere Namen wie Leroy Sané, Deniz Undav oder Goalie Oliver Baumann.

Auch bei den Niederlanden wird der Blick auf den Trainer gerichtet sein. Zum ersten Mal seit Ende der Siebzigerjahre und dem Österreicher Ernst Happel ist der Bondscoach der Oranje ein Ausländer. Der Spanier Xavi übernahm den Posten vom nach der WM zurückgetretenen Ronald Koeman. Der 46-jährige einst brillante Spielmacher muss sich rasch beweisen. Er war bei der Suche nach dem Nachfolger von Koeman nur die dritte Wahl, heisst es aus den Niederlanden.

Als Trainer ist der Leistungsausweis von Xavi relativ klein. In den knapp drei Saisons beim FC Barcelona (November 2021 bis Mai 2024) gewann er nur einen Meistertitel. Seit dem Ende seines dortigen Engagements, das er ebenfalls als Nachfolger von Ronald Koeman begonnen hatte, war er ohne Trainerjob. Die enge Verbindung des FC Barcelona und der niederländischen Nationalmannschaften mit gemeinsamen Grössen wie Rinus Michels, Johan Cruyff oder eben auch Koeman hat Xavi den prestigeträchtigen Posten eingebracht.

Belgien startet am Freitag in Italien mit einem Niederländer in den neuen WM-Zyklus. Mark van Bommel, dessen Sohn Ruben erstmals im Aufgebot von Xavi steht, ist nahe der belgischen Grenze aufgewachsen und trainierte zwischen 2022 und 2024 Royal Antwerpen. Seither schlug der frühere Captain von Bayern München diverse Jobangebote aus. "Es war nie das Richtige", erklärte Van Bommel, der die Nachfolge von Rudi Garcia antritt.

In Belgien kann der frühere defensive Mittelfeldspieler auf ein grosses Reservoir zurückgreifen. Der Generationenwechsel kündigt sich aber nicht einfach an. Im erweiterten 26-Mann-Aufgebot für die ersten vier Länderspiele stehen weiterhin Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku, die in den letzten Monaten nicht immer die erhoffte Leistung erbracht haben. Van Bommel wird rasch sehen, wo sein Team steht: Auf das Gastspiel in Rom folgen Partien gegen die Türkei und zweimal gegen Frankreich.

Zur erstmaligen Verpflichtung eines ausländischen Nationaltrainers ist es in Italien noch nicht gekommen. Der vierfache Weltmeister griff dafür wieder auf Roberto Mancini zurück, der mit dem EM-Titel 2021 für den grossen Lichtblick in den letzten zwölf Jahren ohne WM-Teilnahme gesorgt hatte. Mit einer öffentlichen Entschuldigung begann seine zweite Amtszeit. Schliesslich hat der 61-Jährige im eigenen Land einiges gutzumachen, nachdem er 2023 den Posten des Commissario Tecnico für eine lukrative Anstellung in Saudi-Arabien aufgegeben hatte.

Der überstürzte Abgang von Mancini ist nur eine von diversen seltsamen Episoden in der jüngsten Geschichte des italienischen Verbandes. Bevor Mancini seinen Posten Ende Juli zurückerhielt, hatte Verteidiger-Ikone Paolo Maldini während seiner 16 Tage als Technischer Direktor vergeblich versucht, Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti als Nationalcoaches an Bord zu holen. Die dritte Wahl, Andrea Pirlo, sagte dann zu, stolperte aber über seine geschäftlichen Verbindungen nach Russland. Pirlo fiel politisch durch, Maldini warf das Handtuch, und Mancini erhielt den Job.

Nicht zweite oder dritte Wahl, sondern einzige Wahl war Zinédine Zidane. Wohl noch nie wurde vor dem 54-Jährigen ein französischer Nationaltrainer so gut wie ohne Vorbehalte von der Öffentlichkeit in seinem Amt begrüsst. Nach 14 vorwiegend erfolgreichen, aber fussballerisch selten hochstehenden Jahren unter Didier Deschamps sollen Siege und Spektakel nun vereint werden. Die neue Zeitrechnung für "les bleus" beginnt am Freitag gegen die Türkei in Izmit, der Stadt rund 100 Kilometer östlich von Istanbul.

Als "Rückkehr des Königs" bezeichnete "L'Equipe" die ersten Tage von Zidane im französischen Trainingszentrum von Clairefontaine. An seiner Seite ist unter anderem der langjährige Teamkollege Fabien Barthez, der als Goalietrainer neu zum Trainerstab gehört. Fünf Neulinge schafften es in das erste, 23 Spieler umfassende Kader von Zidane, unter ihnen der ehemalige Basler Andy Diouf und der frühere Lausanner Lucas Da Cunha. Das Potenzial, um Frankreich brillieren zu lassen, hat Zidane auch ganz ohne Debütanten zur Hand. Der Erwartungsdruck ist allerdings riesig.

Portugal hat nach der enttäuschenden WM den weitgereisten Jorge Jesus als Nachfolger von Roberto Martinez eingestellt. Der 72-Jährige führte Al-Nassr mit Cristiano Ronaldo letzte Saison zum Meistertitel in Saudi-Arabien und steht am Donnerstag gegen Wales erstmals für Portugal an der Seitenlinie. Kroatien berief Slaven Bilic zurück in das Amt des Nationalcoaches. Der ehemalige Verteidiger hatte bereits von 2006 bis 2012 den zweimaligen WM-Finalisten trainiert. Unverändert ist im Vergleich zu damals die Position des Spielmachers. Luka Modric könnte am Samstag in Tschechien sein 203. Länderspiel bestreiten. Auch der Gegner Kroatiens hat einen neuen Coach. Mit dem Spanier Santi Denia werden die Tschechen erstmals von einem Ausländer betreut.

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