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Okafor übt sich in Deeskalation

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Wie an der EM vor zwei Jahren ist Noah Okafor auch an der WM noch nicht zum Einsatz gekommen. Nun äussert sich der Angreifer zu seiner schwierigen Situation.

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Bloss keine Debatte entfachen: Noah Okafor wartet ohne zu stänkern auf seine Chance © KEYSTONE/EPA/PETER KLAUNZER

Überraschung in San Diego: Der Schweizer Fussballverband teilt mit, dass Noah Okafor der nächste Protagonist an den hier üblichen Pressekonferenzen ist. Dass ein Spieler zu den Reportern spricht, der im Turnier noch keine Minute Spielzeit erhalten hat, ist ungewöhnlich. Bei Okafor verhält es sich etwas anders.

Denn in den vergangenen Tagen wurde der Umstand, dass der 26-Jährige an der WM als einer von drei Schweizer Feldspielern bisher nicht berücksichtigt wurde, bei praktisch jeder Gelegenheit thematisiert. Und das durchaus emotional. So wurde die Geschichte rund um Okafor in einem Talk im Schweizer Fernsehen gar als "tickende Zeitbombe" bezeichnet.

Höchste Zeit also, diese zu entschärfen. Das dürften sich die Verantwortlichen des Nationalteams wie auch Okafor selbst gedacht haben. Deshalb erschien der Angreifer am Sonntagvormittag im Medienzentrum nahe des Trainingsgeländes. Man darf davon ausgehen, dass er sich seine Worte im Vorfeld gut überlegt hat und wahrscheinlich auch vom Verband instruiert wurde: Bloss keine Debatte entfachen.

Und vorab: Okafor hielt sich zurück. Trotz mehrfacher Steilvorlagen und teils provokativer Fragen. Er räumte ein, dass er es schon schade finde, wenn er nicht spielen könne. Schliesslich träume jeder Fussballer davon, an einer WM spielen zu können. So wie in Katar, als er dreimal eingewechselt wurde.

Und sowieso: Kein Fussballer möge es, auf der Ersatzbank zu sitzen. "Sonst ist man im falschen Beruf." Aber am Ende gehöre das eben zu diesem Sport dazu. Er freue sich jedenfalls sehr über die Leistungen des Teams und warte auf seine Chance.

Auch das Zeitbomben-Zitat brachte den Stürmer von Leeds United nicht aus der Ruhe. Das sehe er "überhaupt nicht" so, hielt Okafor fest. Er sei glücklich, dabei zu sein. Er sei gesund, fit und unterstütze das Team, wo er könne. Sei es auf oder neben dem Platz. Und um ganz sicherzugehen, fügte er an: "Ich bin sehr gut gelaunt. Das seht ihr vielleicht an meinem Lächeln."

Nein, Okafor war nicht da, um auszuteilen, wie er das in der Vergangenheit auch schon gemacht hat. Unvergessen ist die EM vor zwei Jahren, als der Basler seinen Missmut über die fehlenden Einsatzminuten mit seiner Körpersprache klar zum Ausdruck brachte. Dass ihm das im Nachhinein angekreidet wurde, wollte er zunächst nicht verstehen - und reagierte trotzig.

Im vergangenen Herbst legte er mit einem Interview mit "The Athletic" nach. Darin meinte er, er sei "sehr, sehr traurig" über seine Situation im Nationalteam und verstehe es nicht, dass sich Trainer Murat Yakin und Direktor Pierluigi Tami nicht mehr bei ihm gemeldet hätten. Nicht einmal zu seinem Wechsel zu Leeds United hätten sie ihm gratuliert.

Es kam zur Aussprache, in der Yakin dem Spieler klarmachte, dass er seine Qualitäten schätze, sein Verhalten aber nicht akzeptabel sei. Wenn er sich nicht über das Team stelle, dann gebe es für ihn auch einen Weg zurück. Okafor akzeptierte und hinterliess beim nächsten Zusammenzug Eindruck beim Trainer, indem er sich ungefragt vor der ganzen Mannschaft entschuldigte.

Sein Verhalten an der EM in Deutschland sei ein Kapitel, das er nun gerne hinter sich lassen wolle, sagte Okafor. "Ich habe seither menschlich wie fussballerisch einen grossen Schritt nach vorne gemacht." Womit er auch auf seine starken Leistungen bei Leeds United hinwies. Er erzielte in der abgelaufenen Saison acht Tore in der Premier League, was zuvor mit Xherdan Shaqiri nur einem weiteren Schweizer gelang.

Deshalb hatten viele, darunter auch der gegnerische Trainer Jesse Marsch, erwartet, dass Okafor im letzten Gruppenspiel gegen Kanada seinen ersten Einsatz bekommen würde.

Yakin hatte gemäss eigener Aussage vor, Okafor einzuwechseln. Es kam aber anders. Angesichts des knappen Vorsprungs wollte der Trainer auf Erfahrung setzen und brachte unter anderem mit Christian Fassnacht einen Super-League-Stürmer. Auch darauf angesprochen, vermied Okafor jegliche Kritik: "Ich habe mich für ihn gefreut, dass er reingekommen ist. Es ist ein 26-Mann-Kader, und jeder im Team hat Qualität." Deeskalation pur.

Einzig bei einem Punkt wagte sich Okafor in die Offensive. Während Yakin die fehlenden Minuten für Okafor auch mit dessen Wadenverletzung begründete, die er sich im Saison-Schlussspurt zugezogen hatte, hielt Okafor mehrmals fest, dass ihn das schon lange nicht mehr behindere. "Ich bin topfit und ready für den Moment, wenn es mich braucht."

Bleibt die Frage, wann dieser Moment kommen könnte. Okafors Problem ist mitunter, dass die Offensivpositionen im Schweizer Team bereits gut besetzt sind. Im Sturm gibt es kein Vorbeikommen an Breel Embolo, und auf den Flügeln, auf denen Yakin Okafor am ehesten sieht, stehen Spieler wie Ruben Vargas, Dan Ndoye oder Johan Manzambi vor ihm.

Okafor, der seit zwei Jahren nur drei Einsätze im Nationalteam hatte (einmal von Beginn an, zweimal eingewechselt), wird sich daher wohl weiter gedulden müssen. Eine grosse Herausforderung, das Lächeln dabei nicht zu verlieren.

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