Pogacar – Vingegaard: Das Duell der Giganten
Am Samstag beginnt die 113. Tour de France mit einem Teamzeitfahren in Barcelona, bis zum Ende am 26. Juli auf den Champs-Élysées stehen 21 Etappen auf dem Programm. Die Fans hoffen dabei auf ein packendes Duell zwischen den Superstars Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard.
Die Zahlen sind beeindruckend und unterstreichen die Strapazen, die auf dem Weg nach Paris auf die «Helden der Landstrassen» warten: 3333 Kilometer gilt es abzupedalen, 54’450 Höhenmeter müssen bewältigt werden – 3000 Meter mehr als im letzten Jahr. Es sieht also ganz danach aus, dass «La Grande Boucle» immer härter wird.
Die Rundfahrt beginnt in diesem Jahr Barcelona erstmals seit 1971 wieder mit einem Mannschaftszeitfahren. Erst in der dritten Etappe geht es von Spanien nach Spanien – und auch in die Pyrenäen. Es ist ein frühes Ausrufezeichen in der anspruchsvollsten Rundfahrt, die den Veloprofis alles abverlangt.
Insgesamt stehen sieben Bergankünfte auf dem Programm. Zudem führt der Parcours in der letzten Woche an zwei aufeinanderfolgenden Tagen die 21 Haarnadelkurven hinauf zur legendären Alpe d’Huez – das bedeutet ultimative Strapazen für die Rennfahrer und beste Unterhaltung für die Fans, die in grossen Massen am Strassenrand mitfiebern. Ein weiterer Höhepunkt im wahrsten Sinn ist der 2115 Meter hohe Col du Tourmalet, der schon zum 87. Mal in der Rundfahrt integriert ist. Das Dach der Tour liegt einmal mehr auf dem Col du Galibier – 2642 Meter über dem Meeresspiegel, wenn die Luft langsam aber sicher dünn wird.
Vier Schweizer am Start
Insgesamt nehmen 23 Teams mit 184 Fahrern das Rennen in Angriff – darunter mit Silvan Dillier, Mauro Schmid, Marc Hirschi und Yannis Voisard vier Schweizer. Dillier ist als Helfer von Mathieu van der Poel eingeplant, Schmid dürfte vor allem in den hügeligen Teilstücken versuchen, einen Coup zu landen und eine Etappe zu gewinnen. Ein Etappensieg ist natürlich auch das Ziel des Schweizer Tudor-Teams, in dessen Aufgebot mit Voisard als Tour-Rookie und Hirschi, der vor sechs Jahren für den letzten Schweizer Etappensieg gesorgt hat, zwei einheimische Fahrer figurieren.
Während die Schweizer ihre Chance packen wollen, wenn sie sich bietet, stehen mit Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard zwei ganz grosse Namen im Rampenlicht. Der Slowene und der Däne sind aktuell die weltbesten Rundfahrtenspezialisten und haben in den letzten sechs Jahren die Tour-Siege unter sich aufgeteilt: Pogacar gewann 2020, 2021, 2024 und 2025 – Vingegaard 2022 und 2023. Und auch 2026 dürfte am Ende einer der beiden ganz oben stehen, auch wenn beispielsweise Frankreich auf den 19-jährigen Paul Seixa hofft und das Team Red Bull-Bora-Hansgrohe mit der starken Doppelspitze Remco Evenepoel und Florian Lipowitz antritt.
Am heissesten ist aber Superstar Tadej Pogacar, der bereits im Frühjahr die Gegner in Grund und Boden fuhr und mit Mailand–Sanremo, der Flandernrundfahrt und Lüttich–Bastogne–Lüttich drei Monumente für sich entschied und danach seine ganze Klasse auch in der Schweiz bewies, als er souverän die Tour de Romandie und die Tour de Suisse gewann.
Selbstbewusster Vingegaard
Vingegaard siegte bei Paris–Nizza und der Katalonien-Rundfahrt, ehe er erstmals am Giro d’Italia triumphierte und geht entsprechend optimistisch ins Rennen. «Ich fühle mich besser, stärker und glücklicher», sagte der Däne auf einer Pressekonferenz in Barcelona. Bislang habe er eine sehr gute Saison hinter sich, er habe es genossen, dieses Jahr etwas mehr Rennen zu fahren als im letzten Jahr, so Vingegaard, der auch erklärte, dass er sich bei seinem Giro-Sieg nicht völlig verausgaben musste und nun das Giro-Tour-Double anpeilt, das zuletzt seinem Rivalen Pogacar 2024 gelungen war.
«Ich glaube, Tadej ist wahrscheinlich der beste Fahrer, den es je im Peloton gegeben hat. Ihn bereits abgehängt zu haben, ist etwas Unglaubliches, worauf ich sehr stolz bin», sagte nun Vingegaard, der 2022 und 2023 vor Pogacar gewann. Und: «Es motiviert mich, das noch einmal zu schaffen – und zwar in diesem Jahr.»
Pogacar bald Rekordsieger?
Tadej Pogacar will bei der Tour de France dagegen in den Kreis der Rekordsieger aufsteigen. Erst vier Fahrer haben die Tour de France fünfmal gewonnen: Jacques Anquetil, Bernard Hinault, Miguel Indurain und Eddy Merckx – Lance Armstrong wurden seine sieben Titel bekanntermassen aufgrund Dopings aberkannt.
«Ich fühle mich toll», sagte Pogacar, der an der Tour de France nicht nur vier Mal den Gesamtsieg gefeiert hat, sondern auch 21 Etappen für sich entscheiden konnte. Es sind vier Worte, die in den Ohren von Vingegaard und den anderen Fahrern wie eine Drohung klingen müssen.