Sein frühes Karriereende ist kein Zeichen des Scheiterns, sondern ein bewusster Schritt für ein Leben jenseits von Verletzungen, Reha und Dauerdruck. Eine Entscheidung, die aufhorchen lässt – und Respekt verdient, wie Sky Sport Reporter Jesco von Eichmann findet.
Niklas Süle beendet im Alter von 30 Jahren seine Karriere. Eine Nachricht, die in der auf Leistungssteigerung getrimmten Fussballwelt zunächst aufhorchen lässt. Doch wer genauer hinhört, erkennt: Dieser Schritt ist kein Aufgeben, sondern eine seltene und bemerkenswerte Konsequenz.
Süle war nie der klassische Profisportler, der sein gesamtes Leben bedingungslos dem Fussball und dem Profisein untergeordnet hat. Er hat sich gerne auf sein Talent verlassen , wie er im Rückblick selber zugibt. Und das reicht immerhin für beeindruckende 15 Titel auf Vereinsebene.
Dennoch fehlte oft jene unerbittliche Verbissenheit, die Hochleistungssportler mitbringen müssen. Wenn der Wettkampf nicht den höchsten Stellenwert im Leben einnimmt, wird der tägliche Kampf um Motivation, Disziplin und körperliche Fitness auf Dauer zu einer mentalen Zerreissprobe.
Süle entscheidet sich für die Gesundheit
Die blosse Aussicht auf einen möglichen dritten Kreuzbandriss und eine weitere anstrengende Reha war am Ende lauter als der Applaus im Stadion. Süle zieht die Reissleine, bevor der Sport seinen Körper und seine Lebensfreude endgültig aufzehrt. Die Entscheidung fällt FÜR die Gesundheit, für das Golfspielen und für das unbeschwerte Toben mit den Kindern im Garten - kurzum: für das Leben abseits des Dauerdrucks im Profileben.
Dass jemand mit derart herausragenden sportlichen Anlagen mental nicht für die Entbehrungen des Profisports gemacht ist, mag manch einen Beobachter enttäuschen. Schlimm ist es jedoch keineswegs. Es zeugt eher von charakterlicher Reife, die eigenen Grenzen ehrlich einzuschätzen und den Mut aufzubringen, rechtzeitig einen Schlussstrich zu ziehen, um am Ende zufrieden in den Spiegel schauen zu können.
Der deutsche Fussball verliert einen begnadeten Verteidiger. Der Mensch Niklas Süle aber gewinnt seine Freiheit.
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