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Sky Sport exklusiv || "Merlin fühlt diesen Klub"

HSV-Boss Dr. Eric Huwer im exklusiven Sky Sport Interview über Costa, Kühne, Kuntz, Krüger und einen neuen Vertrag für Polzin.

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Betreuer Ramiro Guerron (l.), Merlin Polzin (M.) und Co-Trainer Loic Fave feiern den Sieg gegen Eintracht Frankfurt. © Imago

HSV-Boss Dr. Eric Huwer im exklusiven Sky Sport Interview über Costa, Kühne, Kuntz, Krüger und einen neuen Vertrag für Polzin.

Sky Sport: Herr Huwer, eine Leitlinie des HSV vor der Saison war: Wir wollen ein anderer HSV sein als vor sieben Jahren beim Abstieg. In welchen Bereichen ist der Verein diesem Anspruch gerecht geworden?

Eric Huwer: "In ganz vielen Bereichen. Wir sind damals als ein Klub abgestiegen, der für Chaos stand, für viele Wechsel in der Personalstruktur, für Unruhe und fehlende Stabilität. Wir wollten wieder ein verlässlicher, hanseatischer und demütiger Klub werden.

Heute bekommen wir gespiegelt, dass wir genau das geworden sind. Der HSV wird als Bereicherung für die Bundesliga wahrgenommen. Wir haben die reiselustigsten Fans, die meisten Auswärtsfahrer, und wir haben erstmals seit dreizehn Jahren frühzeitig Planungssicherheit geschaffen.

Vor allem aber schaffen wir es inzwischen, Haltung zu zeigen - nach aussen wie nach innen. Ambitionen und Demut sowie Bodenständigkeit schliessen sich nicht aus. Wir wollen mehr Wirkung durch Haltung entfachen als durch blosse mediale Inszenierung."

Dr. Eric Huwer im exklusiven Interview mit Sky Sport.
Image: Dr. Eric Huwer im exklusiven Interview mit Sky Sport.

Sky Sport: Wo sind Sie trotz der positiven Entwicklung hinter Ihren eigenen Erwartungen geblieben?

Huwer: "In unserem strategischen Setup haben wir viele Ziele früher erreicht als geplant - beispielsweise im kommerziellen Bereich oder bei der Entwicklung von Kaderwerten.

Etwas anders hatten wir uns die Situation beim Frauen-Team vorgestellt. Ein Trainerwechsel ist immer auch ein Indiz, dass es nicht komplett wie gewünscht gelaufen ist. Wir hätten die Saison gerne in der Konstellation beendet, aber unsere Ambition stand im Vordergrund.

Bei den Männern dürfen wir mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden sein. Trotzdem werden wir nach Saisonende eine ehrliche und seriöse Analyse durchführen. Wir werden sehr genau benennen, was gut lief - aber auch, wo wir besser werden müssen."

Sky Sport: Der Vorgang um Stefan Kuntz war ein sensibles Thema. Wie bewerten Sie rückblickend den Umgang des Vereins mit dem Fall?

Huwer: "Ich habe den Umgang aller Beteiligten als sehr professionell empfunden. Der dunkle Fleck waren nicht die handelnden Personen, sondern die Vorwürfe, die im Raum standen. Gerade angesichts dieser Thematik fand ich den Umgang des Aufsichtsrates ausgesprochen klar, professionell und haltungsstark."

Sky Sport: Gibt es Kontakt zu Kuntz? Hat er zum Klassenerhalt gratuliert?

Huwer: "Nein, hat er nicht. Aber das nehme ich ihm auch gar nicht krumm.

Und eins darf man auch nicht vergessen: Stefan hat das erste halbe Jahr in der Bundesliga mitgeprägt und hat daher am sportlichen Erfolg auch einen Anteil."

Sky Sport: Wie gross ist die Vorfreude auf die mögliche Zusammenarbeit mit Kathleen Krüger?

Huwer: "Noch ist nichts offiziell unterschrieben. Falls es Kathleen werden sollte, kann ich sagen: Sie ist ein sehr sympathischer und aufgeschlossener Mensch mit grosser fachlicher Kompetenz.

Über inhaltliche Persönlichkeiten können wir uns beim HSV immer freuen. Deshalb gilt grundsätzlich: Moin und herzlich willkommen im Volkspark."

Sky Sport: Wäre ein Alleinvorstand für Sie weiterhin denkbar gewesen oder halten Sie mehrere Schultern für die bessere Lösung?

Huwer: "Ob eine Konstellation ideal ist, kann man immer erst nach einigen Jahren beurteilen. Es gibt nicht die eine perfekte Struktur. Entscheidend sind die Menschen.

Wir haben beim HSV ohnehin nicht nur ein Gehirn oder ein Gesicht - sondern viele. Merlin Polzin und sein Trainerteam leisten hervorragende Arbeit. Claus Costa hat eine anspruchsvolle Transferphase sehr erfolgreich gestaltet.

Wichtig war, dass der Aufsichtsrat in Ruhe die beste Lösung am Markt prüfen konnte. Der Prozess war professionell und diskret. Und dass der Name so spät rausgekommen ist, steht sicher auch für den neuen HSV."

Sky Sport: Was beeindruckt Sie an Merlin Polzin besonders?

Huwer: "Wie kaum ein anderer verkörpert Merlin den Schulterschluss zwischen Mannschaft, Geschäftsstelle, Fans und Stadt. In seinem jungen Alter fühlt er diesen Klub aussergewöhnlich.

Er versteht, was in welchem Moment notwendig ist - emotional, kommunikativ und sportlich. Dazu kommen seine enorme Professionalität, seine Klarheit und seine permanente Gier, besser zu werden.

Mich interessiert immer besonders, wie Menschen unter Druck reagieren. Nach Rückschlägen oder Derby-Niederlagen war bei Merlin eine beeindruckende Klarheit zu erkennen. Er führt nicht über Phrasen oder Erfahrung, sondern über maximale Inhaltlichkeit."

Sky Sport: Drei Hamburger Jungs im Trainerteam - hat das nicht auch etwas von Fussballromantik?

Huwer: "So habe ich das ehrlich gesagt nie gesehen. Das ist keine Romantik, sondern harte Arbeit. Alle drei sind extrem fleissig und wollen permanent den nächsten Schritt machen.

Dabei darf man aber nicht vergessen: Hinter diesem Erfolg steht ein viel grösseres Team. Die gesamte Geschäftsstelle hat in den vergangenen Jahren enorme Resilienz gezeigt. Das ist jetzt auch der Lohn dieser Arbeit."

Sky Sport: Spricht etwas gegen eine vorzeitige Verlängerung mit Merlin Polzin und seinem Team?

Huwer: "Der Vertrag läuft aktuell bis 2027. Wir wissen beide sehr genau, was wir aneinander haben. Und ich kann nach vielen Jahren beim HSV gut einschätzen, welche Konstellationen funktionieren.

Mit dieser sind wir sehr zufrieden. Dieses Konstrukt wollen wir maximal beschützen und gleichzeitig weiterentwickeln. Aber jetzt stehen erst einmal die letzten Saisonspiele und weitere strukturelle Themen an."

Sky Sport: Wie bewerten Sie die Arbeit von Sportdirektor Claus Costa?

Huwer: "Claus versteht den Klub zu 100 Prozent. Was er in diesem Jahr geleistet hat, war aussergewöhnlich.

Wir haben nicht nur den Kader stark verändert, sondern auch die gesamte Spielidee umgebaut. Das Trainerteam hat einen klaren Anforderungskatalog formuliert - und Claus hat gemeinsam mit seinem Team dafür die passenden Spieler gefunden.

Wenn man 16 oder 17 Transfers tätigt und dabei eine so hohe Trefferquote erzielt, ist das bemerkenswert.

Natürlich sprechen viele über Luka Vuskovic oder Fabio Vera. Aber man muss auch die anderen Transfers würdigen.

Capaldo ist zum absoluten Leader geworden. Remberg ist für mich ein echter Königstransfer - sportlich wie menschlich. Jordan Torunarigha hat eine enorme Entwicklung genommen.

Da waren viele sehr smarte Entscheidungen dabei."

Sky Sport: Wie viel wirtschaftliches Risiko ist nötig, um dauerhaft konkurrenzfähig zu bleiben?

Huwer: "Unsere Ausgangslage ist deutlich besser als vor einem Jahr. Gleichzeitig gilt für uns ganz klar: wirtschaftliche Ambition ja - aber in einem gesunden Setup. Es gibt viele Parallelen bei meiner Doppelrolle als Gremienvertreter bei der DFL und als HSV-Vorstand. Ich finde aktuell die Debatte sehr begrüssenswert, dass wir uns alle in aller Deutlichkeit zu 50+1 bekennen.

Wir wollen nicht mit der Premier League konkurrieren, wo jedes Jahr Milliardenverluste entstehen, die über Investoren querfinanziert werden. Wir wollen organisch wachsen und nur das ausgeben, was wir selbst erwirtschaften.

Das ist unser Weg - selbstbestimmt und nachhaltig. In diesem gesunden Setup werden wir im anstehenden Transfer-Sommer sicher noch ein bisschen mehr Beinfreiheit generieren."

Sky Sport: Gibt es kreative Gedankenspiele, wie Sie Luka Vuskovic gegen alle Erwartungen ein weiteres Jahr beim HSV halten können??

Huwer: "Natürlich denken wir darüber nach. Aber aktuell gibt es keine entsprechenden Signale. Wenn sich irgendwann eine Möglichkeit ergeben sollte, werden wir alles Menschenmögliche versuchen.

Allein die Vorstellung, dass Luka gemeinsam mit seinem Bruder Mario im Volksparkstadion aufläuft, ist etwas ganz Besonderes."

Sky Sport: Wie gross ist die Vorfreude auf die Rückkehr von Mario Vuskovic?

Huwer: "Enorm. Ich bekomme Gänsehaut bei dem Gedanken, dass Mario mit der Nummer 44 wieder im Volksparkstadion einläuft.

Was dann hier los sein wird, dürfte etwas ganz Besonderes werden. Ob er direkt wieder sein altes Leistungsniveau erreicht, müssen wir sehen. Wenn es jemand schaffen kann, dann ein Vuskovic. Sein Personal Trainer hat gesagt, er sei fitter denn je."

Sky Sport: Sie haben die Reiselust der HSV-Fans gelobt. Wie irritiert oder verärgert waren Sie angesichts der Zerstörungen die HSV-Anhänger unlängst in Bremen hinterlassen haben?

Huwer: "Für die Geschehnisse nach Abpfiff habe ich überhaupt kein Verständnis. Das hat nichts mit Fankultur zu tun. Hier sprechen wir über konkrete Gefährdung. Das ist eine klare Grenzüberschreitung. Das klare Statement des Supporters Clubs war wichtig und richtig. Solche Bilder wollen wir beim HSV nicht sehen."

Sky Sport: Das Stadionerlebnis soll und muss verbessert werden - hauptsächlich finanziert durch den „Supporters Trust". Welche Vorteile bringt das Projekt mit sich?

Huwer: "Der Supporters Trust ist ein einzigartiges Projekt im deutschen Profifussball. Mitglieder können sich direkt am Club beteiligen.

Damit wird aus Emotionalität Verantwortung. Wir gestalten unsere Zukunft selbst - und beschleunigen gleichzeitig wichtige Projekte wie den Stadionausbau.

Dass bereits am Gründungstag ein Commitment von 1,5 Millionen Euro möglich war, macht mich unglaublich stolz."

Sky Sport: Wie ist aktuell Ihr Verhältnis zu Klaus-Michael Kühne?

Huwer: "Wir stehen im Austausch, zuletzt per E-Mail. Herr Kühne hat den HSV in schwierigen Zeiten unterstützt, dafür sind wir ihm zu Dank verpflichtet.

Aber der neue HSV möchte aus eigener Stärke wachsen - organisch, selbstbestimmt und nachhaltig. Das ist für mich ein zentraler Punkt."

Sky Sport: Sie stehen seit Beginn des Jahres alleinverantwortlich an der Spitze eines Bundesliga-Klubs. Was haben die vergangenen Monate mit Ihnen persönlich gemacht?

Huwer: "Die Bundesliga hat unglaublich viel Spass gemacht. Aber vor allem habe ich gemerkt, wie sehr ich mich auf meine Kolleginnen und Kollegen verlassen kann.

Privat ist das alles natürlich auch eine Herausforderung. Ich bin Vater eines kleinen Sohnes - und gerade in den vergangenen sechs Monaten hat man schon gemerkt, dass die Balance zwischen Beruf und Familie nicht immer einfach ist.

Umso grösser ist mein Respekt vor allen Eltern, die das tagtäglich meistern."

Mehr zum Autor Sven Töllner

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