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Schweiz-Gegner Kanada hat Grosses vor

Keystonr

Co-Gastgeber Kanada ist an der WM der letzte Schweizer Gruppengegner. Die "Roten" wollen die einmalige Chance auf der Weltbühne nutzen.

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Alphonso Davies (rechts) und Jonathan David führen Kanadas Nationalteam auch der Heim-WM an © KEYSTONE/AP The Canadian Press/NATHAN DENETTE

Vor vier Jahren in Katar kehrte Kanada auf die grosse Fussballbühne zurück - 36 Jahre nach der zuvor einzigen WM-Teilnahme 1986 in Mexiko. Angeführt von zwei Stars, die in Europa brillierten - Alphonso Davies von Bayern München und Jonathan David, damals bei Lille tätig - sahen sich die Spieler mit dem Ahornblatt als viel versprechende Aussenseiter.

Die Gruppe mit zwei alternden Teams (Belgien und Kroatien) und dem noch kaum bekannten Marokko schien eine gute Gelegenheit. Doch das Erwachen war hart und brutal. Kanada zahlte den Preis für seine Unerfahrenheit auf diesem Niveau und fuhr wie 1986 mit drei Niederlagen und ohne einen Punkt nach Hause.

Diesmal sind die Voraussetzungen auf das erstmalige Überstehen der Gruppenphase deutlich besser, zumal auch ein dritter Gruppenplatz für das Erreichen der Sechzehntelfinals reichen könnte. Als Co-Gastgeber wurde Kanada als Gruppenkopf gesetzt. Gegen Bosnien-Herzegowina, Katar und zum Abschluss in Vancouver die Schweiz sollte das Minimalziel drinliegen.

Damit wollen sich die Kanadier aber nicht begnügen. Für den amerikanischen Trainer Jesse Marsch, in Europa vor allem aus seiner Zeit bei Salzburg, Leipzig und Leeds bekannt, ist die Ambition klar: "Wir wollen den Gruppensieg." Für ein Team, das an einer WM-Endrunde noch nie einen Punkt geholt habe, möge das weit hergeholt klingen. "Aber das ist unsere Einstellung", sagte Marsch im März in einem Interview mit der Website "GiveMeSport".

Marsch hat den Posten als Nationaltrainer im Mai 2024 übernommen und den stetigen Aufstieg Kanadas weitergeführt. Er führte die "Roten" in die Halbfinals der Copa America, wo man erst am Weltmeister und späteren Sieger Argentinien scheiterte. In der Weltrangliste verbesserte sich das Team von Platz 122 in die Top 30.

Der ehemalige US-Internationale Marsch kommt aus der Red-Bull-Schule und ist ein vehementer Verfechter des ultra-aggressiven Pressings und des schnellen und direkten Spiels nach vorne. In Kanada sind sie derart überzeugt von seiner Philosophie, dass der Vertrag vorzeitig bis 2030 verlängert wurde. "Jesse Marsch engagiert sich weit mehr, als dies zu den Aufgaben eines Nationaltrainers gehört", erklärten die Zuständigen des Verbandes Soccer Canada den mutigen Schritt. "Er besucht auch regelmässig lokale Klubs, um dort seine Philosophie zu erklären."

Es mag erstaunen, aber im Land, in dem Eishockey der unangefochtene König ist, ist in Wahrheit Fussball der meistpraktizierte Sport. Eine Million Lizenzierte gibt es, und der Verband hofft, dass die dreizehn auf kanadischem Boden ausgetragenen WM-Spiele weitere, vor allem junge Leute in den nächsten Jahren zum Fussball bringen werden.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings. Keiner der beiden Austragungsorte (neben Vancouver ist dies Toronto) liegt im französischsprachigen Québec, wo immerhin fast ein Viertel der kanadischen Bevölkerung lebt. Montreal zog seine Bewerbung 2021 aus finanziellen Gründen zurück.

Ein Bericht des öffentlich-rechtlichen Senders Radio Canada vom letzten April legte dar, dass die FIFA die Absage oder Verschiebung sämtlicher Sport- und Kulturveranstaltungen bereits eine Woche vor WM-Beginn verlangte. Darunter wäre der Formel-1-Grand-Prix in Montreal gewesen. Ausserdem führte die Provinzregierung von Québec die aus ihrer Sicht "exorbitanten" Kosten von ein bis zwei Milliarden ins Feld, die aus ihrer Sicht nicht wieder hereingeholt werden könnten. So bleibt der französischsprachige Teil Kanadas und Nordamerikas bei dieser WM aussen vor.

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