SLO vs. Yverdon im Cupfinal? Es wäre der Tiefpunkt einer verkorksten Saison
Stade Lausanne-Ouchy vs. GC und Yverdon-Sport vs. St. Gallen lauten die beiden Cup-Halbfinal-Duelle von diesem Wochenende. Zweimal Tradition und Super League auf der einen Seite, zwei kleine Vertreter aus der Challenge League auf der anderen. Doch was, wenn sich die beiden Aussenseiter durchsetzen sollten? Dann käme es am Pfingstsonntag zum irgendwie passenden Schlusspunkt einer ziemlich ernüchternden Schweizer Fussball-Saison.
Fussballmärchen mit Haken
Ein modernes Fussballmärchen? Gewiss. Die grösste Sensation im europäischen Klubfussball in diesem Jahrtausend? Möglicherweise. Fakt ist: Dass der FC Thun vielleicht schon am nächsten Wochenende Schweizer Meister wird, hätten vergangenen Sommer nicht einmal die Thuner Verantwortlichen selbst für möglich gehalten. Schliesslich hatte man gerade erst den Aufstieg aus der Challenge League realisiert und natürlich gab es da auch eine bald 130-jährige Geschichte, die besagte: Meister wird Irgendjemand, aber sicher nicht der FC Thun. Aber genau so wird es irgendwann in den nächsten Wochen kommen, was einer absoluten Sensation gleichkommt und der Brack Super League unerwartet viel internationale Beachtung bescherte. Bei genauerem Hinsehen muss man allerdings auch festhalten: So richtig toll ist und war diese Saison nicht, zumindest, was den Gehalt der sportlichen Darbietungen anbelangt. Nicht in Bern und Basel, wo die beiden Aushängeschilder der Liga in erster Linie mit sich selbst beschäftigt sind. Und nicht in Genf oder Zürich, wo die dort ansässigen Traditionsklubs kaum ein Bein vors andere bringen. Klar, da gibt es den FC St. Gallen, Cup-Halbfinalist und aktueller Tabellenzweiter, aber auch der muss sich im Endeffekt fragen, ob die aktuelle Saison nicht doch eher einer verpassten Chance gleichkommt, wenn man sich vom kleinen FC Thun überrumpeln lässt. Insofern könnte die schöne Geschichte aus dem Berner Oberland schon bald in einem harten internationalen Erwachen münden. Nämlich dann, wenn unsere SL-Vertreter im europäischen Vergleich wie zuletzt nur ganz wenig zu bestellen haben.
Allons en Europe?
Wobei: Vielleicht wird die Schweiz in der kommenden Spielzeit ja zumindest in einem Wettbewerb von einem Vertreter aus der Challenge League vertreten. Und zwar in der Europa League, oder in deren Qualifikationsphase, in welcher der Cupsieger 2026 in der 1. Qualifikationsrunde debütieren wird. Europa League mit dem Yverdon-Sport FC oder dem FC Stade Lausanne-Ouchy, zwei Kleinklubs aus der Romandie, mit einer entsprechenden Stadionsituation und einer Fanbasis, die selbst mit viel Goodwill nur als bescheiden bezeichnet werden kann? Nun gut, zumindest die durchschnittlich 2‘770 Fans in Yverdon oder die rund 2‘519 Zuschauer:innen in Lausanne, welche zuletzt in der Super League die Spiele der aktuellen Challengeligisten (wo es noch 1‘524 und 622 Matchbesucher:innen sind) besuchen, würde es freuen. Und natürlich soll eine sehr kleine Fanbasis kein Disqualifikationskriterium für eine sportlich erkämpfte Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb sein. Jedoch löst die Vorstellung, dass Yverdon und Stade-Lausanne am Pfingstsonntag in einem maximal halbvollen Wankdorfstadion den Cupsieg untereinander ausmachen könnten, zumindest bei diesem Autor keine Begeisterungsschübe aus. Es wäre eine Affiche, die der Tatsache, dass im Schweizer Klubfussball in diesem Jahr an vielen Orten ungenügend gearbeitet wurde, ein maximales Schaufenster bieten würde.
GC und St. Gallen als Hoffnungsträger
Da befasse ich mich doch lieber mit dem Gedanken, dass die Saison 2026 eigentlich auch mit einem Cupfinal zu Ende gehen könnte, der zumindest auf dem Papier einiges verspricht. Mit einer Partie dem FC St. Gallen und GC, einem Duell zwischen dem ältesten Fussballklub des europäischen Festlandes (seit 1879) und dem Schweizer Rekordmeister (27 Titel) und Rekordcupsieger (19 Titel). Zwar garantieren auch der FCSG und die Hoppers (speziell sie) keinen begeisternden Fussball, aber sie verfügen beide immerhin über das Renommee und Fan-Potential, um dem 101. Cupfinal einen würdigen Rahmen zu bescheren. Insbesondere, da der Titelhunger nach mindestens 13 titellosen Jahren (bei GC, 26 Jahre bei St. Gallen) bei beiden Klubs und ihren Fanlagern maximal sein dürfte. Deshalb müsste alleine die Aussicht, wieder einmal in einem grossen Spiel mit dabei sein zu können, auf Seiten der Superligisten Ansporn genug sein, um ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden – und das unabhängig von externen Faktoren wie hochmotivierten Gegnern, bescheidenen Plätzen und der schwierigen sportlichen Situation bei GC. Und wenn nicht? Droht der Schweiz in zumindest einem Fall ein europäischer Vertreter, der kaum dazu in der Lage sein dürfte, nur schon in den Qualifikationsrunden einige UEFA-Koeffizient-Punkte zu sammeln. Es wäre die Quittung für eine Super League, die zwar unendlich viele Geschichten und Emotionen liefert, dafür aber im sportlichen Wettbewerb zuletzt nicht mehr jene Qualität auf den Platz brachte, die es braucht, um sich im europäischen Mittelfeld zu behaupten.