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Versagen Arsenal auf der Zielgeraden die Nerven? Zwei Meinungen!

Im Norden Londons überkommt die Menschen wieder einmal ein vertrautes, etwas mulmiges Gefühl. Wieder einmal winkt dem FC Arsenal die Chance, in den kommenden Wochen Historisches zu erreichen – doch genau jetzt, scheinen die Gunners unter der Last der Möglichkeit zu schwächeln. Verspielen die einstigen «Invincibles» abermals auf der Zielgeraden den Titel? Unsere Redaktoren Andy Maschek und Patrick Y. Fischer sind sich nicht einig.

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Steht Pep Guardiola mit Manchester City seinem einstigen Assistenten Mikel Arteta und Arsenal auch in dieser Saison vor der Sonne? © IMAGO / Shutterstock

Andy Maschek sagt: Ja

22 Jahre ist es her, seit die Gunners letztmals englischer Meister wurden. Seither waren die Ambitionen regelmässig hoch und die Titelträume gross, doch zu mehr als fünf Vizemeisterschaften hat es nicht gereicht. Zuletzt gab es dreimal in Folge den zweiten Platz, zweimal hinter Manchester City, einmal hinter Liverpool. Und nun droht erneut dieses (Horror-)Szenario.

Arsenal ist zwar seit Mitte Oktober Leader in der Premier League und hatte zwischenzeitlich auch einen beruhigenden Vorsprung. Doch zuletzt stotterte der Motor bedenklich. Es gab Niederlagen gegen Bournemouth (Meisterschaft), Southampton (FA Cup) und Manchester City (EFL Cup) und so droht statt einer Titelherrlichkeit plötzlich eine Saison ohne Krönung, auch wenn Mikel Arteta und sein Team in der Champions League die Halbfinals erreichten, wo nun die nächste Hürde Atlético ist und in einem allfälligen Final mit Bayern München oder Titelverteidiger Paris Saint-Germain ein weiteres europäisches Schwergewicht warten würde.

Denn das Polster ist in der Meisterschaft dünn. Sechs Runden vor Schluss liegen die Gunners sechs Punkte vor Manchester City. Doch das Team von Pep Guardiola hat ein Spiel weniger absolviert und kann am Sonntag mit einem Sieg im Direktduell nach Verlustpunkten gleichziehen. Damit ist auch klar: Arsenal, das in den letzten Wochen wegen der Spielweise und der vielen Tore nach Standardsituationen in der Kritik war, steht unter Druck. Natürlich, ein Sieg würde eine grosse Last nehmen und für rosige Perspektiven sorgen. Eine Niederlage würde das Team aber ganz sicher in den Zitter-Modus versetzen.

Wie fragil die Situation bei den Gunners aktuell ist, zeigt sich auch darin, dass bereits darüber spekuliert wird, dass Arteta seinen Job verlieren wird, wenn er in dieser Saison keinen Titel gewinnt. Nach den dürftigen Leistungen im Champions League-Viertelfinal gegen Sporting Lissabon verteidigte er sein Team, indem er darauf hinwies, dass die englische Liga und dieser Spielplan bis zum Äussersten und dass es sehr schwierig sei, «das zu schaffen, was wir geschafft haben».

So weit, so gut. Wenn der Spanier mit seinem Team den Meistertitel oder die Königsklasse gewinnt, wird rückblickend der Zweck die Mittel heiligen. Doch ich zweifle daran, dass es so weit kommt. In der Champions League sind die drei anderen Halbfinalisten in meinen Augen stärker. Und im nationalen Titelrennen setze ich auf Manchester. Die Citizens sind breiter aufgestellt als die Gunners und haben mit Erling Haaland einen Stürmer der Extraklasse und mit Gianluigi Donnarumma einen überragenden Torhüter. Es sind beides Schlüsselpositionen. Zudem weiss die Mannschaft, wie man Titel gewinnt und hat immer wieder auch in entscheidenden Spielen Muskeln gezeigt und Nervenstärke bewiesen. 

Und vor allem ist Lehrmeister Pep Guardiola nach wie vor der bessere Coach und verfügt über eine ganz andere Aura als sein einstiger Assistenztrainer Mikel Arteta, der zwar mit Guardiola zweimal englischer Meister wurde, aber als Chef auf den ersten Titel wartet – und das weiterhin tun wird.

Patrick Y. Fischer sagt: Nein

32 Spiele, 70 Punkte und Rang 1 in der Premier League. Parallel dazu der Einzug ins Champions-League-Halbfinale am Mittwochabend. Und trotzdem mehren sich rund um den Londoner Traditionsverein die Stimmen, die einen erneuten Kollaps des Teams von Mikael Arteta im Meisterschaftsendspurt befürchten. Aber warum eigentlich? Zum einen, weil man von den letzten fünf (wettbewerbsübergreifenden) Partien nur eine einzige gewinnen konnte. Vor allem aber: Weil man es zuletzt drei Mal in Folge nicht schaffte, eben nicht als «ehrenvoller» Zweiter die Ziellinie zu überqueren.

Und gewiss: Speziell die Erinnerungen an die Spielzeit 2022/23, als Arsenal nach 30 Spieltagen wie der kommende Meister aussah, nur um dann auf der Zielgeraden einzubrechen (acht Spiele, elf Punkte), dürften Spieler, Staff und Fans der Gunners noch heute schmerzen. Der grosse Gegner damals wie heute: Manchester City. Doch anstatt mit den Citizens, sollten sich Arteta & Co. vielleicht ganz einfach mit der Vergangenheit eines Teams befassen, das einst genauso wie die aktuelle Ausgabe des Arsenal Football Club erst lernen musste ein Champion zu werden. Die «Invincibles» von 2003/04, die in den fünf Jahren zuvor gleich viermal knapp am Titel vorbeischrammten.

Denn rein rational betrachtet gibt es nicht viele Gründe, die 22 Jahre später gegen einen Meister aus Nordlondon sprechen. Denn da gibt es einmal die Reife des Kaders, der in den vergangenen vier Spielzeiten gemeinsam gewachsen ist und an Erfahrung und Qualität gewonnen hat. Zum Beispiel in der Defensive, der besten der Premier League (erst 24 Gegentore), rund um das Innenverteidiger-Duo Saliba/Gabriel. Im Mittelfeld rund um Stabilisator Declan Rice und den womöglich am Wochenende wieder fitten Captain Martin Odegaard. Und natürlich auch im Angriff, in dem Arteta nach den Zuzügen von Viktor Gyökeres (total 18 Saisontore) und Eberechi Eze (total 9 Saisontore) mittlerweile über ein ganzes Arsenal (Achtung Wortspiel) an Offensivkraft (Bukayo Sako und Kai Havertz sind auch noch da) verfügt. Warum also, sollte es in diesem Jahr mit dem Titel erneut nicht klappen?

Vielleicht, weil die Gunners mental noch immer nicht stark genug sind, um den schwierigen finalen Schritt vom Titelanwärter zum Champion zu vollziehen. Oder vielleicht, weil sie sich zu stark mit der jüngeren Vergangenheit beschäftigen und schlussendlich unter dem Druck der Erfahrungen der vergangenen Spielzeiten zerbrechen. Dabei muss sich Arsenal eigentlich nur eine Gewissheit vor Augen halten: Zu verlieren haben Arteta & Co. in der aktuellen Tabellenkonstellation noch gar nichts. Im Gegenteil: Ein Sieg im Direktduell mit City – und die Rückschläge der vergangenen Wochen können mit einem Schlag in den Hintergrund gedrängt werden. In diesem Sinn können die Gunners am Wochenende ganz viel gewinnen – ein Spiel, drei Punkte und vor allem die Gewissheit, sich auch zur Crunchtime dem grössten Widersacher widersetzen zu können. Genau so, wie das Champions eben zu tun pflegen.

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