"Unsere Leistung bestimmt das Resultat"
Die Schweizer Handballer streben die erste WM-Qualifikation aus eigener Kraft seit 1995 an. Gegner im Playoff ist Italien, das in den letzten Jahren ebenfalls grosse Fortschritte gemacht hat.
Das Hinspiel findet am Mittwoch um 19.00 Uhr im Zürcher Hallenstadion statt. Zwar waren die Schweizer an den Weltmeisterschaften 2021 und 2025 dabei, allerdings rückten sie vor fünf Jahren kurzfristig für die USA (zahlreiche Corona-Fälle im Team) nach, und im vergangenen Jahr profitierten sie von einer Wildcard. Sollten sie diesmal die Qualifikation verpassen, wäre das eine herbe Enttäuschung, auch wenn die Italiener nicht zu unterschätzen sind.
Vor einem Jahr nahmen die Südeuropäer zum ersten Mal überhaupt an einer WM teil und erreichten direkt die Hauptrunde. Auch an der diesjährigen EM waren die Italiener vertreten und bezwangen Polen (29:28). Trainiert wird das Team von Bob Hanning - von 2013 bis 2021 Vizepräsident des Deutschen Handballbundes -, der sein Schweizer Gegenüber Andy Schmid aus seiner zwölfjährigen Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen bestens kennt. Die beiden haben immer wieder Kontakt miteinander.
"Er hat schon etwas auf dem Kasten und wird sich sicher etwas einfallen lassen", sagt Schmid im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. "Im europäischen Handball gibt es fast keine Selbstläufer mehr, das hat nichts mit Understatement zu tun, sondern ist ein Fakt." Er betont aber: "Es gibt Gegner, da bestimmt unsere Leistung das Resultat, da gewinnen wir, wenn wir unser Potenzial abrufen." Und einer solcher ist Italien. Nicht umsonst war die Schweiz in der Playoff-Auslosung im besseren Topf gesetzt.
Schmid kann bis auf Luka Maros aus dem Vollen schöpfen. Allerdings hat Nikola Portner, der Magdeburg Ende Saison verlässt, seit den Länderspielen Mitte März in Kroatien keine Partie mehr bestritten. Er spielt beim designierten deutschen Meister keine Rolle mehr. Zudem erhielt der ebenfalls bei Magdeburg tätige Regisseur Manuel Zehnder kaum Einsatzzeit.
Dafür beeindruckt Felix Aellen in seiner ersten Saison in Deutschland bei Eisenach. Der Spielmacher nimmt in der Torschützenliste mit 164 Toren in 30 Partien den 13. Rang ein und hat eine Erfolgsquote von 67,49 Prozent. "Er macht seinen Weg, nun geht es darum, dass er bei uns noch mehr zu einer Leaderfigur wird", sagt Schmid.
Gegen den diesjährigen EM-Finalisten Kroatien ging das erste Duell im März klar 26:34 verloren, ehe sich die Schweizer in der zweiten Partie ein 35:35 erkämpften. Die beiden Spiele zeigen, was dem Team noch fehlt: die Konstanz - auch innerhalb einer Partie. "Dieses Thema beschäftigt uns schon seit fast einem Jahr. Wir haben aber nach wie vor sehr viele junge Spieler in der Mannschaft, die wenig internationale Erfahrung haben", sagt Schmid.
Apropos Erfahrung: Diese fehlt auch dem 42-Jährigen als Trainer. Schmid übernahm kurz nach dem Ende seiner Spielerkarriere Ende Januar 2024 das Amt als Nationalcoach. Deshalb war es sein Wunsch, auch noch einen Verein zu trainieren, und diesem entsprach der Verband. Deshalb trainiert Schmid ab dem 1. Juli auch den NLA-Topklub Kriens-Luzern, für den er zuletzt gespielt hat.
"Je mehr ich als Trainer an der Seitenlinie stehe, desto mehr Erfahrungen kann ich sammeln, desto mehr Fehler mache ich, desto mehr kann ich ausprobieren. Das sind wichtige Aspekte in der Weiterentwicklung", sagt Schmid. "Ich mache aktuell sehr viel in der Theorie. Das ist zwar schön und gut, aber ich spüre, dass ich mehr in der Praxis tätig sein möchte." So steht nach der WM-Qualifikation gegen Italien der nächste Lehrgang mit der Nationalmannschaft erst im November an.
Ein entscheidender Punkt für das bis nach der Heim-EM 2028 befristete Doppelmandat war für ihn, dass sehr viele Spieler aus dem Nationalteam im Ausland tätig sind. Schmid ist sich aber bewusst, dass es dennoch "Momente geben wird, die kritisch sein werden - das muss ich mit meiner Art lösen können." Er erinnert daran, dass er schon als Nationaltrainer feststand, als er noch aktiv spielte. "Deshalb mache ich mir keine grossen Sorgen."
Die Stelle bei Kriens-Luzern ist für ihn deshalb ideal, weil er in unmittelbarer Nähe wohnt. "Ich habe während meiner ganzen Karriere die Familie an erster Stelle gestellt und versuche, meinen sportlichen Ehrgeiz mit ihr zu vereinbaren. Diese Möglichkeit habe ich hier." Zur höheren Belastung sagt er: "Handball ist für mich kein Beruf, sondern meine Leidenschaft."