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Vom Spätzünder zum Meistertrainer

Andy

Mit dem Gewinn des Meistertitels hat der FC Thun 21 Jahre nach der sensationellen Champions-League-Teilnahme wieder ein Fussballmärchen geschrieben. Und wie schon damals war Mauro Lustrinell wieder involviert.

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Meistertrainer Mauro Lustrinelli ist im Berner Oberland nun Held auf Lebzeiten. © KEYSTONE/Alessandro della Valle

2005 schrieb der FC Thun auf der europäischen Bühne Geschichte. Die Berner Oberländer eliminierten damals in der Champions-League-Qualifikation Dynamo Kiew und Malmö FF und zogen in die Gruppenphase ein, wo es Duelle mit Arsenal, Sparta Prag und Ajax Amsterdam gab. Stürmer Mauro Lustrinelli stand in allen zehn Spielen in der Startelf, glänzte mit vier Toren und einem Assist und war massgeblich an diesem Märchen beteiligt, als Thun sich für die K.o.-Phase der Europa League qualifizierte, wo allerdings im Sechzehntelfinal der Hamburger SV zu stark war. Ebenfalls mit dabei war eine weitere Persönlichkeit, die auch heute noch im FC Thun wirkt: Präsident Andres Gerber.

Doch nun steht Lustrinelli noch mehr im Rampenlicht. Denn wer als Trainer einen Aufsteiger zum Meistertitel führt, muss über besondere Fähigkeiten verfügen. Und viel richtig machen. So hob Captain Marco Bürki während dieser Saison gegenüber Sky-Sport heraus, dass Thun auf der Trainerposition Kontinuität hat und die Führung auch cool blieb, als Lustrinelli nach seiner Rückkehr vom Verband die erste Saison in der Challenge League nur auf Rang 6 beendete und den Aufstieg verpasste. «Aber er konnte in Ruhe arbeiten und sich selber als Trainer weiterentwickeln, was auch für uns Spieler spannend zu sehen war. Zudem verlangt er, dass wir jeden Tag besser werden wollen», erklärte Captain Bürki.

Teamgedanke, Energie und Arbeit

Ähnlich sieht es Leonardo Bertone, ein anderer Führungsspieler. Der Coach spiele in dieser Erfolgsgeschichte eine sehr grosse Rolle. «Er lebt uns jeden Tag vor, dass das Team das Wichtigste ist und dass man nur mit Energie und harter Arbeit Erfolg haben kann. Er verlangt sehr viel, aber deshalb sind wir auch dorthin gekommen, wo wir jetzt stehen. Es ist wirklich wichtig, jemanden zu haben, der vorangeht und das vorlebt.»

Nach dem schwierigen Start in Thun zeigte die Kurve aber bald nach oben. 2024 erreichte der FC Thun die Barrage, scheiterte aber an GC. Im vergangenen Jahr reichte es mit Rang 1 zum direkten Aufstieg – und dann stürmten die Berner Oberländer weiter aufwärts, direkt zum ersten Meistertitel in der Klubgeschichte, der in ganz Fussball-Europa Beachtung fand und natürlich den Trainer interessant macht. Es würde jedenfalls nicht erstaunen, wenn schon bald die ersten Gerüchte um einen Wechsel in eine grössere Liga auftauchen würden.

Solche Gedankenspiele lassen den Trainer zumindest äusserlich kalt. Schon während der Saison wies er darauf hin, dass es in seiner Karriere auch als Spieler länger gegangen sei als bei anderen. «Aufsteigen kann man mit dem Lift oder der Treppe. Ich bin über die Treppe hierhergekommen. Und der Weg war schön», so Lustrinelli. Er wisse nicht, wo die Treppe hinführe. Vielleicht hätte er schon früher etwas anderes annehmen können. Aber was er gemacht habe, habe ihm sehr gefallen.

Fussballerischer Spätzünder

Mauro Lustrinelli hat in der Tat eine interessante Karriere hinter sich, und auf diesem Weg hat er viel erlebt und investiert. Der Sohn italienischer Einwanderer war nicht mit übermässig fussballerischem Talent gesegnet und wurde daheim auch zu schulischen Topleistungen angehalten. Er studierte Betriebswirtschaft und war im Fussball ein Spätzünder. Mit 23 wurde er Profi, mit 26 debütierte er in der Super League und mit 29 absolvierte er sein erstes von zwölf Länderspielen für die Schweiz.

Im Januar 2012 beendete er schliesslich seine Spielerkarriere und wechselte auf die Trainerposition. Er war beim FC Thun im Nachwuchs tätig, arbeitete anschliessend mehrere Jahre beim Verband erfolgreich als Coach in den U-Auswahlen. Unter ihm qualifizierte sich die U21 nach langer Endrunden-Abstinenz zweimal für die EM. Es war beste Werbung für seine Fähigkeiten als Trainer, mit denen er nun auch in Thun überzeugt. Er lässt gerne intensiv und mit hohem Pressing spielen, ebenso viel in die Tiefe und pragmatisch. Er fordert und unterbindet Genügsamkeit. Er kann verbissen ein Ziel verfolgen, eklig und hinterfragend sein, aber auch mit Schalk unterhalten. Und er verkörpert rund um den Fussball Leidenschaft, die er auch den Spielern weitergibt.

Mauro Lustrinelli war einer oder vielleicht auch der Faktor, dass der FC Thun sensationell den Meistertitel gewann. Ob nun auf das zweite Thuner Lustrinelli-Märchen noch ein weiteres folgt, in Form von weiteren Auftritten in der Champions League, muss sich erst noch zeigen. Der Weg in die Beletage des europäischen Fussballs ist lang und hart, zumal die Thuner in den kommenden Wochen wohl einige Leistungsträger verlieren werden. Und vielleicht ja auch ihren Meistertrainer Lustrinelli, dessen Vertrag im Berner Oberland zwar bis 2028 weiterläuft, der sich aber bei Angeboten sehr gut überlegen dürfte, ob er hier, am Ort seiner fussballerischen Bestimmung, nicht schon das Maximum erreicht hat. Oder sogar noch mehr.

 

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