"Wollten sie einfach, dass Argentinien und Messi weiterkommen?"
In der Schlussphase des 2:3 im WM-Achtelfinal gegen Argentinien läuft alles gegen die Ägypter. Das schafft Platz für Verschwörungstheorien.
Ägyptens Nationalcoach Hossam Hassan, der 1991/92 einst acht Spiele für Neuchâtel Xamax absolvierte, ist ausser sich vor Frust und greift ganz tief in die Verschwörungskiste. "Das ist weder gerecht, noch richtig", findet er nach der Niederlage der Pharaonen, die bis zur 79. Minute 2:0 führten.
Im Zentrum des Ärgers: ein eigenes Tor, das nach Intervention des VAR annulliert wurde und der Siegtreffer der Argentinier, bei dem der VAR nicht eingriff. Es waren keine eindeutigen Fehlentscheide des französischen Top-Schiedsrichters François Letexier, aus Sicht der Nordafrikaner wurde aber mit zweierlei Mass gemessen.
Vor dem vermeintlichen 2:0 Mostafa Zikos nach knapp einer Stunde war ein Ägypter einem Argentinier auf den Fuss gestanden, worauf der VAR aktiv wurde. Eine ähnliche, aber nicht ganz so eindeutige Situation passierte vor dem 2:3 in der Nachspielzeit im gegnerischen Strafraum. Der Konter brachte die Entscheidung, die Szene wurde nicht mehr überprüft.
"Der Titelverteidiger ist auf allen Ebenen bevorteilt worden", zeigte sich Hassan nach der Partie im Interview mit dem TV-Sender BeIN Sports überzeugt. "Ich habe dem Schiedsrichter gesagt, das sei einfach nicht gerecht." Argentinien habe diesen Siege nicht verdient, und wenn er in Ägypten zurück sei, werde er keine Minute WM mehr schauen, weil es in diesem Wettbewerb einfach keine Gerechtigkeit gebe. "Ob man einfach den Titelverteidiger weiter dabei haben wollte? Oder wollte man Messi weiter spielen sehen?", fragte er sich.
Ziko, der später doch noch das 2:0 erzielte, war ähnlich fassungslos. "Wir haben einen Wahnsinnsmatch gemacht", strich er heraus. "Aber in der zweiten Hälfte sind seltsame Sachen passiert, die jeder gesehen hat. Das ist sonnenklar."
Besonders bitter war das Ende für Mohamed Salah. Während sich Lionel Messi - einmal mehr - zum grossen Retter des Weltmeisters aufschwang, wurde Ägyptens grosser Star zur tragischen Figur. Nach einer frustrierenden Saison mit Liverpool körperlich offensichtlich angeschlagen, bleibt Salahs Nationalmannschafts-Karriere unvollständig. Nie gewann er mit dem Rekord-Afrikameister eine kontinentale Trophäe, und bei der WM blieb nun der Achtelfinal von Atlanta das Höchste der Gefühle. In vier Jahren wird er 37 Jahre alt sein.
Dabei hätte alles ganz anders kommen können. Salah blieb über weite Strecken diskret, in der zweiten Hälfte hatte er aber zwei Szenen, in denen er seine grosse Klasse aufblitzen liess. Zwei Konter leitete er brillant ein, beide führten zu Toren. Nur eines davon zählte, und am Ende nützte es nichts. So blieben Salah und seinen Ägyptern nur bittere Tränen und Wut über eine aus ihrer Sicht ungerechte Fussballwelt.