Real Madrid fühlt sich betrogen, doch das dürfte Trainer Alvaro Arbeloa kaum retten.
"Ein Witz!", schimpfte Mittelfeld-Star Jude Bellingham, Nationalspieler Antonio Rüdiger verbat sich sicherheitshalber selbst den Mund. Auch Trainer Alvaro Arbeloa attackierte Sündenbock Slavko Vincic - und verschloss dabei die Augen vor dem Unvermeidlichen: seiner Entlassung nach der nächsten titellosen Saison.
- Spielbericht zum Viertelfinal-Rückspiel in München
Die Zeitungen Marca und AS sahen in dem 3:4 (3:2)-Spektakel beim FC Bayern zwar einen "ehrenvollen Abschied" für Real Madrid aus der Champions League. Doch nach dem bitteren Viertelfinal-Aus sprach Klublegende Jorge Valdano (1984-1987 bei Real) aus, was Arbeloa noch nicht wahrhaben wollte: Am Ende werde "der Trainer sicherlich einer derjenigen sein, die den Preis dafür bezahlen".
Zoff zwischen Madrilenen
Im Pokal ist Madrid unter Arbeloa an einem Zweitligisten gescheitert. Und auch in der Meisterschaft ist der Rückstand auf Erzrivale FC Barcelona wohl schon zu gross. Arbeloa, der erst im Januar von Xabi Alonso übernommen hatte, will "mit allen Entscheidungen des Vereins umgehen", wie er bekannte: "Es geht jetzt aber nicht um mich und meine Zukunft", sondern um Real.
Und das gab in München bei aller Qualität ein jämmerliches Bild ab. Ein Team? Von wegen! Als sich Bellingham bei Stürmerstar Vinicius Junior beschwerte, dass der ihn bei einem Konter übersehen habe, keifte der Brasilianer zurück: "Was willst du? Halt den Mund!" Doch das war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das Gezeter nach Spielschluss wegen der (regelkonformen) Gelb-Roten Karte gegen Eduardo Camavinga.
"Haben Ungerechtigkeit erfahren"
Jungstar Arda Güler beleidigte Schiedsrichter Vincic und sah erst Gelb, dann Rot. Vize-Kapitän Dani Carvajal sprang von der Bank auf und keifte in Richtung des Unparteiischen: "Es ist deine Schuld, deine verdammte Schuld!" Die Presse stimmte ein. "Welch Ungerechtigkeit!", titelte Marca, bei AS hiess es: "...bis der Schiedsrichter entschied".
- Spanische Presse tobt nach Reals CL-Aus
Auch Arbeloa ergab sich in Selbstmitleid. "Es tut weh, es schmerzt. Vor allem die Art und Weise", meinte der angeschlagene Coach. Den Platzverweis "versteht keiner. Wir haben Ungerechtigkeit erfahren." Aber natürlich werde er Real "bis zum letzten Tag" dienen.
Kehrt Toni Kroos zurück nach Madrid?
Doch dieser letzte Tag bei Madrid könnte für Arbeloa schneller kommen als ihm lieb ist. Angesichts der voraussichtlich zweiten titellosen Saison in Folge - das gab es zuletzt 2009/10 - ging Valdanos Blick aber schon über das Schicksal des Trainers hinaus. "Die Mannschaft braucht Neuzugänge", sagte er, "das ist unbestreitbar" und sei schon die ganze Saison über offensichtlich gewesen, nicht erst in München.
- Real will Toni Kroos wohl in sportliche Struktur einbinden
Der Kaderumbau wäre ein Job für einen neuen Sportdirektor. Dass Real-Idol Toni Kroos den vakanten Posten übernehmen wird, wie zuletzt spekuliert wurde, gilt als unwahrscheinlich. Der Weltmeister von 2014 baut in seiner Akademie in Madrid die nächste Generation auf - vielleicht auch für Real.
SID
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