Zwei Podestplätze trotz unterschiedlicher Vorzeichen
Die Schweizer Männer eröffnen die neue Saison in Sölden mit zwei Podestplätzen. Loïc Meillard findet den Schlüssel für die anspruchsvolle Piste, Marco Odermatt hadert mit seinem ersten Lauf.
Marco Odermatt kann sich ein Schmunzeln in der Leaderbox nicht verkneifen. Loïc Meillard zeigt mit dem Zeigefinger auf seinen Teamkollegen. Soeben hat der Westschweizer die Ziellinie beim Riesenslalom auf dem Rettenbachgletscher oberhalb von Sölden überquert. Es wird laut im Zielraum auf 2670 Metern über Meer. 0,01 leuchtet es weiss auf grünem Grund. Die kleinste aller Differenzen, sie entscheidet für einmal zugunsten von Meillard im Duell mit Odermatt. Schon oft war es umgekehrt.
Am Ende gewinnt Meillard zwar das Duell gegen Odermatt, der sich in der Entscheidung um einen Platz verbessert. Zum Sieg reicht es dennoch nicht. Gegenüber dem entfesselten Lucas Pinheiro Braathen haben die Schweizer klar das Nachsehen. Für Meillard ist der 2. Platz dennoch ein sehr gutes Ergebnis. Zum ersten Mal fährt er auf dem Rettenbachgletscher auf das Podest. Und: Startete er in den vergangenen Jahren für seine Verhältnisse eher verhalten in die Saison, setzt er nun gleich zu Beginn ein Ausrufezeichen.
"Es tut gut, hier in Sölden auf dieser Piste den Schlüssel gefunden zu haben", sagt Meillard nach der Siegerehrung im Bauch des Zielstadions, wo traditionell die drei besten Fahrer eine Pressekonferenz geben. Der Schlüssel zum Erfolg sei die Erfahrung. "Man verbessert sich von Jahr zu Jahr und findet jedes Mal neue Orientierungspunkte. Im Vergleich zu den letzten Jahren bin ich heute mit mehr Selbstvertrauen angereist, im Wissen, dass ich meinem Körper und meinen Ski vertrauen kann."
Etwas anders standen die Vorzeichen bei Marco Odermatt, der sich in der Vorbereitung auf die neue Saison eine leichte Muskelverletzung zugezogen hatte und noch nicht bei 100 Prozent war. "Ich bin nicht hierher gereist in der Gewissheit, das Rennen dominieren zu können, denn ich fühlte mich noch nicht auf dem gleichen Level wie in den anderen Jahren. Deshalb bin ich mit einem Podestplatz sehr zufrieden." Es ist sein 103. im 200. Weltcuprennen.
Überhaupt nicht zufrieden ist der 29-Jährige hingegen mit seinem ersten Lauf. Zu viel Marge hätte er eingebaut, zu wenig Risiko genommen. "Im zweiten Lauf habe ich dann eine Reaktion gezeigt und bin wieder in den Angriffsmodus gekommen. Im Steilhang bin ich am Limit gefahren, habe die Ski talwärts geworfen, statt schön zu fahren - das ist Rennsport."
Odermatt hat nun Zeit, um auf sein Topniveau zu kommen. Die ersten Speedrennen stehen erst Ende November/Anfang Dezember in Übersee an. Meillard hingegen ist bereits früher wieder rennmässig im Einsatz. In Levi (14./15.November) und unweit von Sölden in Gurgl (21./22. November) stehen im kommenden Monat je zwei Slaloms auf dem Programm.