Achtung, Achtung: Das Duell Antonelli gegen Russell!
An diesem Wochenende gastiert der Formel 1-Zirkus in Monaco und startet in die Europa-Saison. Die Augen sind dabei vor allem auf das heisse Mercedes-Duell zwischen Kimi Antonelli und George Russell gerichtet. Achtung, Crash-Gefahr!
Nach fünf Rennen ist der junge Italiener Kimi Antonelli (19) WM-Leader. Sein Vorsprung beträgt 43 Punkte, sein erster Verfolger ist sein Teamkollege George Russell (28). Es ist eine brisante Ausgangslage. Denn die beiden Mercedes-Piloten haben sich in den ersten Saisonrennen bereits mehrere heisse Duelle geliefert.
Eine Stallorder gebe es nicht, sagt Antonelli. «Das Team möchte, dass wir frei fahren. Aber sie wollen auch sicherstellen, dass keine unangenehme Situation entsteht. Im Moment lassen sie uns frei fahren, weil sie uns auch vertrauen. Natürlich werden wir hart gegeneinander fahren, aber wir werden versuchen, so fair wie möglich zu sein und Unfälle oder Berührungen zu vermeiden, weil wir auch das Beste für das Team wollen. Wir wollen, dass Mercedes gewinnt, werden definitiv gegeneinander kämpfen, aber auf eine faire Art und Weise.»
Fressen oder gefressen werden
Gerade am letzten GP-Wochenende in Kanada lieferten sich die beiden Piloten harte Fights. Antonelli beschimpfte seinen Teamkollegen während des Sprintrennens, ihn von der Strecke gedrängt zu haben. Später sagte er, dass Racing in der Formel 1 wie ein Aufenthalt in einem Haifischbecken sei. «Man frisst oder wird gefressen. Man muss aggressiv sein, natürlich in der richtigen Dosis. In Kanada war ich aggressiv, vielleicht ein bisschen zu sehr», so Antonelli.
Und nun also das Rennen in Monaco. Die Strassenschluchten an der mondänen Côte d’Azur versprechen Action und Spannung. Harte Duelle. 3337 Meter ist die Strecke lang, gespickt mit Kurven und Schlüsselstellen, die klangvolle Namen tragen wie Sainte Dévote (benannt nach der Schutzheiligen von Monaco, einer Märtyrerin), Beau Rivage («schönes Ufer»), Casino (wo schon unzählige Millionen verzockt wurden), Hafenschikane, Tunnel oder auch das Schwimmbad, das an heissen Rennsonntagen ebenso wie das azurblaue Meer zum Traum von einer Erfrischung einlädt.
Gut möglich, dass im Fürstentum ein weiteres wichtiges Kapitel in diesem teaminternen WM-Kampf geschrieben wird. Und dass die Stimmung explosiver wird. So, wie es früher auch andernorts war. Denn in der Geschichte der Königsklasse im Motorrennsport gab es schon mehrere Rivalitäten, in denen mit harten Bandagen gekämpft wurde.
Senna vs. Prost und Rosberg vs. Hamilton
Die vielleicht grösste Rivalität bestand zwischen Ayrton Senna und Alain Prost. Der Franzose hatte sich bei McLaren als klare Nummer 1 etabliert, doch dann kam der Brasilianer, um ihm den Spass zu verderben. 1988 wechselten sich die beiden mit Siegen ab, später fielen die Hemmungen. Prost erklärte Senna den Krieg, Senna antwortete auf die gleiche Weise. Die Rivalität wurde zu einem globalen Phänomen. Die titelentscheidende Kollision 1989 in Suzuka ging in die Geschichte ein. Senna rächte sich ein Jahr später, als er beim Japan-GP 1990 den mittlerweile für Ferrari fahrenden Prost in der ersten Kurve aus dem Rennen räumte und sich so seinen zweiten WM-Titel sicherte.
Vor einem Jahrzehnt sorgte dann Mercedes mit einem teaminternen Kampf für Schlagzeilen. Lewis Hamilton und Nico Rosberg waren gemeinsam im Motorsport grossgeworden und durch eine Freundschaft verbunden – bis sie zwischen 2013 und 2016 für die Silberpfeile fuhren. Mit dem Beginn der Hybrid-Ära 2014 wurde das Klima zwischen den beiden giftiger und die Kämpfe härter. Es kam immer wieder zu Spannungen, teaminternen Machtkämpfen und Kollisionen auf der Strecke. Die Beziehung verschlechterte sich zunehmend, und auch das Mercedes-Team wurde durch den Konflikt stark belastet. Hamilton gewann die Titel 2014 und 2015, ehe Rosberg 2016 nach seiner stärksten Saison Hamilton knapp besiegte und Weltmeister wurde. Nur wenige Tage nach seinem Titelgewinn trat der Deutsche überraschend zurück.
Aggressiv und clever…
«Ich habe mir natürlich schon ein paar dieser Duelle angeschaut, auf jeden Fall waren einige davon ziemlich am Limit», sagte nun Antonelli zum Portal «F1-Insider». Er nehme daraus hauptsächlich mit, dass man so konstant wie möglich sein, aggressiv und gleichzeitig clever fahren müsse. «Du musst dabei auch versuchen, den Gegner auszutricksen.» Gegen seinen Teamkollegen fahre man natürlich ein bisschen anders, weil man kein Chaos im Team anrichten wolle. «Wir wissen, dass wir auf der Strecke für uns selbst fahren, wir wollen gewinnen und der Beste sein. Aber gleichzeitig wollen wir auch das Beste für das Team und nicht eine Situation wiederholen wie bei Lewis und Nico, wo das Teamklima intern nicht mehr das Beste war», so Antonelli.
So weit, so gut. Wie sich das Klima aber im Verlaufe der WM und im Titelkampf entwickelt, muss sich erst noch zeigen. «Sie wissen, wo die Grenze ist», sagte Silberpfeil-Boss Toto Wolff nun gegenüber «Sport Bild», erwähnte jedoch auch, dass seine Piloten in Montreal beinahe darüber hinausgeschossen sind. «Aber das haben wir in einem Gespräch geklärt» so Wolff. Und: «Wir werden uns mit Stallordern so lange wie möglich – und wenn es geht, dann ganz – zurückhalten. Wir glauben nicht, dass wir sie brauchen und lassen die Jungs fahren.» Sorgt das nun auf den Strassen von Monte Carlo für zusätzliche Action? Und bleibt es bei einer Rivalität oder folgt schon bald die Eskalation?