Der neue König der Formel 1
Fünf Siege in den ersten sechs Rennen der Saison und eine klare Führung in der WM: Der Italiener Kimi Antonelli rast seinen Gegnern in der Formel 1 davon. Es scheint, als habe die PS-Welt ein neues Wunderkind.
Er ist nicht zu stoppen und fährt in einer eigenen Liga. Mit seinen erst 19 Jahren dominiert Antonelli den GP-Zirkus und demontiert seinen Mercedes-Teamkollegen George Russell. Aktuell gelingt es dem Briten nicht einmal, dem Italiener im Windschatten zu folgen. Fünf Siege in Folge, Rang 2 im ersten Saisonrennen in Australien und eine klare WM-Führung sprechen eine deutliche Sprache. Und entsprechend werden die Lobgesänge über den jungen Piloten aus Bologna immer lauter.
«Normalerweise brauchen junge Fahrer ein wenig Zeit, bis sie den notwendigen Speed erreichen. Ich glaube, Kimi hat dafür rund vier Runden gebraucht», sagte sein Renningenieur Peter Bonnington im Fürstentum nach dem Qualifying. «Und wenn er diese Pace gehen kann, dann weisst du, dass der Junge echtes Talent hat. Wir wussten also früh, dass wir da einen Rohdiamanten haben. Da war nur noch ein wenig Feinschliff notwendig. Und ab dem zweiten Jahr gelingt es dann so richtig.»
Der Feinschliff ist erfolgreich erfolgt: Antonelli zeigt seine Klasse und sorgt für Superlative. «Kimi Antonellis sichtbares Talent als Rennfahrer von aussergewöhnlicher Virtuosität wurde durch eine Leistung unterstrichen, die so ausgereift war, dass man es kaum glauben kann und wir nach seiner Geburtsurkunde fragen müssten», schrieb die «Daily Mail» nach dem Monaco-Sieg des Italieners. Und der «Corriere dello Sport» doppelte nach: «Es fehlen die Worte, um Kimi Antonelli zu beschreiben, der beim legendärsten und faszinierendsten Rennen des Formel-1-Kalenders dominiert und sein ganzes Talent unter Beweis stellt.»
Diverse Rekorde gesammelt
Tatsächlich, Antonelli rast seinen Gegnern davon, lässt sie in den Rennen nur sein Heck sehen. Und sammelt Rekorde. Er wurde am Sonntag der jüngste Sieger des legendären und prestigeträchtigen Grand Prix von Monaco, nachdem er schon andere Bestmarken aufgestellt hatte: jüngster Fahrer, der eine Rennrunde anführte; jüngster Fahrer mit schnellster Rennrunde; jüngster Fahrer auf der Pole-Position; jüngster Fahrer mit dem Hattrick (Pole Position, Sieg und schnellste Runde) sowie jüngster WM-Leader der Geschichte.
In der WM liegt er nun 66 Punkte vor Lewis Hamilton und 68 Zähler vor seinem Mercedes-Teamkollegen George Russell, der damit immer stärker unter Druck kommt. Und nach fünf Siegen in Serie und fünf Triumphen in den ersten sechs GP ist es mehr als natürlich, dass die Wahrscheinlichkeit immer grösser wird, dass der Italiener am Ende der Saison als Weltmeister gefeiert wird. Wobei er betreffend Euphorie den Fuss vom Gaspedal nimmt und zuletzt im Fürstentum auf die Aussage, dass er den Weltmeistertitel nur noch verlieren könne, cool antwortete: «Wie soll ich etwas verlieren, das ich noch gar nicht besitze?»
Kimi Antonelli ist aber unbestritten der Mann der Stunde, der Gipfelstürmer, und nur wenige Experten zweifeln daran, dass er am Ende der Saison der jüngste Weltmeister der Geschichte wird. Aktuell hält diese Bestmarke Sebastian Vettel mit 23 Jahren und 134 Tagen – Antonelli wird am 25. August erst gerade 20 Jahre alt. Und trotz seines jugendlichen Alters ist sein Palmarès bereits so schön gefüllt, dass man geneigt ist, von einem Wunderkind zu sprechen. 30 Rennen hat er in der Königsklasse bestritten, fünf Siege gefeiert, vier Pole-Positionen herausgefahren, sieben schnellste Rennrunden aufgestellt und stand neunmal auf dem Podest.
Talente und Qualitäten
Es sind die Statistiken eines Champions. Und das Resultat immenser Qualitäten und Begabungen. Antonelli verfügt über einen enormen Speed im Qualifying, ist in der Lage, auf einer Runde extrem viel Leistung abzurufen. Unter Druck findet er die entscheidenden Sekundenbruchteile. Er fährt bemerkenswert abgeklärt und reif, begeht nur wenige Fehler. Er weiss meist, wann er attackieren soll und wann er nicht zu viel riskieren darf. Und er ist mental stark, bleibt meist sachlich und konzentriert. So schwärmte auch Mercedes-Chef Toto Wolff nach dem Triumph an der Côte d’Azur und sagte gegenüber dem Blick: «Nach Lewis haben wir jetzt weltweit einen neuen Rockstar bei Mercedes. Er begeistert die Massen. Von Jung bis Alt. Egal, welches Geschlecht da mitfiebert.»
Für Ferrari zu klein…
Für Kimi Antonelli gilt das Motto «The Sky is the Limit». Er wird auch am kommenden Wochenende in Barcelona der Massstab für die anderen Fahrer sein. Letztes Jahr reichte es ihm in der Qualifikation nur zu Rang 6 und im Rennen wurde er durch einen Motorschaden gestoppt. Ob er nun auf dem Weg zu seinem nächsten GP-Sieg durch die anderen Fahrer gestoppt werden kann, bleibt abzuwarten. Einen schalen Beigeschmack dürften die aktuellen Leistungen und Erfolge des Italieners aber vor allem für Ferrari haben. Den letzten GP-Sieg feierte der Italo-Rennstall Ende Oktober 2024 durch Carlos Sainz in Mexiko. Das Warten dauert nun also eine gefühlte Ewigkeit, und umso schmerzhafter ist, was Vater Marco Antonelli in Monaco gegenüber dem «Blick» verriet: «Mit elf Jahren besuchten wir das Werk in Maranello und wollten in die rote Academy. Doch die Verantwortlichen lehnten ab, weil ihnen Kimi zu klein war. Wenig später unterschrieben wir bei Mercedes.» Wenn man aus italienischer Sich doch nur die Uhr zurückdrehen könnte.