Alain Berset und Europarat kritisieren die FIFA
Alt-Bundesrat Alain Berset, seit 2024 Generalsekretär des Europarats, äusserte sich unter dem Titel "Vor dem Schlusspfiff" zur Fussball-WM. Seine Erklärungen fallen durchaus kritisch aus.
Gleich zu Beginn seiner Erklärungen auf der Homepage des "Council of Europe" (coe.int) betont Berset, dass die grössten Herausforderungen des Sports immer wieder internationale Zusammenarbeit und verbindliche Regeln erfordert hätten. Berset: "Ein WM-Final ist ein Fest, mit dem nur wenige Ereignisse mithalten können. Dieses hier fühlt sich unvollendet an. Die FIFA-WM 2026 hat eine Frage nach der anderen aufgeworfen."
"Eine unter Druck verhängte und innerhalb weniger Tage ohne Angabe von Gründen ausgesetzte Sanktion. Die Autorität der Schiedsrichter wurde in Frage gestellt. Rassistische Beleidigungen gegen Spieler, teilweise auch von gewählten Amtsträgern. Wetten auf jeden Pass, jede Karte, jede Ecke. Das Fest wird heute Abend enden. Die Fragen jedoch nicht. Die nächste Krise hat bereits begonnen. Sie hat zwei Namen: Geld und Macht."
Berset sagt, dass der politische Einfluss Einzug auf das Spielfeld gefunden hat - und bezieht sich primär auf den "Fall Balogun". Berset: "Die verhängte Sperre wurde mitten im Turnier ausgesetzt, nachdem ein Staatsoberhaupt (Donald Trump) den FIFA-Präsidenten (Gianni Infantino) angerufen hatte. Wenn Regeln unter Druck gebogen werden, ist jedes Ergebnis zweifelhaft."
Der Europarat bietet der FIFA seine Unterstützung an und erwähnt, dass schon früher dem Sport unter die Arme gegriffen worden ist. Das ist Bersets Vorschlag: "Eine dritte Halbzeit. Ein konstruktiver Dialog, der sofort nach der WM beginnt, um das Integritätskonzept für die WM 2030 zu entwickeln."
Berset: "Als 1985 39 Menschen vom Heysel-Stadion nicht mehr nach Hause zurückkehrten, reagierten der Europarat und seine Mitgliedstaaten innerhalb von drei Monaten mit einem verbindlichen Vertrag zur Gewährleistung der Sicherheit der Zuschauer, der inzwischen weiterentwickelt und von 39 Staaten unterzeichnet wurde. Als Doping den Leichtathletiksport vergiftete, verfassten wir das Anti-Doping-Übereinkommen des Europarats, das mittlerweile für 52 Staaten verbindlich ist."
Ein Dorn im Auge ist dem Europarat auch der Wettumsatz: Wetten hätten sich vom Ergebnis eines Spiels auf Momente verlagert, die ein einzelner Spieler erzeugen kann, ohne den Spielstand zu verändern. Berset: "Eine Wette, die gewonnen wird, indem andere verlieren. Das ist eine offene Tür für Betrug. Die FIFA-WM 2026 hat diese Tür noch weiter aufgestossen. Zum ersten Mal hat die FIFA einen Wettanbieter als offiziellen Partner willkommen geheissen - und das sogar direkt in den Stadien."
Berset und der Europarat hoffen, dass im Nachgang dieser WM die Integrität des Sports wieder gestärkt wird.