Arsenal und Atlético Madrid wollen in den Final
Mit Atlético Madrid und Arsenal treffen im Halbfinal der Champions League zwei Klubs aufeinander, die den Henkelpott noch nie gewinnen konnten. Beide befinden sich in einer komplizierten Phase.
Über ihre Farben Rot und Weiss hinaus teilen Atlético Madrid und Arsenal ein ähnliches Schicksal - und eine lange Leidensgeschichte: In ihrer Heimat gelten beide als ewige Zweite, dazu verdammt, dem grossen Ziel immer wieder nahe zu kommen, es aber nie zu erreichen.
Bei Atlético zeigt sich das über Jahrzehnte im Schatten der Giganten Real Madrid und FC Barcelona. Zwei knapp verlorene Champions-League-Finals (2014 und 2016) gegen den Stadtrivalen Real sowie zahlreiche weitere Enttäuschungen prägen das Bild. Zuletzt setzte es am vorletzten Wochenende im Cupfinal gegen Real Sociedad die nächste bittere Niederlage im Penaltyschiessen ab.
Auch Arsenal blickt auf eine Geschichte voller Rückschläge zurück. Die Londoner träumen davon, erstmals seit 20 Jahren wieder den Final der Königsklasse zu erreichen. Bei der Premiere 2006 mussten sie sich dem FC Barcelona geschlagen geben. Im Gegensatz zu Atlético mussten sich die "Gunners" in den vergangenen zwei Jahrzehnten jedoch mit deutlich weniger Erfolgen begnügen: vier Cupsiege stehen den spanischen Meistertiteln (2014, 2021) und drei Europa-League-Triumphen (2010, 2012, 2018) Atléticos gegenüber.
Unter Trainer Mikel Arteta hat Arsenal jedoch Schritt für Schritt zu alter Stärke zurückgefunden. Die aktuelle Spielzeit ist zweifellos die beste unter dem Spanier. Lange träumten die Londoner sogar vom historischen "Quadruple", ehe der Motor zuletzt ins Stocken geriet.
Nach einer langen Phase, in der das Team kaum zu schlagen schien, häuften sich zuletzt die Rückschläge: die Finalniederlage im Ligacup gegen Manchester City, das überraschende Aus im FA Cup gegen den Unterklassigen Southampton sowie der verspielt scheinende komfortable Vorsprung in der Premier League. Gleichwohl betont Arteta gebetsmühlenartig, dass im Titelrennen mit City noch alles offen sei.
In der Champions League ist Arsenals Weste noch weiss. Nach einer perfekten Ligaphase mit acht Siegen blieb das Team auch in der K.o-Phase gegen Bayer Leverkusen und Sporting Lissabon souverän. Gegen die Portugiesen reichte ein später Treffer von Kai Havertz im Hinspiel zum Halbfinal-Einzug. Ausgerechnet der deutsche Matchwinner fehlt nun jedoch: Havertz zog sich beim 1:0-Sieg gegen Newcastle am Samstag eine Leistenverletzung zu.
Atlético zeigt derzeit zwei Gesichter: In der heimischen Meisterschaft schwächelt das Team, gewann aus den letzten fünf Partien nur einmal, europäisch hingegen überzeugt es und schaltete im Viertelfinal den grossen FC Barcelona aus. Trainer Diego Simeone sieht gerade in dieser Widerstandsfähigkeit den Schlüssel: "Wir sind so weit gekommen, weil wir es so machen, wie wir es schon immer getan haben: hinfallen, wieder aufstehen und weiterkämpfen. Niemand hat es geschafft, uns aufzuhalten.
Bereits in der Ligaphase trafen Arsenal und Atlético aufeinander, wobei die Spanier in London gleich 0:4 untergingen. Eine Statistik macht der Mannschaft von Diego Simeone dennoch Mut: Alle drei Halbfinals der Champions League gegen englische Mannschaften, die in Hin- und Rückspielen ausgetragen wurden, gewannen die Madrilenen.