Ein Comeback, ein Jubiläum, zwei Rekorde und schlechte Aussichten
Marco Odermatt ist auch in der am Sonntag beginnenden neuen Weltcup-Saison der Gejagte. Während Loïc Meillard von Anfang an performen will, hofft Gino Caviezel auf ein gelungenes Comeback.
Er ist nicht dabei. Ah, doch. Das Aufgebot der Schweizer Männer für den Saisonauftakt in Sölden liess aufhorchen. Erst fehlte Gino Caviezel, um 20 Minuten nach der Bekanntgabe doch noch nachgereicht zu werden. Ein Versehen seitens Verband, das entschuldbar ist: Schliesslich fehlte der Bündner seit seinem Sturz in Bormio im Dezember 2024 - mit einer Ausnahme: Im Januar beim Nachtrennen in Schladming gab er sein Comeback für ein Rennen.
Nun also Comeback 2.0. Nachdem sich sein Knie zwischenzeitlich wie ein Fremdkörper angefühlt hatte - "am Anfang war es ein Stück Holz" -, fühle es sich heute wieder an wie sein Knie. Wie weit er prozentual schon sei, könne er nicht sagen. "Aber ich werde am Start stehen, 100 Prozent bereit sein und 100 Prozent geben."
An Sölden hat der 34-Jährige gute Erinnerungen: 2020 stieg er als Dritter auf das Podest - hinter Lucas Braathen und Marco Odermatt, der damals Zweiter wurde.
Pinheiro Braathen, der mittlerweile für Brasilien fährt, und Odermatt gehören auch am Sonntag zu den grössten Favoriten. Für den Nidwaldner, der in seine zehnte Saison startet, wird es ein Jubiläums-Rennen. Der Riesenslalom auf dem Rettenbachgletscher ist sein 200. Einsatz im Weltcup. Gewinnt er das Rennen wie schon im Vorjahr, schliesst er mit dann 55 Siegen nicht nur zu Vreni Schneider auf, der Schweizerin mit den meisten Weltcupsiegen, sondern auch zu Ted Ligety, der mit vier Triumphen Rekordsieger in Sölden ist.
Auch wenn der Amerikaner eines von Odermatts Idolen gewesen ist, sagt der 29-Jährige: "Den Rekord einzustellen würde mir wirklich nicht viel bedeuten. Es gibt mittlerweile fast an jedem Rennort eine Geschichte, mit jemandem gleichzuziehen." Was Odermatt hingegen viel bedeuten würde, wäre die Rückeroberung der kleinen Kristallkugel im Riesenslalom. "Es wäre sehr cool, diese nochmals zu gewinnen."
Ebenfalls keinen Hehl daraus, eine Kugel gewinnen zu wollen, macht Loïc Meillard. Der Westschweizer, der erstmals als Vater am Start stehen wird, sieht dabei sowohl im Riesenslalom als auch im Slalom realistische Chancen. "Ich war in beiden Disziplinen immer vorne dabei in den letzten Jahren." Es sei keine Frage von Qualität, sondern eine von Konstanz.
Für Meillard, der in den letzten Saisons eher gemächlich in den Winter startete, in der zweiten Saisonhälfte dann aber umso mehr zulegte, steht in Sölden ein 5. Platz als bestes Resultat zu Buche. "Es ist ein schöner Hang. Aber es ist nicht so einfach, ihn gut zu treffen. Bei mir hat es noch nicht so gut funktioniert bisher." Am Sonntag kriegt er eine weitere Möglichkeit, sein Können unter Beweis zu stellen - wenn denn das Wetter mitspielt.
Die Wettervorhersagen für das Wochenende sehen nicht optimal aus, insbesondere der Sonntag dürfte den Veranstaltern Kopfzerbrechen bereiten. Von Schneefall, Nebel und Wind ist die Rede. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Am Sonntag hat das Wetter den Auftakt in den Weltcup schon öfter durcheinandergewirbelt.
Während die Frauen in den letzten zehn Jahren nur einmal, 2022, auf das Rennen in Sölden verzichten mussten, wurde der Riesenslalom der Männer im gleichen Zeitraum gleich dreimal wegen schlechten Wetters abgesagt oder abgebrochen, zuletzt 2023.