Ein neues Kapitel an der Nordsee für Yann Sommer
Yann Sommer kommt voraussichtlich am Freitag im Supercup zu seinem ersten Pflichtspiel für den FC Brügge. Mit viel Vorfreude ist der ehemalige Schweizer Nationalkeeper bei seinem neuen Klub gestartet.
Mit einem Video gab der FC Brügge vor zwei Wochen die Verpflichtung von Yann Sommer bekannt. In diesem sieht man den 37-Jährigen im prunkvollen Stadttheater von Brügge an einer Schreibmaschine sitzen und auf die Tasten schlagen: "Und heute beginnt mein neues Kapitel." Das Buch von Sommers Karriere ist schon recht dick, deshalb auch der nette kleine Seitenhieb mit der Schreibmaschine. Anderswo war zu lesen, dass der FC Brügge Altes durch Altes ersetzt: den 38-jährigen zurückgetretenen Simon Mignolet durch den nur einige Monate jüngeren Basler.
Vor 21 Jahren unterschrieb Yann Sommer mit dem FC Basel seinen ersten Profivertrag. Seither spielte er auch für Vaduz, die Grasshoppers, Mönchengladbach, Bayern München, Inter Mailand und 94 Mal für die Schweizer Nationalmannschaft. Über 800 Partien hat er als Profi insgesamt bestritten und ist dabei trotzdem noch nicht satt geworden. "Ich liebe es einfach, Goalie zu sein, Fussball zu spielen", erklärte er im Klub-TV vom FC Brügge seine immer noch grosse Motivation mit dem berühmten breiten Lachen.
Fünf Karrierejahre als Spieler sind noch geplant, davon sind die nächsten drei für den FC Brügge reserviert. Der belgische Meister konnte Yann Sommer überzeugen, nach Ablauf seines Vertrages bei Inter Mailand ein neues Land zu entdecken. Anders als bei seinen letzten zwei Stationen in München und Mailand stösst er in ein junges Team, dem mit Cheveyo Tsawa und Andrej Vasovic auch zwei Schweizer Teenager angehören.
Brügge hat es Yann Sommer angetan. Mehrmals schaute er sich die Installationen des Klubs an und genoss die Umgebung der achtgrössten belgischen Stadt in der Nähe der Nordsee. Ardon Jashari, der grosse Spuren in Brügge hinterlassen hat, meldete sich bei seinem Landsmann, als er von den Gerüchten eines Wechsels in seine alte Heimat hörte.
Viel Überzeugungsarbeit des Spieler des Jahres der belgischen Liga 2025 brauchte es nicht mehr. Der Klub, die Stadt und der nahegelegene Strand an der niederländischen Grenze sprachen für sich. "Meer, Wind und gute Luft", schwärmt Yann Sommer und freut sich über die relative Nähe zu Düsseldorf, seinem Wohnort während seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach. Dort besitzen er und seine Familie noch ein Haus.
Mit Inter Mailand ging man nach drei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen auseinander. Er sei bereit gewesen für eine neue Herausforderung, erzählte Yann Sommer im Interview mit der flämischen Zeitung "Het Nieuwsblad". Dabei dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass in Mailand zweimal in seine Wohnung eingebrochen wurde: "Ich war nie zu Hause, aber es jagt mir immer noch einen Schrecken ein."
In Brügge und speziell im berühmten, mondänen Badeort Knokke-Heist, wo Sommer sich niedergelassen hat, wird es ruhiger zu und her gehen. 2024 feierte der Schweizer seinen ersten von zwei Meistertiteln mit Inter Mailand in den Strassen der lombardischen Metropole vor 350'000 Fans. Die wertvollste Erinnerung, die der Goalie aus seiner Zeit in Italien mitnimmt.
Wenn auch in kleineren Dimensionen als bei Inter Mailand, ist auch rund um den FC Brügge die Begeisterung gross. Am letzten Sonntag strömten für den traditionellen Fan-Tag vor dem Saisonstart 15'000 Leute ins Jan-Breydel-Stadion. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand Yann Sommer. Für ein Autogramm von ihm mussten die Anhänger zum Teil anderthalb Stunden anstehen.
Bisher wurde Yann Sommer seinem Status als wichtigster Einkauf in dieser Transferperiode gerecht. Zum Abschluss des Trainingslagers in Frankreich kam er am vergangenen Samstag gegen Rennes zu seinem ersten Einsatz mit Brügge und erwies sich trotz der 1:2-Niederlage bereits als wichtiger Rückhalt. Am Freitag dürfte das erste Pflichtspiel mit dem neuen Klub folgen, wenn am Abend gegen Union Saint-Gilloise der Supercup ansteht. In die Meisterschaft starten Sommer und Co. eine Woche später mit dem Heimspiel gegen Kortrijk.