Ein Neustart ohne Xkaka & Embolo? Eine Option, die es zu prüfen gilt
Mit 3:0 bezwang die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft vergangenen Samstag Nordmazedonien. Ein Nations-League-Auftakt nach Mass am Ende einer Woche, die zuvor von den Zertifikatsfälschungen von Captain Granit Xhaka und Breel Embolo überschattet wurde. Folgerichtig verzichtete der SFV für die Länderspiele gegen Nordmazedonien, Schottland und Slowenien auf die Dienste der beiden langjährigen Stützen. Ein Modell mit Zukunft? Mit Sicherheit eine Option, mit der sich der Verband ernsthaft befassen sollte.
Der sportliche Aspekt
Keine Frage: Granit Xhaka und Breel Embolo gehören zur erfolgreichsten Generation der Schweizer Fussballgeschichte. Rekordnationalspieler Xhaka ist seit sechs Jahren Captain und unbestrittener Kopf des Teams, der im Februar 30 werdende Embolo der erfahrenste und treffsicherste Stürmer. Ohne sie stünde die aktuelle Nati mit Sicherheit nicht dort, wo sie derzeit steht. Und trotzdem gilt es hervorzuheben: So zahlreich und vielversprechend waren die Alternativen rund um diese beiden verdienten Spieler noch selten. Im zentralen Mittelfeld kann der designierte Xhaka-Nachfolger Ardon Jashari in den kommenden Partien beweisen, dass er in dessen Fussstapfen treten kann. In der Offensive brennen Aston-Villa-Legionär Johan Manzambi, Augsburg-Captain Fabian Rieder, Nottingham-Flügel Dan Ndoye, der genesene Zeki Amdouni sowie die SL-Newcomer Alvyn Sanches und Winsley Boteli darauf zu zeigen, dass der Schweizer Angriff auch ohne (oder nach) Breel Embolo nicht automatisch zum lauen Lüftchen reduziert wird. Vorausgesetzt, dass sich das vorhandene Potenzial auch wie erhofft entwickelt, was ohne die zwei aus unterschiedlichen Gründen nicht unumstrittenen Figuren womöglich besser gelingen könnte. Das zu beurteilen, gehört deshalb zu den wichtigsten Aufgaben von Trainer Murat Yakin und seinen Vorgesetzten.
Es läppert sich
Dass Xhaka und Embolo überhaupt in Frage gestellt werden, hat weniger mit den Leistungen auf dem Platz als vielmehr mit ihrem Verhalten abseits des Rasens zu tun. Denn dort häufen sich die Vorwürfe an die eine (Xhaka) oder andere (Embolo) Adresse: die Doppeladler-Geste an der WM 2018, unbedachte Äusserungen und Handlungen rund um die von Covid geprägte EM 2021, Konflikte mit dem Gesetz (Embolo) und wiederholte Provokationen im Nati-Dress (Xhaka). Das ergibt ein beachtliches Sündenregister und mündet damit auch in der Frage: Wann ist genug, genug? Sie stellt sich nicht nur im Team und in der Öffentlichkeit, sondern auch bei den Sponsoren und Partnern der Nationalmannschaft, die ihr Engagement nicht zuletzt mit klaren Erwartungen an Ansehen, Auftreten und Image verknüpft haben.
Was sagen die Partner?
Steckte ich derzeit in der Haut eines Nati-Partners, würde ich mir auf alle Fälle meine Gedanken machen. Gibt diese Nationalmannschaft aktuell ein Bild ab, mit dem sich ein grosser Teil der Schweiz vorbehaltlos identifiziert? Trotz wiederholter Tritte ins Fettnäpfchen oder dem noch gar nicht erwähnten «Schwalben-Gate» im WM-Viertelfinal, das im Nachgang nur bedingt abgehandelt wurde? Ich bin mir nicht sicher. Ziemlich sicher bin ich mir jedoch, dass sich das gerade auch die UBS, Zurich oder die Swiss fragen, die den SFV seit Jahren unterstützen. Es würde mich nicht überraschen, wenn der Entscheid, aktuell auf Xhaka und Embolo zu verzichten, auch damit zu tun hätte, dass der SFV keine weitere negative Berichterstattung befeuern will. Nicht, weil die Mannschaft mit einer solchen nicht umgehen könnte, sondern weil der Verband und seine Partner daran überhaupt kein Interesse haben. Jedenfalls fand ich es erstaunlich, wie sich Präsident Peter Knäbels Botschaft binnen 72 Stunden der veränderten Stimmungslage anpasste. Von «eines Captains würdigem Verhalten» war zuletzt weniger zu hören, von möglichen Richtlinien umso mehr.
Mehr als Tore und Titel
Es gilt also, zwischen kurzfristigem, rein sportlichem Denken und langfristiger Perspektive auf und neben dem Platz abzuwägen. Eine Nati, die einen sportlichen Absturz erlebt, will niemand. Noch mehr sollte man sich allerdings fragen, ob der sportliche Zweck eine zunehmend fragwürdige Bandbreite an Mitteln heiligt. Schliesslich sind die Nationalmannschaft und ihre Spieler nicht nur Teil unserer Gesellschaft, sondern sie repräsentieren sie und somit die Schweiz auch auf grosser internationaler Bühne. Aktuell mit Werten und einem Verhalten, das zumindest mich irritiert und das uns allen meiner Meinung nach schlecht zu Gesicht steht – sportlicher Erfolg hin oder her.