Welcher Trainer kann jetzt helfen? Zwei Meinungen zur Krise bei ManUtd.
Michael Carrick ist noch Trainer von Manchester United. Doch nach sieben Punkten aus acht Spielen, Rang 16 und nur zwei Siegen in elf Pflichtspielen verdichten sich die Anzeichen, dass die Partie vom Samstag gegen Chelsea Carricks letzte sein könnte. Und dann? Gibt es jemanden, der den überfälligen Turnaround bei den Red Devils endlich herbeiführen kann? Unsere Redaktoren Patrick Y. Fischer und Andy Maschek haben beide einen klaren Favoriten.
Patrick Y. Fischer glaubt an: Fabian Hürzeler
Zwei Titel hat der ehemalige Serienmeister und Liga-Krösus Manchester United in den letzten zehn Jahren noch gewonnen. Auf den 21. Meistertitel wartet man sogar schon 13 Spielzeiten und das trotz Trainern wie Louis van Gaal, José Mourinho, Ralf Rangnick oder dem damals aufstrebenden Ruben Amorim. Das zeigt: Eine Garantie für Erfolg, wie zu Zeiten des legendären Sir Alex Ferguson, gibt es auch in Manchester längst nicht mehr.
Und genau deshalb halte ich auch nicht viel davon, dass der neue Hauptübungsleiter beim englischen Co-Rekordmeister zwingend über viel Erfahrung verfügen, sich mit Krisen auskennen oder bei einem grossen Klub gearbeitet haben soll. Denn schliesslich trifft genau das auf eine Vielzahl der im Old Trafford Gescheiterten zu. Was mir hingegen wichtig ist: Dass der neue Mann mit breiter Brust und Überzeugung die Arbeit mit einer verunsicherten Mannschaft und in einem verzweifelten Klub aufnehmen kann. Voller Selbstvertrauen, quasi, und mit der inneren Gewissheit, überall gewinnen zu können.
Und zum Glück für Manchester United gibt es so einen Mann sogar tatsächlich. Sein Name: Fabian Hürzeler. Erst 33 Jahre alter Deutscher mit Schweizer Vater und dennoch bereits der «heisseste Sch…s» auf dem internationalen Trainermarkt. Warum? Weil er überzeugt, sowohl taktisch als auch menschlich, und weil er ganz einfach gewinnt. Und zwar überall und bislang stets innert kurzer Zeit. Bei St. Pauli? Übernahm Hürzeler einen Tabellen-15., gewann seine ersten zehn Spiele und stieg ein Jahr später in die Bundesliga auf. In Brighton? Dauerte es elf Pflichtspiele bis zur ersten Niederlage, ehe er die Seagulls in den beiden Folgejahren zum Europacup-Teilnehmer und aktuellen Tabellen-3. entwickelte. Wobei es ein grosser Fehler wäre, Hürzeler deshalb zu verpflichten, weil er eine Mannschaft rasch in die Spur bringen kann. Dass Manchester United kein «Quick Fix» ist, dürfte mittlerweile auch dem Letzten bewusst sein.
Doch genau hier sehe ich Hürzelers grossen Vorteil gegenüber erfahreneren Trainern wie Antonio Conte oder auch Julian Nagelsmann: Der ehemalige Bayern-Junior verfügt über das Potenzial, Manchester United über Jahre hinweg zu prägen und zum Erfolg zurückführen zu können. Etwas, das ich dem im Zweijahresrhythmus seine Klubs wechselnden Conte oder dem nach den nur bedingt geglückten Engagements bei Bayern und Deutschland angeschlagenen Nagelsmann nicht zutraue. In Hürzeler jedoch sehe ich das Potenzial, einem Klub ähnlich wie Klopp in Dortmund oder Guardiola in Barcelona den Stempel aufzudrücken. Über Erfahrung bei ähnlich grossen Klubs oder in ähnlichen Situationen verfügten diese Beiden damals auch nicht.
Natürlich: Die Herausforderung, Hürzeler (Vertrag bis 2029) von Brighton loszueisen und ihn von einem Wechsel nach Manchester zu überzeugen, ist weder klein noch günstig. Schliesslich hat der in Houston geborene Manager aktuell keinerlei Druck, die «Chance» ManU zu ergreifen. Arbeitet er wie bislang weiter, werden sich die europäischen Grossklubs über kurz oder lang sowieso um ihn bemühen. Umso grösser der Zwang für Manchester United, jetzt mit einer sehr vielversprechenden, aber zugegebenermassen unerfahrenen Trainerlösung ins Risiko zu gehen. Eine «sichere» Wahl gibt es, wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, ohnehin nicht.
Andy Maschek glaubt an: Antonio Conte
Mit dem Abgang von Sir Alex Ferguson im Jahr 2013 hat sich auch der Erfolg bei Manchester United verabschiedet – bis auf wenige Ausnahmen zumindest. Auch aktuell gibt der einst so grosse und stolze Klub ein trauriges Bild ab. In den letzten acht Spielen blieb United ohne Sieg. Die Tiefpunkte folgten in den letzten beiden Matches: Zuerst gab es in der Champions League eine 1:4-Niederlage gegen Como, dann setzte es in der Premier League daheim ein 0:3 gegen Bournemouth ab. Die Konsequenz: Rang 16 in der Meisterschaft, Rang 20 in der Champions League. Anspruch und Wirklichkeit liegen schon fast Lichtjahre auseinander.
Nach dem schlechtesten Saisonstart von Manchester United in der Geschichte der Premier League würden im Normalfall die Gesetze des Fussballs greifen und der Klub würde den Trainer wechseln. Doch was ist bei diesem seit Jahren taumelnden einstigen Giganten schon normal? Mehrere Krisensitzungen führten zum Ergebnis, dass Michael Carrick das Team auch am Samstag gegen Chelsea coachen darf. Dass er bei Manchester United noch eine längere Zukunft vor sich hat, scheint aber ziemlich unrealistisch. Der Wechsel an der Linie dürfte eher früher als später erfolgen.
Und dann? Wer soll Manchester United zurück zum Erfolg führen? Als heisseste Anwärter werden momentan Eddie Howe, Julian Nagelsmann, Fabian Hürzeler und Antonio Conte gehandelt, wobei Howe der Topfavorit ist, Nagelsmann nach seinen seltsamen Auftritten und Entscheidungen als Bundestrainer in meinen Augen ein Fehlgriff wäre und Fabian Hürzeler über zu wenig Erfahrung verfügt, um diese herausfordernde Aufgabe zu meistern. Meine bevorzugte Wahl wäre Antonio Conte – und dies aus diversen Gründen.
Der Italiener ist erfahren und weiss, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Er gewann als Spieler und als Trainer diverse Titel und Auszeichnungen und hat bereits gezeigt, dass er nach einem sportlichen Neustart mit einem Team schnell Erfolge feiern kann. Mit Chelsea wurde er 2017 gleich in seiner ersten Saison englischer Meister. Und auch Napoli führte er 2025 im ersten Anlauf zum Meistertitel. Er hat damit mehrfach bewiesen, dass seine Arbeit schnell Wirkung entfalten kann. Und er verfügt über die Aura, die es im Umgang mit hochbezahlten Stars braucht. Allein sein Curriculum Vitae sorgt bei den Spielern für Respekt und Akzeptanz.
Neben seiner Autorität ist aber auch sein Know-how gross. Conte gibt eine klare taktische Orientierung vor und sorgt dafür, dass sein Team gut organisiert spielt. Seine Spieler wissen genau, welche Räume sie besetzen, wann sie pressen und wie sie sich gegenseitig absichern sollen. Das ist gerade bei einer verunsicherten Mannschaft wie ManU hilfreich. Er verfügt über Erfahrung in der Premier League und kennt den Druck, der auf der Insel herrscht. Er fordert Konzentration, Einsatz und Disziplin und kann einer Mannschaft das Selbstverständnis vermitteln, auch gegen stärkere Gegner bestehen zu können. Zudem ist ihm die intensive Trainingsarbeit wichtig. Conte legt grossen Wert auf Fitness und wiederholt taktische Abläufe, bis sie sitzen. Seine Teams sollen auch unter Druck als Einheit funktionieren. Und er geht mit Leidenschaft voran, lebt den Fussball vor. Die Verbindung aus Emotionalität und akribischer Arbeit ist eine Qualität, aber gleichzeitig auch eine Gefahr. Wenn die Mannschaft oder die Klubführung seine Vorstellungen nicht mittragen, sind Probleme schon fast garantiert.
Aber in der aktuellen Situation von Manchester United, in der alle nach Erfolgen lechzen, wäre er die beste Wahl, damit der Turnaround gelingt.