skysport.ch
Sky Sport

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Meinungen Fussball

Die Bayern tun sich schwer: Ist das besorgniserregend? Zwei Meinungen!

Andy-Yns

Am Samstag ein Remis gegen Augsburg, am Dienstag eines gegen den norwegischen Aussenseiter Viking. Es waren gefühlt zwei Niederlagen für den FC Bayern München, der ungewohnte Schwächen zeigt. Muss man sich da Sorgen machen? Ist es vielleicht gar der Anfang einer richtigen Krise? Unsere Redaktoren sind unterschiedlicher Meinung.

keystone-highres-730353905
In Norwegen blieb Captain Joshua Kimmich und den Bayern am Schluss nur ein Punkt – und viel Frust. © KEYSTONE/EPA/Carina Johansen

Younes Hdk. sagt Ja

Ein klarer Trend ist mittlerweile nicht mehr von der Hand zu weisen. Was wir derzeit vom FC Bayern sehen, ist mehr als nur ein kleines Formtief. Die Probleme scheinen sich festgesetzt zu haben. Während die Offensive des Rekordmeisters weiterhin brandgefährlich ist, gibt die defensive Stabilität seit Saisonbeginn zunehmend Anlass zur Sorge. Kompanys Mannschaft blieb in neun Pflichtspielen gerade einmal dreimal ohne Gegentor. Noch bedenklicher: Die beiden bisherigen Auftritte direkt nach einer Länderspielpause entwickelten sich zu regelrechten Fehlerfestivals – und endeten beide nur mit einem Unentschieden.

All das wäre deutlich weniger alarmierend, hätte Bayern im Sommer seinen Kader komplett umgebaut und müsste sich erst noch finden. Oder hätte der Klub bislang auf mehrere Leistungsträger verzichten müssen. Doch genau das ist nicht der Fall. Die Säulen dieser Mannschaft – Kane, Díaz, Olise, Upamecano, Kimmich oder Tah – standen bislang allesamt zur Verfügung und hatten keine bekannten körperlichen Probleme.

 Dass Bayern in der Bundesliga zwischendurch mal in den Verwaltungsmodus schaltet, haben wir schon oft genug erlebt. Der FCB war der Konkurrenz über Jahre derart überlegen, dass er am Ende meistens doch noch einen Gang hochschalten und die Verfolger wieder auf Abstand halten konnte, sobald es wirklich darauf ankam. Dass sich die aktuellen Probleme nun aber auch in der Champions League zeigen, ist der eigentlich beunruhigende Punkt.

Denn gerade in der Königsklasse hat sich der Rekordmeister solche Nachlässigkeiten praktisch nie erlaubt. Nicht umsonst hält Bayern dort gleich mehrere beeindruckende Bestmarken aus der Gruppen- beziehungsweise Ligaphase – darunter die längste Serie ohne Niederlage und die meisten Siege in Folge.

 Vor diesem Hintergrund ist es umso erstaunlicher, Bayern auswärts beim bescheidenen norwegischen Viking FK derart wackeln zu sehen. Fast noch überraschender – und vielleicht sogar bezeichnender – war der Platzverweis für Michael Olise. Ausgerechnet ein Spieler, der normalerweise kaum aus der Ruhe zu bringen ist, sieht die erste Rote Karte seiner Karriere. Für mich spricht das dafür, dass die Probleme tiefer sitzen. Es wirkt wie Frust über eine Situation, mit der Olise in dieser Form bislang kaum umgehen musste – weil er es schlicht nicht gewohnt ist, dass seiner Mannschaft die Dinge derart schwerfallen.

Die nächsten beiden Spiele dürften deshalb eine ziemlich klare Antwort auf diese Debatte liefern. Leipzig und Arsenal befinden sich zwar selbst nicht gerade in der Form ihres Lebens. Aber es sind genau die Art von Gegnern, gegen die Bayern normalerweise voll da ist und sich keine Nachlässigkeiten erlaubt. Wenn die Münchner auch dort dieselben Schwächen zeigen, wird es langsam schwierig, noch von einem blossen Formtief zu sprechen.

Andy Maschek sagt: Nein

Keine Frage, der FC Bayern München präsentiert sich aktuell nicht so, wie man es von ihm zuletzt gewohnt war. Zuerst die Punktverluste in der Bundesliga gegen Schalke und Augsburg, dann das 3:3 in der Champions League gegen Viking: Diese Resultate genügen den hohen Ansprüchen des Rekordmeisters nicht und stehen im krassen Gegensatz zu den Schützenfesten gegen Stuttgart (5:1), Union Berlin (7:0) und Bodö/Glimt (5:0). Dazu kommen teils haarsträubende Fehler, eine verloren gegangene Dominanz und Souveränität, defensive Wackler und eine mangelnde Konzentration.

Es sind Resultate, die schmerzen, die Fragen aufwerfen und auch klubintern zum Nachdenken bewegen. Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen sagte in Norwegen auf dem Bankett nach dem Spiel: «Wir haben uns diesen Ausflug nach Stavanger sicher anders vorgestellt. Das war sicherlich eine erste Halbzeit, wie wir sie uns anders wünschen, in der wir auf der Tribüne ein bisschen Blut und Wasser geschwitzt haben – mit Fehlern, die wir so nicht sehen wollen. Wir haben das aus unserem Blickwinkel so nicht erwartet.» Und: «Wir müssen unsere Lehren aus den unnötigen Fehlern ziehen und bei aller Traurigkeit, dass wir das heute nicht positiver gestalten konnten, nach vorne schauen.» Er betonte zudem, dass jeder Punkt in der Ligaphase wichtig sei, um unter die Top Acht der 36er-Tabelle zu. «Daher muss man auch jedes Spiel ernst nehmen – egal gegen welchen Gegner. Wir werden in den nächsten Spielen den Charakter der Mannschaft sehen und die Spielweise mit Energie und Dominanz.»

Es war keine Brandrede, die er da hielt. Aber ein sanfter Appell an die Mannschaft, wieder das wahre Gesicht zu zeigen. Letzte Saison sorgten die Münchner für Begeisterung. Es reichte zwar nicht zum Gewinn der Champions League, doch viel fehlte nicht. Nach einem Sommer mit einer für viele langen WM und einer kurzen Pause ruft nun bereits wieder der Alltag. Spiele gegen Augsburg oder Stavanger sind da teilweise nicht viel mehr als eine Pflichtübung. Dass nicht immer der ganze Esprit und die volle Konzentration mitspielen – man kann es verstehen, auch wenn die Kicker für ihre Arbeit äusserst fürstlich entlöhnt werden.

Muss man sich nach diesen Spielen Sorgen machen um die Bayern? Nein! Ist das bereits das Ende der Herrlichkeit unter Vincent Kompany? Nein! Werden die Münchner zurückkommen? Ja!

Ein Schuss vor den Bug ist bisweilen heilsam. Ein solches «Hallo wach» kann Wunder bewirken. Die Punktverluste haben noch keine negativen Auswirkungen, weder in der Meisterschaft noch in der Königsklasse. Die Bayern werden schon bald wieder ihr Sonntagsgesicht zeigen. Michael Olise wird mit Toren und Tricks statt mit einem Platzverweis und seinem teilweise seltsamen Verhalten für Schlagzeilen sorgen. Harry Kane wird die Fans mit einer Vertragsverlängerung und Toren erfreuen. Luis Diaz wird den Weg aus seinem Formtief finden. Und Trainer Vincent Kompany wir sich nicht scheuen, Goalie Manuel Neuer trotz seiner immensen Verdienste bei weiteren Fehlgriffen zu degradieren und stattdessen auf Jonas Urbig zu setzen. Die Mannschaft wird wieder konzentriert auftreten und wie eine gut geölte Maschine die Gegner vor unlösbare Probleme stellen. Denn der Appetit auf Siege und Titel ist noch längst nicht gestillt. Abgerechnet wird später, Titel gewinnt man nicht im Oktober.

 

Bewerte den Artikel
0 Bewertungen
Ihre Stimme wird gezählt.

News-Feed

Lesen Sie auch

Mehr anzeigen

Live-Sport ansehen auf

Sky Sport
Copyright Sky Schweiz SA © 2001-2026. Erstellt von EWM.swiss